19:27 08 Dezember 2019
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    Goldmünzen in Deutschland (Archivbild)

    Weltwirtschaft am Abgrund? „Deutsche sind gut gerüstet – mit Gold“

    © AFP 2019 / PATRICK HERTZOG
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    Laut einer aktuellen Studie ist das private Gold-Vermögen der Deutschen so groß wie nie zuvor. Damit sind deutsche Anleger bei einem eventuellen großen Finanz-Crash gut gerüstet. „Eine globale Währungs-Krise steht bevor“, warnt Gold-Experte Dimitri Speck aus München gegenüber Sputnik und nennt das überschuldete Japan als mahnendes Beispiel.

    „Das Niveau der Niedrigzinsen, das wir hier in Europa seit Jahren, in Japan und den USA sogar noch länger haben, hat es historisch noch nie gegeben“, sagte Dimitri Speck, Goldmarkt-Experte und Buchautor aus München im Sputnik-Interview. Ein weiterer dramatischer Grund: Die weltweite Verschuldung: „Diese war in Friedenszeiten noch nie so hoch wie jetzt.“ Die aktuelle Weltlage im Bereich der Währungen und Finanzen „birgt hohe Risiken“. Es könne zu Deflation kommen (Geld wird überbewertet – Anm. d. Red.), „so dass die Verschuldungen sozusagen ausgebucht werden“.

    Seit Jahrzehnten: „Dramatische Verschuldung“

    Wahrscheinlicher sei aber Inflation (mehr Geld wird erschaffen und verliert an Wert – Anm. d. Red.), „um die Schulden zu bedienen“. Dies führe dann zwangsläufig zu einem Geldwertverlust. Die Folge: „Finanzmarkt-Blasen“. Blasen in den Währungen oder an den Anlagemärkten können – vereinfacht gesagt – durch Kreditschöpfung oder durch Umschichtung von Geldern entstehen.

    „Seit den 70er Jahren erleben wir eine Zunahme der Verschuldung und befinden uns seitdem in einem zunehmenden ‚Blasen-Modus‘ weltweit.“ Dies wurde beispielsweise bei der „Dotcom-Blase“ um das Jahr 2000 herum und auch bei der letzten großen Finanzkrise ab 2008 sichtbar. „Seitdem nimmt das Problem zu: Nicht nur Zentralbanken, auch andere Akteure spielen hier eine Rolle. Mittlerweile haben wir so viel Geld und so niedrige Zinsen im Umlauf, dass wir Blasen an vielen Märkten haben. Wir haben Blasen in den Immobilienmärkten von Kanada, Australien und China. Auch in München beispielsweise. Oder auch bei den Gewerbeimmobilien in den USA. Dort haben wir auch aufgeblähte Aktienmärkte. Das ist sicher eine ungesunde Entwicklung, die über kurz oder lang bereinigt werden muss.“

    „Schulden-Weltmeister“ Japan

    Die aktuelle Lage der Weltwirtschaft lässt sich dem Finanz-Experten zufolge mit der japanischen Volkswirtschaft vergleichen. Es sei ähnlich wie in Japan seit Jahrzehnten: „Die Verschuldung ist in Japan einfach immer weiter gestiegen, und das relativ zur Wirtschaftskraft. Irgendwann wird dies außer Kontrolle geraten. Das ist ein sehr bedenklicher Zustand.“

    Kein anderer Staat der Welt ist größer verschuldet als Japan. Bei der Staatsverschuldung prozentual gemessen am nationalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) belegt die ostasiatische Wirtschaftsmacht den ersten Platz der Weltrangliste. Dicht gefolgt von Griechenland, wie der IWF zuletzt im April 2018 mitteilte. Japan müsste Schulden begleichen, die fast dreimal so groß sind wie die eigene nationale Wirtschaftsleistung. Bereits 2010 hatte das Land fast 700 Prozent mehr Schulden als eigene Steuereinnahmen angehäuft.

    Eine Grafik aus dem Buch „Geheime Goldpolitik“ des Interview-Partners zeigt die stetig steigende Gesamt-Verschuldung Japans.
    © Foto : Dimitri Speck
    Eine Grafik aus dem Buch „Geheime Goldpolitik“ des Interview-Partners zeigt die stetig steigende Gesamt-Verschuldung Japans.

    „Bei der japanischen Währung Yen haben wir ein unglaubliches Ausmaß an Überschuldung erreicht.“ Doch nicht nur der Yen leide unter katastrophaler Überschuldung. In einer globalisierten, international vernetzten Weltwirtschaft hätten alle großen Wirtschaftsnationen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

    US-Dollar: Wirtschaftsvorteil oder politischer Nachteil?

