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    Generaldirektor Schattdecor Russland: Partnerschaft mit Russen mündet oft in Freundschaft

    © Foto : Schattdecor
    Wirtschaft
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    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (13)
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    Vom 6. bis 8. Juni findet das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg statt. Es wird seit 1997 durchgeführt und steht unter der Patenschaft des russischen Präsidenten. Tausende Besucher aus Russland und der ganzen Welt, darunter Geschäftsleute, Experten, Staats- und Regierungschefs, versammeln sich und besprechen die wichtigsten Fragen im Bereich von Wirtschaft und Politik.

    Deutsche und russische Unternehmen nutzen diese Plattform, um die weitere Kooperation zwischen den beiden Ländern zu fördern.

    Im Vorfeld des Forums führt Sputnik eine Serie von Interviews mit Managern deutscher Firmen, die in Russland tätig sind. Heute sprechen wir mit Jens Palmen, Generaldirektor Schattdecor Russland.

    Die deutschen Unternehmen bilden die größte ausländische Handelsgemeinschaft in Russland. Was ist Ihrer Meinung nach das Rezept für ein erfolgreiches Geschäft in Russland?

    Es gibt mit Sicherheit nicht das eine Erfolgsrezept für Russland. Allerdings kann man sagen, dass Russland einen großen Bedarf an Produkten und Dienstleistungen hat, bei denen gerade deutsche Unternehmen führende Positionen einnehmen. Diese Unternehmen gehören oft zum berühmten deutschen Mittelstand und sind obendrein häufig auch noch Familienunternehmen.

    Das kommt bei russischen Partnern sehr gut an: Neben erstklassigen Produkten zu konkurrenzfähigen Preisen stehen kurze Entscheidungswege durch Unternehmer oder Geschäftsführer, deren Wort noch zählt. Dadurch entsteht schnell Vertrauen und im Weiteren, hoffentlich, eine langfristige Partnerschaft. Gute Produkte zu guten Preisen können selbstverständlich auch andere liefern. Wir Deutschen sind meiner Meinung nach aber eher bereit, mit den Russen echte Partnerschaften einzugehen, die öfter auch in Freundschaften münden. Bei all dem hilft uns mit Sicherheit auch die gemeinsame Vergangenheit.

    Welche Schwierigkeiten gibt es auf dem russischen Markt?

    Hier sind mit Sicherheit die in verschiedenen Bereichen oftmals noch hohen bürokratischen Hürden zu nennen. Auch gibt es im Rechtsbereich noch einige Graubereiche aufgrund von schwammigen Gesetzes-Formulierungen. Das führt zu Unklarheiten und Unsicherheiten, die wiederum zu Compliance-Themen führen können. Wobei: Internationale Juristen weisen regelmäßig darauf hin, dass die russische Gesetzgebung im Allgemeinen in den letzten Jahren sehr stark aufgeholt hat und in einigen Bereichen moderner ist als die Deutsche. Das Problem ist dann allerdings häufig in der Anwendung und im Prozessverlauf zu finden. Da kann es schon zu unangenehmen Überraschungen kommen.

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    Laut einer Umfrage der deutsch-russischen Auslandshandelskammer planen die deutschen Unternehmen keinen Weggang vom russischen Markt trotz der Sanktionen. Wie stabil ist diese positive Tendenz?  

    Die deutsche Wirtschaft hat in der Vergangenheit allerdings bewiesen, dass sie das Feld nicht so schnell räumt. Sobald ein Mittelständler investiert hat, wird er nicht so schnell bereit sein, auf dieses Investment zu verzichten. Daher bin ich sicher, dass die Mehrzahl der heute vor Ort arbeitenden deutschen Unternehmen auch in Zukunft noch aktiv vor Ort in Russland sein wird. Selbstverständlich werden neue Sanktionen, egal von wem und in welcher Art, auf den einen oder anderen Akteur Einfluss haben – die deutsche Wirtschaft ist in der Regel aber stark und flexibel genug, um Rückschläge und Durststrecken verkraften zu können. Die meisten Familienbetriebe denken mittel- bis langfristig. So auch Schattdecor. Wir planen definitiv nicht, unser Engagement in Russland zu reduzieren.

    „Eine Krise ist die beste Zeit für die Investitionen“ – sind Sie damit einverstanden?

