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    Arbeiterin bei der Anfertigung von Automobilmotoren in einem chinesischen Werk (Archiv)

    Technologie-Krieg der USA: China kann zu weitaus gewaltigeren Gegenschlägen ausholen – Experten

    © REUTERS / China Stringer Network
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    Experten zeigen sich überzeugt, dass Washington offenbar den Effekt der möglichen Gegenmaßnahmen Pekings, nachdem die USA Sanktionen gegen chinesische Unternehmen verhängt haben, unterschätzt. Dabei könnte die Antwort der Volksrepublik durchaus schmerzhaft für die Amerikaner sein.

    Laut der "New York Times" erwägt die US-Administration Beschränkungen für die chinesische Firma Hikvision, die an amerikanischen Technologien interessiert ist. Hikvision ist einer der weltweit größten Produzenten von Videoüberwachungssystemen. Unter anderem stellt der Konzern Straßenkameras, Wärmebildgeräte, Drohnen und andere Videoanlagen her. Hikvision-Videosysteme wurden beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien eingesetzt.

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    Jetzt könnte die Firma aber auf der „schwarzen Liste“ der US-Behörden landen, was ein Verbot für amerikanische Unternehmen auf Kooperation mit Hikvision bedeuten würde. In der vergangenen Woche hatte das US-Handelsministerium bereits den Verkauf von Computerchips und anderen Anlagen an den anderen chinesischen Industrieriesen - nämlich an Huawei - verboten.

    Hikvision-Vertreter haben bereits reagiert und beteuert, dass solche Restriktionen keine große Rolle für die Aktivitäten des Unternehmens spielen würden, denn es würde dann auf andere Kooperationen setzen.

    Auch die Huawei-Leitung erklärte in der Konzernzentrale in Shenzhen, ihren Bedarf an Computerchips auch ohne die Amerikaner decken zu können. Etwa die Hälfte aller Chips stelle die Firma selbstständig her, und die andere Hälfte werde aus den USA importiert.

    Einem US-Angriff wurden in dieser Woche auch chinesische Drohnen ausgesetzt. Laut einer Erklärung des US-Ministeriums für innere Sicherheit könnten sie die Informationen ihrer Benutzer gefährden. Die Drohnen seien nämlich mit Anlagen ausgerüstet, die die Daten auf fremde Computer schicken könnten, die nicht den Betreibern, sondern Dritten gehörten, so die Mitteilung.

    Konkrete Namen der chinesischen Unternehmen wurden nicht genannt. Vor allem musste aber die Firma DJI Alarm schlagen, denn auf ihre Drohnen entfallen bis zu 80 Prozent aller unbemannten Fluggeräte in den USA und in Kanada. „Bei DJI steht die Sicherheit im Vordergrund, egal was wir herstellen, und die Sicherheit unserer Technologien wurde von der US-Regierung und den führenden US-Unternehmen geprüft. Unsere Kunden kontrollieren voll und ganz, welche von ihren Daten gesammelt werden, wo sie gespeichert werden und wohin sie weitergeleitet werden“, heißt in der entsprechenden Mitteilung.

    Es sei offensichtlich, dass die Amerikaner dem Reich der Mitte in jedem Fall „Spionage“ vorwerfen werden, zeigte sich der russische Experte für Konkurrenzaufklärung Jewgeni Juschtschuk überzeugt. Das sei nun einmal die Taktik Washingtons. „Wenn man jemandem einen Hammer an den Kopf hält, wird er bei der Vertragsunterzeichnung nachgiebig. Das ist im Grunde dasselbe. Es werden Voraussetzungen geschaffen, damit man von der Position der Stärke verhandeln kann. Das will Trump. Wenn man zehn Kilometer fremdes Territorium erobern will, erobert man gleich 50 Kilometer, um dann unter dem Druck der Weltgemeinschaft etwas nachzugeben. So ist auch die Situation um die Versuche der USA, China zu einem Handelsabkommen unter den Bedingungen der Amerikaner zu zwingen“, so der Experte.