    „Alle kreditbasierten Währungen wie Yen, Dollar und Euro sind natürlich im Wert gefährdet, wenn die zugrundeliegenden Kredite gefährdet sind – und das sind sie eben aufgrund der Überschuldung.“ Die Währungen seien zu unterscheiden: „Wir haben den Dollar“, so Speck, „der hat eine Sondersituation: Er ist sehr stark im Ausland als Weltleitwährung und Weltreservewährung vertreten, auch bei den Zentralbanken. Das heißt: Sehr viele Gläubiger der USA – insbesondere des Staates – sitzen im Ausland.“

    Diese Konstellation ergebe aus US-Sicht einen Vorteil, falls sich Washington dazu entschließen sollte, die eigenen Schulden durch eine Abwertung der US-Währung finanziell „abbauen“ zu wollen. „Wenn sich die USA irgendwann einmal durch Inflation oder Dollar-Abwertung entschulden wollten, dann könnten sie sich dadurch im Ausland schadlos halten. Aus politischer Sicht natürlich nicht, weil die Weltreservewährung Dollar natürlich auch Vorteile für die USA hat. Dieser Vorteil würde dann verschwinden.“

    „Fehlkonstruktion“ Euro

    Auch der Euro gehöre zu den international relevanten „Krisen-Währungen“. „Der Euro war von Anfang an fehlkonstruiert“, konstatierte der Münchner Finanzmarkt-Analytiker. „Hier hat man Euro-Länder zusammengeführt, die im Moment wirtschaftlich noch nicht zusammengehören. Für die südeuropäischen Länder wie Griechenland steht der Euro zu hoch, für Deutschland steht der Euro seit Jahren zu niedrig. In Italien ist das BIP pro Person seit 20 Jahren praktisch nicht gewachsen.“ Dies fördere zwar den bundesdeutschen Export, „wofür wir dann aber wiederum nicht eintreibbare Forderungen erhalten. Da ist in Europa einfach ein großer realwirtschaftlicher Schaden entstanden.“

    Eine Auflösung der Euro-Zone sei „nicht einfach so machbar und würde Fluchtbewegungen aus dem Euro heraus befördern“. Grundsätzlich unterstütze Speck zwar Ökonomen, die eine Rückkehr zu nationalen Währungen wie der D-Mark fordern, das Problem sei dabei jedoch die Frage: „Wie macht man das in der Praxis? Ich glaube, das ist kaum machbar, ohne größere Verwerfungen zu verursachen.“ Der Finanz-Experte vermutet, dass die europäische Zentralbank EZB mittel- und langfristig versuchen wird, „permanent durch zusätzliche Geldschöpfungsmaßnahmen den Euro zu retten. Damit werden wir erst mal in eine Inflation hineingeraten, aber einen Zerfall des Euro in dem Moment erstmal verhindern.“

    Gold und Silber als Lösungen aus der Krise

    Die Weltlage der kreditbasierten Währungen „ist kritisch“, zog er ein Fazit. „Die Frage ist eher der Zeitpunkt, wann diese Währungen in eine Krise geraten, als die Frage, ob sie es überhaupt tun werden.“ Doch der Münchner Goldmarkt-Experte nannte Lösungen, die aus der Krise herausführen sollen.

    „Ob man jetzt in so einer Krise gewinnt oder verliert, hängt davon ab, wie man sich anlagetechnisch entscheidet.“ Grundsätzlich seien Sachwerte durch Probleme in der Kredit-, Banken- und Währungs-Branche nicht betroffen. Darunter fallen Immobilien, Aktien oder auch Edelmetalle wie Gold und Silber. Diese seien am sichersten in der Krise. „Gold und Silber würden in einer großen Krise regelrecht profitieren, wie es historisch immer der Fall war. Auch, weil am Beginn einer Inflation Sachwerte wie Immobilien erstmal real dramatisch fallen könnten.“

    Studie: „Goldschatz der Deutschen wächst“

    Der aufstrebende Goldpreis werde „tendenziell beflügelt von einer niedrigen Realverzinsung, was aktuell der Fall ist“, so Speck. Solange die Überschuldung anhalte, werde das Edelmetall profitieren. „Insofern ist die Aussicht positiv. Allerdings kann die Goldpreisentwicklung einen Dämpfer bekommen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Aktien schneller steigen als das Gold.“ Dennoch rechne er langfristig „mit einem Schub beim Gold“.

    Die deutschen Sparer scheinen gut gerüstet für eine kommende Krise: „Der Goldschatz der Deutschen wächst, wie aus einer Studie der Reisebank hervorgeht: Privatleute in Deutschland besitzen demnach mittlerweile die Rekordmenge von 8918 Tonnen des Edelmetalls.“ Das berichteten die Börsen-Nachrichten am Montag. Die Hälfte dieses Goldes sei in Form von Barren und Münzen vorhanden. „Knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. (…) Drei Viertel der Bundesbürger (74 Prozent) besitzen demnach Gold in Form von Schmuck, physisch in Form von Barren oder Münzen oder mittelbar über ein spezielles Wertpapier.“

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

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