00:28 23 April 2019
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    Produktion der Fahrzeugen des russischen Autobauers AVTOVAZ (Archivbild)

    Lada Deutschland-Chef zum Export-Abbruch: „Renault möchte nicht, dass…“ – EXKLUSIV

    © Sputnik / Anar Mowsumow
    Wirtschaft
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    Matthias Witte
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    Lada Deutschland-Chef Dieter Trzaska glaubt, dass der Konzern „Renault“ an die Einstellung der Lada-Exporte nach Europa Hand angelegt haben soll. Zuvor hatte der russische Autokonzern AVTOVAZ auf Anfrage von Sputnik Deutschland mitgeteilt, dass künftig keine Ladas mehr nach Europa geliefert würden.

    Begründet wurde das durch die strengeren Abgasnormen und die Folgekosten. Eine AVTOVAZ-Sprecherin teilte am Mittwoch auf Sputnik-Anfrage folgendes mit:

    „Aufgrund der Verschärfung der Umweltstandards (Umstellung auf die strengere Euro-6-Norm, Anm. d. Red.) in den europäischen Ländern passen wir unsere Exportaktivitäten in dieser Region an. Es besteht kein Zweifel, dass wir sie irgendwann für einige Zeit verlassen müssen. Wir haben jedoch vor, in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus der Allianz ein globales Modell zu schaffen und in diese Märkte zurückzukehren.“ (Der Text wurde vom Russischen ins Deutsche übersetzt.)

    >>>Mehr zum Thema: Lada wird Verkäufe in Europa darunter auch in Deutschland einstellen – EXKLUSIV<<<

    Über diese Aussage und die Zukunft bei Lada Deutschland haben wir exklusiv mit Geschäftsführer Dieter Trzaska gesprochen.

    Herr Trzaska, welche Auswirkungen hat diese Nachricht ganz konkret auf den Geschäftsbetrieb?

    Wenn die Situation so umsetzt, wie sie von der Alliance (Renault-Nissan-Mitsubishi, zu der auch Lada gehört, Anm. d. Red.) geschildert wird, haben wir davon auszugehen, dass wir ab März, April im Jahr 2020 von AVTOVAZ, beziehungsweise der Alliance, keine Lada-Fahrzeuge nach Deutschland geliefert bekommen. Damit ist nicht der Grau-Import gemeint. Eine größere Anzahl von Fahrzeugen gelangt wissentlich nach Europa, egal mit welcher Abgas-Norm. Diese Grau-Importe werden in den kommenden Jahren mehr werden.

    Was bedeutet das für Ihren Betrieb, wenn Sie keine Fahrzeuge mehr bekommen?

    Wir werden Personal im technischen Bereich abbauen müssen. Das wird 12 bis 18 Kollegen in der Technik  in der ersten Stufe treffen, insgesamt haben wir 44 Mitarbeiter.

    Was müssen Kunden beachten, die bei Ihnen Lada-Autos gekauft haben?

    Das ist sichergestellt. Wir sind als Gewährleistungs- und Garantiegeber nach dem europäischen Recht dazu verpflichtet, die Garantie- und Gewährleistung aufrecht zu erhalten.

    Haben Sie Verständnis für die unternehmerische Entscheidung, wegen der höheren EU-Abgasnormen den Vertrieb einzustellen?

    Überhaupt nicht. Das ist aus unserer Sicht keine wirtschaftlich bedingte Entscheidung. Die Summen, die uns genannt wurden, welche Investitionen getätigt werden müssten, um die Fahrzeuge auf „Euro 6“ umzurüsten, sind aus meiner Sicht utopisch. Beispiel: Um den Lada 4x4 der „Euro 6“-Norm entsprechend umzubauen, wurden Kosten von 1,2 Millionen Euro angegeben. Nach unseren Unterlagen müssten lediglich ein paar Dichtungen und ein Absorber verbaut werden. Also, wenn sie von hundert- bis zweihunderttausend Euro ausgehen, dann liegen sie schon sehr hoch. Das Gleiche gilt für den Lada Vesta. Die Investitionen, die da genannt wurden, sind „Bauch“-Informationen, die niemand geprüft hat. LADA hat im europäischen Pool der Renault-Allianz Gruppe weniger als o,o5 Anteil.

