Widgets Magazine
20:05 21 August 2019
SNA Radio
    Chinesisches Unternehmen Huawei (Symbolbild)

    Wen Trump mit seinem Huawei-Bann tatsächlich bestraft

    © REUTERS / CHINA STRINGER NETWORK
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    161705

    Der Wunsch des US-Präsidenten Donald Trump, den US-Unternehmen zu helfen, kann zu unangenehmen Folgen für sie führen. Das US-Handelsministerium beschloss, den chinesischen Konzern Huawei aus Sicherheitsgründen auf die schwarze Liste zu setzen. Jeder US-Zulieferer von Huawei muss künftig eine Lizenz des US-Handelsministeriums bekommen.

    Die US-Administration verbot staatlichen Strukturen bereits im vergangenen Jahr, Geräte und Anlagen mehrerer chinesischer Hersteller - darunter Huawei - aus Sicherheitsgründen zu nutzen. Zudem schlossen die USA die Möglichkeit für Huawei aus, sich am Ausbau der 5G-Netze im Land zu beteiligen. Die USA riefen die Weltgemeinschaft dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen, doch außer Australien will wohl niemand, darunter selbst engste Verbündete der USA, auf die Geräte des chinesischen Konzerns verzichten – auf dem globalen Telekommunikationsmarkt sind die Chinesen zum Big Player avanciert.

    >>>Mehr zum Thema: Huawei-Sperre: Kein Android mehr für Smartphone-Nutzer? – Google klärt auf<<<

    Jetzt unterzeichnete Trump einen Erlass vor dem Hintergrund der Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden Ländern, in dem der nationale Notstand zum Schutz der US-amerikanischen IT-Infrastruktur vor ausländischen Bedrohungen ausgerufen wird. In dem Dokument werden keine konkreten Firmen genannt. Allerdings wird der US-Handelsminister nach Konsultationen mit den Chefs anderer föderaler Dienste, darunter Außenministerium, Finanzministerium, Pentagon, und dem Director of National Intelligence bevollmächtigt, ein Veto auf einige Deals im IT-Bereich einzulegen.

    Kurz darauf beschloss das US-Handelsministerium, Huawei auf die schwarze Liste zu setzen, weil die Aktivitäten des chinesischen Konzerns die nationale Sicherheit der USA angeblich bedrohen. Neben Huawei wurden weitere 70 affiliierte Unternehmen auf die Liste gesetzt. US-Firmen, die Ausrüstungen an die chinesische Firma verkaufen, müssen sich eine Sonderlizenz der US-Behörden beschaffen.

    Eine ähnliche Maßnahme wurde früher gegen ein anderes chinesisches Unternehmen ergriffen: ZTE. Damals endete das Verbot für die US-Unternehmen, Zulieferteile an die chinesische Firma zu liefern, beinahe in der Insolvenz des chinesischen Unternehmens. Huawei hängt nicht so stark von ausländischen Zulieferteilen ab, doch das könnte das Geschäft des Unternehmens erschweren, dessen Geräte mit Android von Google laufen und US-amerikanische Chips nutzen.

    >>>Mehr zum Thema: Google stellt Geschäfte mit Huawei ein: Android-Updates gesperrt – Medien<<<

    Andererseits werden die US-Sanktionen am heftigsten die Huawei-Partner treffen, darunter Qualcomm, Intel, Nvidia. Nach Huawei-Angaben kaufte der Konzern im vergangenen Jahr Zulieferteile im Wert von 70 Mrd. Dollar bei 13.000 Lieferanten, von denen auf die US-Partner Lieferungen im Wert von elf Mrd. Dollar entfielen. Nach der Ankündigung neuer Sanktionen gingen die Aktienkurse nahezu aller US-Technologieunternehmen zurück. Das ist nicht verwunderlich, weil beispielsweise Qualcomm zehn Prozent seiner Einnahmen von Huawei bekommt.

    Laut Adam Segal vom Council on Foreign Relations könnte Peking Gegenmaßnahmen gegenüber den in China tätigen US-Herstellern ergreifen. Die kleinste Maßnahme wäre wohl der Boykott von US-Waren, der schon mehrfach gegen Hersteller aus Ländern verhängt wurde, mit denen sich die Beziehungen zugespitzt hatten. Außerdem könnte China die administrativen Verfahren für US-Unternehmen erschweren. Am verwundbarsten ist dabei der Apple-Konzern, der nahezu seine komplette Produktpalette in China herstellt.

