03:34 02 April 2020
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    Laut einer aktuellen Umfrage sind fast 90 Prozent der ostdeutschen Maschinenbau-Unternehmen sehr zufrieden mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und Auftragslage. „Trotz leichter konjunktureller Einbrüche erbringen unsere Firmen sehr gute Leistungen“, sagt Reinhard Pätz, Chef des Maschinenbau-Verbands VDMA-Ost, im Sputnik-Interview.

    Die ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbauer stehen wirtschaftlich und unternehmerisch gut bis sehr gut im aktuellen Jahr da. Dies ergab eine aktuelle Umfrage des ostdeutschen Zweigs des Industrieverbands „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ (VDMA) unter 350 Unternehmen der Branche in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.   

    „84 Prozent der Betriebe beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut bis sehr gut“, heißt es in der Pressemitteilung des VDMA-Landesverbands Ost. Die tatsächliche Lage sei „deutlich besser als die momentan gefühlte Stimmung“, erklärte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Ost. Im Sputnik-Interview konkretisierte er die Studie.

    Die gute wirtschaftliche Situation der ostdeutschen Maschinenbauer „liegt zum einen an der guten Geschäftssituation, die noch aus 2018 herrührt“, sagte er. „Die es ermöglicht hat, mit einem sehr hohen Auftragsbestand in das Jahr 2019 zu gehen. Das heißt, wir leben momentan noch vom hohen Auftragsbestand, der sich bei einigen Firmen bis Anfang nächsten Jahres hinstrecken wird. Aber, man muss auch sagen, es kommen zu wenige Aufträge nach.“

    „Auslastungsgrad bis zu 90 Prozent“

    Die Unternehmen in Ostdeutschland arbeiten derzeit viele Aufträge ab. Das geht aus bereits zitierter Presseerklärung hervor. „Sie haben im ersten Quartal ihre vorhandenen Produktionskapazitäten zu durchschnittlich 90,2 Prozent ausgelastet. Neun von zehn Betrieben erreichten hierbei einen Auslastungsgrad von mindestens 80 Prozent. Darüber hinaus kletterte das Auftragspolster auf sechs Produktionsmonate. Die Firmen sind im Durchschnitt bis September dieses Jahres ausgelastet.“

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    Es seien immer Trends, „die wir abfragen“, so der VDMA-Ost-Chef. „Immer rückwirkend und vorausblickend auf die nächsten sechs Monate, was sich da entwickeln wird. Wir erfragen dabei auch die Hauptprobleme, mit denen sich die Unternehmen aktuell beschäftigen, die die Geschäftsentwicklung hemmen.“ Aus den Rückmeldungen der ostdeutschen Maschinenbau-Firmen wiederum versuche der Verband dann, Lösungsvorschläge und Hilfen für die betroffenen Unternehmen zu entwickeln.

    Skeptischer Ausblick: „Keine Krise herbeireden“

    Die Firmen „blicken deutlich skeptischer auf das Gesamtjahr“, heißt es in der VDMA-Ost-Pressemitteilung. Dem Verband zufolge sei das „auf Marktveränderungen und die globalen Unsicherheiten, aber auch auf den Konjunkturzyklus“ zurückzuführen und damit erklärbar.

    „Wir müssen aufpassen, dass wir keine Krise herbeireden“, warnte Verbands-Chef Pätz. Die Gesamtsituation der Maschinenbau-Branche in Ostdeutschland sei insgesamt nämlich überaus positiv. „Wir haben jetzt fünf, sechs Jahren wirklich ein gutes Wachstum gehabt. Teilweise auch zweistellig. Und jetzt hat die Weltkonjunktur sich etwas eingebremst, bedingt sicherlich auch durch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die wir momentan halt haben. Aber wir bewegen uns immer noch auf einem sehr hohen Niveau.“

    US-Zollpolitik, Chinas „Seidenstraße“ und schwache EU

    Er nannte die US-Handelspolitik unter US-Präsident Donald Trump, Chinas „Neue Seidenstraße“ und die Schwäche der Europäischen Union (EU) als aktuelle weltwirtschaftliche Herausforderungen, die auch Ostdeutschlands Industrie treffen würden. Der Verband lehne Protektionismus und unfaire Handelshemmnisse, wie etwa ungerechtfertigte Zölle, grundsätzlich ab. Aber die aktuelle Weltlage könne den skeptischen Ausblick im Osten erklären.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Trump droht EU mit Einfuhrzöllen für „etliche Waren“<<<

    In solchen Zeiten werde weniger investiert, auch in Ostdeutschland. „Das heißt: Man schiebt Geschäft und Aufträge. Darauf müssen unsere Firmen reagieren.“ Beispielsweise durch Optimierung von Produktionsprozessen, neue Innovationen oder durch Kundenpflege. Auch die Bundespolitik könne einiges tun und gute Rahmenbedingungen setzen, „damit sich unsere Firmen auch in einem entsprechenden Umfeld bewegen können.“

    Deutsche Zukunftsbranche: „High-Tech-Maschinenbau“

    Seit wenigen Wochen steht fest: Die Stadt Duisburg im Ruhrpott wird die Endstation des „Belt-and-Road“-Projekt Pekings werden. Es könne auch sein, dass der ostdeutsche Maschinenbau von der „Neuen Seidenstraße“ Chinas profitieren könne. Garantiert sei dieser Umstand aber nach heutigem Stand keinesfalls, so der Verbands-Chef.

    „Das am häufigsten genannte Problem ist sicherlich das Thema fehlende Fachkräfte“, betonte VDMA-Ost-Chef Pätz. „Wir müssen unseren Firmen helfen, sich gegenüber anderen Firmen positiv abzusetzen und den jungen Leuten zu zeigen, welche Perspektive sie in einem solchen High-Tech-Bereich wie dem Maschinenbau haben.“ Der sei eine ausgezeichnete Zukunfts-Branche des Landes. Die Branche „ist der größte Arbeitgeber in Deutschland, was die Beschäftigungszahlen angeht. Was nur wenige wissen. Wir haben im Osten und in Berlin sehr attraktive Arbeitsplätze. Da müssen wir versuchen, dort behilflich zu sein, Werbung und auch Image-Pflege zu betreiben.“

    Rückgrat der deutschen Industrie

    Die wesentliche Aufgabe des Verbands ist es, seinen Mitgliedsfirmen in der ostdeutschen Maschinenbau-Industrie „in jedem Feld ihres unternehmerischen Handelns zu helfen. Da, wo wir es können. Es fängt bei der Technologie an, bei der Innovation, bei der Produktion und geht hin bis zur Erschließung neuer Märkt.“ Dazu gehöre auch die „klassische Interessenvertretung“ des ostdeutschen Maschinenbaus gegenüber Hochschulen, Kredithäusern und Banken sowie der Politik.

    „In langer Tradition gilt der Maschinen- und Anlagenbau als das Rückgrat der ostdeutschen Industrie und als Motor für die Wirtschaft“, heißt es auf der Website des ostdeutschen Maschinenbau-Verbands.  

    Das Radio-Interview mit Reinhard Pätz (VDMA-Ost) zum Nachhören:

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