    Aber wer hat denn Interesse daran, dass keine Ladas mehr nach Europa kommen?

    Es ist eine Entscheidung, die vom ehemaligen Renault-Präsidenten Bo Andersson im 2015 vorbereitet wurde, Lada vom europäischen Markt zu nehmen – zugunsten von Dacia, Renault und Nissan. Zur gleichen Zeit gab es auch den Plan, dass AVTOVAZ bis zum Jahr 2018 30.000 PKW nach Europa liefern sollte. Der Aufsichtsrat soll, das haben wir bei einem Treffen im März erfahren, schon im Jahr 2016 entschieden haben, sich ab dem Jahr 2020 nicht mehr mit dem europäischen Markt zu befassen.

    Es gibt keine wirtschaftlichen Gründe für diese Entscheidung. Es gab einen Auftrag für die Alliance, die „Euro 6“-Vorgabe zu erfüllen. Dieser Auftrag wurde aus für uns unbekannten Gründen aufgekündigt. Es gab keine formalen Gründe. Daraus haben wir abgeleitet, dass AVTOVAZ keine „Euro 6“-Fahrzeuge fertigen will. Darum haben wir auf ein Gespräch mit dem Präsidenten gedrängt. Obwohl ein Investitionsauftrag bestand – nach meiner Meinung von der russischen Seite die Norm zu erfüllen – hat man den Auftrag kurz vor Ende des Ziels abgestoppt.

    Noch einmal: Der Auftrag war da, aber dann hat die Konzernspitze…

    Für mich gibt es leider bei AVTOVAZ keine Konzernspitze mehr. Es gibt eine Gruppe, die sich „Alliance“ nennt. Dann gibt es zwar einen Präsidenten, aber ich muss das noch einmal betonen: Alle Leute kommen aus der Alliance, alle Leute werden alle drei Jahre gewechselt. Es gibt für mich keine Gruppe, in der AVTOVAZ als AVTOVAZ auftritt. Das muss ich deutlich sagen, denn die Gruppen in Togliatti und Ischewsk werden so abgebaut, dass sie eigentlich keine Verantwortung mehr haben. Mir hat man mal gesagt: `Lada ist ein russischer Bär in einem Käfig. Wenn eine Messe ist, darf er raus. Er darf aber nicht sagen, dass die Autos nicht dem Weltstandard entsprechen und dass sie bis 2023/24 die „Euro 6“-Norm nicht erfüllen werden‘.

    Wer hat denn diese Entscheidung wann gefällt? Wurde diese Entscheidung in Russland oder Frankreich gefällt?

    Das kann ich nicht sagen, Aufsichtsräte tagen überall. Zeitlich gehe ich davon aus, dass das 2016 passierte, als AVTOVAZ-Präsident Andersson durch den ehemaligen Renault-Manager Nicolas Maure ersetzt wurde. Der Aufsichtsrat besteht zu 60 oder 65 Prozent aus der Alliance Renault-Nissan.

    Gucken wir zum Schluss nach vorne: In dem AVTOVAZ-Schreiben ist ja auch davon die Rede, dass nach dem Rückzug 2020 auch ein Comeback in Europa geplant ist. Wie groß ist aus Ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit? 

    Das sehe ich nicht als wahrscheinlich an. Um „Euro 6“ zu entwickeln und neue Händler aufzubauen brauche ich einen Vorlauf von vier bis sechs Jahren – von 2020 an. Die Händler, die bisher mit Lada arbeiten, werden sich zu anderen Marken orientieren. Die Chinesen kommen auf den Markt. Ich stehe zu meiner Aussage: Renault möchte nicht, dass neben Dacia noch eine Marke Lada in Europa existiert.

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    Tags:
    Lada, Abbruch, Interview, Export, Renault, AvtoVAZ, Dieter Trzaska, Deutschland