    Wenn man es sich leisten kann und sowieso darüber nachdenkt, zu investieren, ist es mit Sicherheit sehr interessant, antizyklisch zu denken. Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt, dass es in Russland letztendlich immer weiter aufwärts geht. Abschwünge gehören dazu. Der Nachholbedarf in Russland war oder ist aber immer noch so groß, dass man weiterhin von guten Marktmöglichkeiten ausgehen muss. Diese variieren von Branche zu Branche. Die Russen werden aber ja morgen nicht aufhören zu essen, Auto zu fahren oder zu wohnen. In Folge wird es auch weiterhin viele Chancen geben, seine Produkte erfolgreich auf dem Markt verkaufen zu können.

    Schattdecor ist bereits seit fast 20 Jahren auf dem russischen Markt tätig. Welche Bilanzen lassen sich ziehen?

    Wir haben genau zum richtigen Zeitpunkt investiert: die allgemeine Lage hatte sich nach den wilden 90er Jahren bereits beruhigt und der Markt wartete darauf, bearbeitet zu werden. Wir konnten mit zunächst überschaubaren Mitteln unheimlich viel bewegen und die Mitarbeiter haben Schattdecor schnell als stabilen und zuverlässigen Arbeitgeber kennen gelernt. Harte Arbeit, Ehrlichkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit und Flexibilität – diese Attribute kommen überall auf der Welt gut an. Auf dem Erfolg können wir uns aber nicht ausruhen, da der Markt ständig in Bewegung ist und wir uns jeden Tag aufs Neue beweisen müssen.

    In einem Interview haben Sie gesagt: „Russland ist alle Mühen wert“. Ist diese Aussage noch relevant für die ausländischen Unternehmen?

    Das hängt sicherlich von vielen Faktoren ab und kann nicht pauschalisiert werden. Als Land und Markt ist und bleibt Russland attraktiv. Viele Dinge laufen etwas anders als vielleicht bei uns in Deutschland, was das tägliche Leben und die Arbeit teilweise anstrengend macht. Damit kommt nicht jeder klar. Es lohnt sich aber trotzdem, weil man hier noch unheimlich viel bewegen kann. Das sehen wir bei Schattdecor ja bereits seit bald 20 Jahren.

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    Hatten Sie irgendwelche Klischeebilder über das Land bevor Sie hier hinkamen?

    Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, was auf mich zukommen wird und ich hatte auch keine klare Vorstellung von Russland. Man kannte Russland ja nur von Dritten, nicht aus eigener Erfahrung: aus amerikanischen Kinofilmen, den TV-Nachrichten, dem Schulunterricht sowie aus Dokumentarfilmen über den Zweiten Weltkrieg. Allerdings hatte ich 1997 bei einem Austauschsemester mit dem ERASMUS-Programm nach León in Nordspanien meine ersten Russen kennengelernt – und siehe da, das waren ganz normale Menschen wie Sie und ich –  was auch sonst eigentlich? Von daher bin ich relativ unbelastet nach Russland gekommen.

    Die Umstellung war am Anfang schon sehr hart. Ich konnte kaum ein Wort Russisch. Es gab keine richtigen Supermärkte, eher die alten Märkte auf der Straße oder Tante-Emma-Läden. Die Infrastruktur war sehr bescheiden: die Straßen, die Elektritschkas, die Hotels – alles war sehr einfach. Es gab noch die typischen Handtaxis. Heute, fast 20 Jahre später, hat sich diesbezüglich unheimlich viel zum Positiven gewendet, was nicht heißt, das alles perfekt ist. Russland verändert sich aber sehr dynamisch – eine Dynamik, die ich mittlerweile auch manchmal in Deutschland vermisse.  Allerdings muss das Land noch sehr viele Anstrengungen unternehmen, diesen eingeschlagenen Weg langfristig zu stabilisieren.

    Worin besteht die Besonderheit der russischen Mentalität?

    Die Russen haben keine leichte Zeit hinter sich. Das hat sie zu Meistern der Anpassung und Improvisation werden lassen, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Außerdem steckt hinter der rauen Fassade meistens ein sehr fröhlicher Mensch. Russen sind sehr gesellig und humorvoll. Es braucht am Anfang aber Zeit, um das zu verstehen.

    Jens Palmen, Generaldirektor Schattdecor Russland
    © Foto : Schattdecor
    Jens Palmen, Generaldirektor Schattdecor Russland
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    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (13)
    Tags:
    Mentalität, Klischees, Krise, Investitionen, Gesetz, Schwierigkeiten, Markt, Produkte, Dienstleistungen, Unternehmen, Handel, Deutschland, Russland