    Trump rief Apple mehrmals dazu auf, die Produktion in die Heimat zu verlagern. Doch die ganze iPhone-Produktionskette befindet sich in China. OLED-Bildschirme, Gesichtsscanner, Kamera – diese Zulieferteile werden von chinesischen Herstellern produziert, was den Produktionsprozess deutlich billiger macht. Die von Trump versprochenen Steuerermäßigungen würden jedenfalls die zusätzlichen Kosten, die bei der Verlagerung der Produktion entstehen würden, nicht decken.

    >>>Mehr zum Thema: Experte: Streit zwischen USA und China kann der Welt zum Verhängnis werden<<<

    Der Wunsch Trumps, US-Unternehmen vor chinesischen Konkurrenten zu schützen, würde genau einen gegenteiligen Effekt haben, so der Experte des Instituts für internationale Beziehungen der Universität Nanjing, Gong Hongle.

    Die USA produzieren vor allem High-Tech-Produkte, die auf oberen Ebenen der Lieferketten liegen. China sei derzeit in einer niedrigeren Ebene, seine Positionen gegenüber den USA seien schwächer, so der Experte. Doch in der globalen Produktionskette sind viele Menschen beschäftigt. Deswegen würden die Sanktionen gegen Huawei bedeuten, 800 eigene Kämpfer für den Sieg gegen 1000 feindliche Soldaten zu opfern.

    Wenn China beschließt, Gegenmaßnahmen gegen US-Unternehmen zu ergreifen, würde das heißen, 1200-1500 eigene Kämpfer für den Sieg gegen 1000 Soldaten zu opfern. Was den Preis einer solchen Lösung betrifft, so sei es absolut unvorteilhaft. Falls gegen Apple harte Sanktionen verhängt werden, würden auch die chinesischen Produzenten selbst davon betroffen sein.

    Zudem hat die chinesische Regierung, die sich an die Prinzipien der Globalisierung hält, das absolut moralische Recht, die Handlungen der USA in der internationalen Arena zu kritisieren. So erhöhten die USA die Zollgebühren für chinesische Waren. Daraufhin reichte China eine Beschwerde bei der WTO ein, in der es heißt, dass einseitige Protektionsmaßnahmen seitens der USA eine große Bedrohung für die Prinzipien des internationalen Handels darstellen. Wenn China die Fahne der Globalisierung in die Hand nimmt, eine solche Verantwortung übernimmt, kann es nicht die Methoden der USA übernehmen. Deswegen seien die Gegenmaßnahmen Chinas gegenüber US-Unternehmen, besonders jenen, die einen großen Anteil in der Produktionskette haben, wohl extrem geringfügig, so der Experte.

    Ob das Huawei-Verbot den US-Verbrauchern zugutekommt, ist ohnehin fraglich. Wie es bei Huawei hieß, würden die US-Einschränkungen nicht zu mehr Sicherheit führen und auch nicht die USA stärker machen. Das würde nur zur Nutzung alternativer Erzeugnisse von niedrigerer Qualität, doch zu einem höheren Preis zwingen. Im Ergebnis würde es dazu führen, dass die USA beim Aufbau der 5G-Netze vielen anderen Ländern hinterherhinken würden.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: EU und China unterzeichnen Luftfahrtabkommen - Preise könnten sinken<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Handelseinschränkungen, Einschränkungen, Infrastruktur, IT, Bedrohungen, Globalisierung, Elektronik-Kampf, Elektronikkampf, Chips, Eigenproduktion, Aktien, Konkurrenzkampf, Konkurrenz, Konzern, Apple, Produktion, US-Sanktionen, US-Sanktionen, nationale Sicherheit, Sicherheitsgründe, 5G, Zulieferer, Handelsministerium Chinas, US-Handelsministerium, Lizenz, Donald Trump, Google, Huawei, Huawei, Handel, Handelskrieg, china, USA, Unternehmen