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20:01 15 Juli 2019
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    Goldene Rubel-Münze

    Rekord-Hoch trotz Sanktionen – Russlands Rubel rollt wieder

    © Sputnik / Wladimir Atapkowitsch
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Der Rubel befindet sich derzeit auf einem Hoch. Finanzmedien und Experten sehen Öl-Preisanstieg als Hauptgrund. „Das ist korrekt, aber zu kurz gegriffen“, analysiert der Münchner Finanzexperte Dimitri Speck. Im Sputnik-Interview nennt der erfahrene Wirtschafts-Analytiker weitere Gründe für den Aufschwung bei Russlands Währung.

    „Die russische Wirtschaft, insbesondere die russische Außenwirtschaft, ist natürlich sehr stark durch den Energie-Export (Gas, Öl; Anm. d. Red.) bestimmt“, sagte Dimitri Speck, Goldmarkt-Experte und Buchautor aus München gegenüber Sputnik. Der Rohöl-Preis spiele eine entscheidende Rolle. Typischerweise sei es so: „Wenn der Rohöl-Preis steigt, dann steigt auch dementsprechend der Rubel.“

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    Der Rubel sei auf ein „Elf-Monats-Hoch“ im Kursvergleich zum Euro gestiegen, meldet aktuell der Börsen-Ticker der Nachrichtenagentur „Reuters“. Der Preisanstieg beim Rohöl gebe der russischen Währung Auftrieb. „Der in Rubel berechnete Moskauer Aktienindex erreicht mit 3599,33 ein Rekordhoch“, so die Agentur.

    Anti-russische Sanktionen: „Immer noch großes Problem“

    Aber nicht nur der weltweite Öl-Preis habe Einfluss auf den Rubel-Kurs. „Es gibt auch andere Faktoren“, betonte Speck. „Wie beispielsweise die Sanktionen, die fahrtenweise den Rubel gedrückt haben. Aber aktuell ist sicher der Preis beim Rohöl positiv für den Rubel. Positiv für die kurzfristige Entwicklung im Moment.“

    Ein schwacher Rubel sei günstig für den russischen Export, behaupten immer wieder Ökonomen. Auch würden durch einen niedrigen Rubel-Kurs ausländische Investitionen in Russland „billiger“ werden. Diese Sicht analysierte Speck im Interview. „Bei Investitionen in Russland spielen viele andere Faktoren auch eine Rolle“, sagte er. „Zentral sind hier die Sanktionen zu sehen. Zentral sind auch gewisse Schwächen, die sich in Russland als post-sozialistisches Land eingestellt haben.“ Die aus ehemaligen Ostblock-Staaten bekannten Schwächen seien in der russischen Verwaltung und Gesellschaft zu finden und somit Investitionshemmnisse. Aktuell seien die Sanktionen jedoch die dominantesten Erschwernisse für ein Investment in Russland. „Man weiß einfach nicht, wie es weitergeht. Das ist einfach eine sehr hohe Unsicherheit. Das ist das Haupthindernis im Moment.“

    Großes Plus für Russland: „Viel Gold, wenig Dollar“

    Er sehe jedoch trotz all dieser Probleme die gegenwärtige Entwicklung der russischen Volkswirtschaft „sehr positiv“. „Zum einen ist es von der russischen Zentralbank sehr vernünftig, viel Gold zu halten. Und weniger US-Dollar, so wie es andere Staaten (zum Beispiel China, Anm. d. Red.) betreiben. Die meisten sogar.“ Ein maßgeblicher Pluspunkt für Russlands Ökonomie und Währung sei aber folgender Fakt:

    „Russland ist kaum verschuldet. Weder der russische Staat noch Privatleute oder Unternehmen sind stark verschuldet gegenüber der Wirtschaftskraft. Das ist enorm positiv zu sehen. Wenn man das mit anderen Ländern vergleicht – Staaten in der EU, Japan, die USA oder China – dort ist die Verschuldung weitaus höher.“ Dies mache die russische Währung und Wirtschaft langfristig stabil. „Das ist tendenziell für die langfristige Entwicklung des Rubels exzellent. Das ist ein sehr positiver Faktor für die russische Währung.“

    Chancen und Risiken für den Rubel

    Anfang April nannte der russische Ökonom Vladimir Mau, Rektor der „Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentliche Verwaltung“ in Moskau, gegenüber Journalisten die wichtigsten Chancen und Risiken für den Rubel im Jahr 2019. Das berichtete das Wirtschafts-Fachmagazin „Russland.Capital“. „Wir haben viel darüber gesprochen, den Rubel vom Öl zu lösen, und im Allgemeinen zeigt die Überwachung, dass dies geschieht“, wurde Mau zitiert. „Aber gleichzeitig bleibt der Rubel verwundbar und abhängig von der äußeren Umgebung. Hier sind sowohl die Sanktionen als auch die Politik der US-Notenbank, die viele Länder trifft. Der Rubel schwankt tatsächlich nicht mehr mit den Öl-Schwankungen, das ist wichtig.“

    Darauf entgegnete der Münchner Finanz-Fachmann Speck: „Das stimmt. Es gab eine Loslösung des Rubels vom Rohöl, aber die ist auch positiv zu sehen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Sanktionen dafür gesorgt haben, dass der Rubel-Kurs tiefer steht als es der Rohöl-Preis und damit auch die russische Volkswirtschaft nahe legen würde.“ Er nannte ein Beispiel: Als sich der Preis beim Öl in den vergangen zwei Jahren nach einer Talfahrt erholte, stieg der Rubel-Kurs nicht mit. „Das heißt: Der negative Einfluss der Sanktionen hat den Rohöl-Preis einfach stark gedrückt. Hier sehe ich eine Unterstützung für den Rubel.“

    Günstiger Russland-Urlaub

    Zum Schluss gab der vielreisende Finanzexperte europäischen und deutschen Touristen noch Tipps mit auf den Weg, falls diese in Russland ihren Urlaub verbringen wollen. „Der allgemein günstige Rubel-Kurs, der mittlerweile seit 2015 besteht, gestaltet den Aufenthalt dort günstiger. Wobei man ganz klar sagen muss, dass es an verschiedenen Orten – wie in Moskau am Flughafen – längst westliche Preise gibt.“

    Der Euro-Rubel-Kurs liegt aktuell bei etwa 1:72. Sprich: Für einen Euro erhält man aktuell beim Umtausch circa 71,60 russische Rubel. Zum Vergleich: Eine Packung Milch kostet in einem Moskauer Supermarkt etwa 70 Rubel.

    Das Radio-Interview mit Finanzexperte Dimitri Speck zum Nachhören:

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    Tags:
    US-Sanktionen, Währung, Sanktionen, Gold, Euro, Dollar, Rubel, US-Notenbank FED, EU, USA, Russland