Widgets Magazine
22:44 13 Oktober 2019
SNA Radio
    Betrieb Siemens Gas Turbine Technologies in Sankt Petersburg

    Generaldirektor „Siemens Gas Turbine Technologies“: Russland begeistert mich immer und immer wieder

    © Foto : Siemens Gas Turbine Technologies
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (12)
    91583
    Abonnieren

    Vom 6. bis 8. Juni findet das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg statt. Tausende Besucher aus Russland und der ganzen Welt, darunter Geschäftsleute, Experten, Staats- und Regierungschefs, versammeln sich und besprechen die wichtigsten Fragen im Bereich von Wirtschaft und Politik.

    Deutsche und russische Unternehmen nutzen diese Plattform, um die weitere Kooperation zwischen den beiden Ländern zu fördern.

    Im Vorfeld des Forums bereitet Sputnik eine Serie von Interviews mit den Managern deutscher Firmen vor, die in Russland tätig sind. Heute sprechen wir mit Nico Paetzold, dem Generaldirektor von OOO „Siemens Gas Turbine Technologies“.

    Die deutschen Unternehmen bilden die größte ausländische Geschäftsgemeinschaft in Russland. Was ist Ihrer Meinung nach das Rezept für ein erfolgreiches Handeln in Russland?

    Ich glaube, man muss etwas Ausdauer mitbringen und den Glauben an den Markt haben, da politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sich verändern. Es ist auch wichtig in Russland, die politischen Ebenen zu kennen, um die notwendige Unterstützung zu bekommen. So arbeiten wir mit dem Leningrader Gebiet und dem Gouverneur zusammen, der uns unterstützt hat. Natürlich auch mit Moskau, mit dem russischen Ministerium für Industrie und Handel.

    Siemens investiert sehr viel für die Lokalisierung in Russland – warum ist das für Siemens so wichtig?

    Man kann sagen, dass Siemens eigentlich die Lokalisierung erfunden hat. Carl von Siemens eröffnete im Jahr 1853 das erste Bureau hier in St. Petersburg. Und daher war Siemens sehr früh beim Thema Lokalisierung aktiv. Auf der anderen Seite hat auch Russland das Ziel, Technologie ins Land zu bringen, damit man von den politischen Herausforderungen nicht abhängig ist. Und wir wollen nah am Kunden sein, wir wollen Serviceleistung vor Ort liefern.

    Nach den Angaben von Siemens ist die Herstellung von Gasturbinen über 60 Prozent lokalisiert. Können sie bitte dem Leser, der nicht so tief im Thema ist, erklären, was diese Zahl bedeutet?

    Wenn sich der Importanteil reduziert, erhöht sich der Grad der Lokalisierung. Als wir 2015 die Fabrik hier eröffneten, wurden alle Teile einer Gasturbine importiert, wir leisteten nur die Endmontage. Der Lokalisierungsgrad betrug damals dementsprechend maximal zehn Prozent. Schrittweise reduzierten wir die Anzahl der importierten Teile, und damit erhöht sich der lokale Anteil, der derzeit bei mehr als 62 Prozent liegt. Was wir noch nicht lokalisiert haben, sind die strategischen Teile. In der Perspektive möchten wir nah an 100 Prozent kommen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Investforum Sotschi: Deutsche und Schweizer halten weiterhin an Russlandgeschäft fest<<<

    Erzählen Sie uns ein bisschen mehr über diese Anlage hier in St. Petersburg.

    Die Fabrik ist wirklich groß – sie hat eine Fläche von mehr als 13.000 Quadratmetern. Wir haben mehr als 110 Millionen Euro in das Gebäude und die Maschinen investiert. Das ist eines der modernsten Gasturbinenwerke weltweit. Letztes Jahr eröffneten wir das Servicecenter, dafür investierten wir rund zehn Millionen Euro. Vor kurzem hörte ich von einem unsere Kunden, der uns besucht hatte, dass die Fabrik wirke wie „ein Stück Deutschland in Russland“.

    Welche Themen sind heute im Business-Dialog am wichtigsten?

    Das Wichtigste ist, Klarheit über politische und wirtschaftliche Ziele in Russland zu haben. So möchte Siemens seine Hochtechnologien lokalisieren, aber während des Lokalisierungsprozesses die Kontrolle darüber behalten. Auf der anderen Seite sollen nicht nur Investoren wie Siemens vom russischen Staat gefordert werden, sondern auch russische Unternehmen, die als Lieferanten qualifiziert werden. Das „Ökosystem“ von Fertigung und Supply muss in Russland stärker entwickelt werden.

    Hatten Sie irgendwelche Klischeebilder über Russland, bevor Sie hierherkamen?

    Nur positive. Ich sage das wirklich auf Grund meiner Erfahrung in vielen anderen Ländern, ich habe hier keinen großen Unterschied kennenlernen müssen. Hier braucht man eigentlich kein interkulturelles Training durchführen. Wenn deutsche Kollegen zu uns kommen, integrieren sie sich sehr schnell.

    Ich bin seit 26 Jahren bei Siemens und habe in 14 Ländern gearbeitet, alle zwei Jahre habe ich das Land gewechselt. In Russland bin ich jetzt über vier Jahre, und auch nach vier Jahren bin ich super positiv. Was mir an Russland so gefällt, ist die Vielfalt: Die Vielfalt der Region selber, aber auch der Natur. Ich versuche, wenn es die Möglichkeit gibt, Russland zu bereisen. Und es begeistert mich immer und immer wieder.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Deutsche Industrie mit größtem Auftragseinbruch seit zwei Jahren<<<

    Welche Orte finden Sie in Russland am beeindruckendsten?

    Sehr beeindruckend finde ich den Ladoga See, den größte See Europas. Und dann war ich noch am Baikalsee und in der Ural-Region. In der Wolga-Region sind zum Beispiel noch die Spuren der deutschen Händler des 17. Jahrhunderts zu finden. Sie legten damals den Grundstein für den Handel zwischen Deutschland und Russland, also hat unsere Zusammenarbeit eine unwahrscheinlich lange Tradition.

    Worin besteht die Besonderheit der russischen Mentalität im Vergleich zu der deutschen?

    Die Deutschen sind sehr fokussiert. Wenn wir etwas planen, dann planen wir es. Die Russen können von so einem Plan abweichen, sie sind flexibler. Manchmal mache ich mir Sorgen: „Schaffen wir das überhaupt noch?“, da ich keinen Plan im Sichtfeld habe. Jedoch wird das Ziel letztendlich immer erreicht, aber mal anders. Das überrascht mich immer wieder positiv. Natürlich, wenn man einen Qualitätsstandard halten muss, gibt es gewisse Grenzen der Flexibilität, gerade bei Gasturbinen.

    Sind Sie mit Ihrer Arbeit hier zufrieden?

    Ja, denn sie ist nie langweilig. Es gibt immer wieder Überraschungen, meistens positive, aber auch negative, mit denen man auch umgehen muss. Eins kann man in Russland vergessen: die Routine. Wenn man gewillt, experimentierfreudig und aufgeschlossen ist, ist Russland das richtige Land, um seinen Job zu machen.

    Nico Petzold, Generaldirektor von „Siemens Gas Turbine Technologies“
    © Foto : Siemens Gas Turbine Technologies
    Nico Petzold, Generaldirektor von „Siemens Gas Turbine Technologies“
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (12)
    Tags:
    Qualität, Sorgen, Import, Herstellung, Gasturbinen, Investitionen, Siemens, Deutschland, Russland