16:31 13 Dezember 2019
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    US-Präsident Donald Trump bei der Erröfnung des Werks Cameron LNG im Bundesstaat Louisiana (Archiv)

    China holt zum Gegenschlag gegen US-Gasindustrie aus

    © AFP 2019 / BRENDAN SMIALOWSKI
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    Am 1. Juni wird China die Importzölle für US-amerikanisches Flüssiggas von zehn auf 25 Prozent erhöhen, wie der Zolltarif-Ausschuss im Staatsrat der Volksrepublik mitteilte.

    Warum dies ein herber Schlag für die US-amerikanische Gasindustrie war und wie Russland von der neuen Runde des Handelskriegs zwischen Washington und Peking profitieren könnte, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

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    Totales Scheitern

    Peking hat mit dieser Ankündigung auf das aggressive Vorgehen Washingtons reagiert: Vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump den Chinesen das Scheitern der Handelsverhandlungen vorgeworfen und eine Erhöhung der Importzölle für chinesische Waren für insgesamt 200 Milliarden Dollar verkündet.

    Gleichzeitig versprach der US-Staatschef, die Importzölle für absolut alle Produkte aus der Volksrepublik zu erhöhen. Ihre Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Am 1. Juni werden die Importzölle für amerikanische Waren für 60 Milliarden Dollar erhöht, insbesondere für Flüssiggas. Dabei wächst der chinesische LNG-Markt sehr intensiv und ist deshalb sehr begehrt für alle Brennstoffexporteure, auch für die USA. „Im laufenden Jahr wird der chinesische LNG-Markt um etwa ein Viertel wachsen“, zeigte sich der Gasmarktexperte Carlos Torres Diaz von der Beratungsfirma RystadEnergy überzeugt.

    Der Bau der meisten Terminals zur LNG-Produktion wurde in den USA damit begründet, den Brennstoff nach China zu verkaufen. So wurde erst vor einigen Tagen im Bundesstaat Louisiana das Werk Cameron LNG eröffnet, dessen Kapazität 13,5 Millionen Tonnen Flüssiggas beträgt.

    Doch wegen des Handelskrieges haben die Amerikaner im Laufe der letzten vier Monate nur 300 000 Tonnen Gas (gegenüber 1,4 Millionen Tonnen zwischen Januar und April 2018) an die Volksrepublik verkauft. Wegen der neuen Importzölle in China könnten die Lieferungen total eingestellt werden, warnten Experten von Vygon Consulting.

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    Dabei werden in den USA nach Angaben der Föderalen Kommission für Regelung von energetischen Fragen (FERC) aktuell fünf neue LNG-Betriebe gebaut, die 57 Millionen Tonnen Flüssiggas jährlich produzieren würden. Fünf weitere Großprojekte wurden gebilligt, und es müssen jetzt die endgültigen Investitionsentscheidungen getroffen werden. Wie es in Zukunft weitergehen wird, steht aber in den Sternen.

    Verlust von Chinas Markt auch für Expansion nach Europa schädlich

    Angesichts der neuen hohen Importzölle in China müssen sich die Amerikaner wieder Europa zuwenden. Nicht umsonst wurde in der vorigen Woche ein Gesetzentwurf in den US-Senat eingebracht, dem zufolge gegen die Besitzer der Verlegeschiffe, die am Bau der Ostseepipeline Nord Stream teilnehmen, sowie gegen Personen, die das Projekt „finanziell oder technisch unterstützen“, US-Sanktionen verhängt werden sollen. Washington verlangt von den Europäern schon seit langem, auf russisches Pipelinegas zu verzichten und US-amerikanisches LNG zu kaufen.

    Der Verlust des chinesischen Marktes könnte auch die Pläne der Amerikaner zur Expansion nach Europa zum Scheitern bringen. Laut den Experten von Rystad Energy liefert Russland nach Europa Pipelinegas durchschnittlich für fünf Dollar pro Millionen BTU (British thermal unit). Auf diesem Niveau liegt für die Amerikaner die Gewinnschwelle für die LNG-Lieferungen nach Europa. Mit anderen Worten würden sie dann ihr Flüssiggas für den Preis des russischen Pipelinegases verkaufen, ohne Gewinne zu machen.

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    Washington wollte dieses Problem durch parallele Lieferungen nach Asien lösen, wo die LNG-Preise traditionell höher als in der Alten Welt sind. Aber ohne China wäre der Ausbau des Exports nach Europa äußerst ungünstig für die Flüssiggasproduzenten in Amerika.

    Aus Russland mit Liebesgrüßen

    Von dieser Zuspitzung des Handelskrieges zwischen Washington und China profitiert vor allem Russland, das dadurch gute Chancen bekommt, den bisherigen Marktanteil der Amerikaner zu übernehmen.

    Schon am 1. Dezember soll die Pipeline „Kraft Sibiriens“ in Betrieb genommen werden, deren Kapazität 38 Milliarden Kubikmeter pro Jahr beträgt. Als nächster Schritt ist der Bau einer weiteren Leitung nach China geplant – durch das Altai-Gebirge.

    „Die Gaslieferungen nach China über die westliche Route könnten der aussichtsreichste und wichtigste Gastransportkorridor werden“, hatte Gazprom-Chef Alexej Miller Ende April gesagt.

    „In China wächst der Gasverbrauch kontinuierlich: um 15 Prozent 2017 und um 18 Prozent 2018“, führte er an. „Noch intensiver wächst der Import: um 32 Prozent auf 125,7 Milliarden Kubikmeter im vorigen Jahr. Dadurch stieg China erstmals zum größten Erdgasimporteure der Welt auf. Die Gasnachfrage in China wird wachsen, und wir sind bereit, ihn durch unsere zuverlässigen Lieferungen langfristig zu decken“, so Miller.

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