    Er schloss nicht aus, dass China aber strategisch wichtige Seltenerdmetalle, die die US-amerikanischen High-Tech-Branchen brauchen, als Trumpf in dem immer intensiveren Handelskrieg nutzen wird. Zudem könnte Peking die US-Staatsanleihen verkaufen, was zum Einsturz des Wechselkurses des Dollars führen würde – genauso wie Russland seine Titanlieferungen an den Westen einstellen könnte.

    China und die USA seien im Wirtschaftsbereich sehr eng miteinander verbunden, und die Amerikaner unterschätzen offenbar den Effekt von den möglichen Gegenmaßnahmen der Volksrepublik, vermutete Juschtschuk.

    „Was die USA und China vereinbaren werden – oder nicht vereinbaren –, ist schwer zu sagen. Das könnte zu einem Kalten Krieg oder sogar zu irgendwelchen noch schärferen Konflikten führen. Die Seiten stehen erst am Anfang des Handelskrieges. Vorerst kann man nur raten, ob die Amerikaner mit ihrem Druck ihrem Gegenüber nur die Arme ausrenken wollen, um sich eine bessere Verhandlungsposition zu schaffen, oder ob das der Beginn einer harten Konfrontation ist.“

    Zheng Anguang, Experte des Zentrums für internationale Studien an der Universität Nanjing, verwies in einem Interview für Sputnik darauf, dass Pekings Mittel im Kampf gegen Washington lange noch nicht erschöpft seien.

    „Chinas heutige Antwort ist meines Erachtens höflich, stark und zurückhaltend. Vor allem lassen wir uns den vorsätzlichen Druck auf konkrete Unternehmen nicht gefallen“, betonte er. „Andererseits hat China den USA vorerst noch nicht nach dem Prinzip ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘ geantwortet, dennoch auf ziemlich schmerzhafte und fast außerordentliche Maßnahmen zurückgegriffen, indem es den Export von Seltenerdmetallen verboten hat. Gleichzeitig heben wir die Wichtigkeit des Zusammenwirkens und der Verhandlungen hervor. Wir sagen, dass unsere Tür für die Lösung von Problemen offen bleibt. Das ist eine ganz normale Position. Natürlich geht es nicht darum, dass China keine Gegenmittel hat – diese hat die chinesische Regierung reichlich. Die Instrumente der chinesischen Diplomatie sind noch nicht erschöpft. Eine andere Sache ist, dass jegliche Gegenmaßnahmen erfolgreich sein müssen, und bei einer Konfrontation gibt es immer negative Folgen für uns selbst. Darauf muss man Rücksicht nehmen“, warnte Zheng Anguang.

    Zu den Gründen des US-Vorgehens gegen Hikvision sagte er: „Der Zwischenfall um Hikvision stimmt offenbar mit der Kampagne gegen Huawei überein. Die Amerikaner überschätzen die Gefahr, die für sie von den chinesischen Technologien ausgeht, und suchen nach Vorwänden für die Eindämmung der High-Tech-Entwicklung in China. In Wahrheit ist das heutige Problem nicht mit uns verbunden – die USA hatten schon seit langem viele chinesische Forschungsinstitute auf die ‚Gefahrenliste‘ gesetzt. Manche Politiker in den USA glauben, dass die technologische Entwicklung in ihrem Land für andere Länder, vor allem für China, sehr vorteilhaft wäre. Deshalb greifen sie auf diverse Mittel und Methoden zurück, um die Entwicklung der Wissenschaft und Technik in den Schwellenländern, insbesondere in China, einzudämmen.“

    In Peking sei man gegen den staatlichen Druck, den die USA zwecks Verleumdung chinesischer Unternehmen praktizieren, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lu Kang, am Mittwoch in Bezug auf mögliche US-Restriktionen gegen die Firma Hikvision.

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    Gefahr, Handelsabkommen, chinesisches Außenministerium, Mittel, Methoden, Wissenschaft, Schwellenländer, Konfrontation, Politiker, Entwicklung, Handelskrieg, Hightech, Huawei, Industrie, IT, Computer, US-Handelsministerium, Kooperation, Behörden, Gegenschlag, Hochtechnologien, Technologie, Eskalation, Beschränkungen, US-Administration, US-Administration, Amerikaner, Unternehmen, Experten, Washington, Antwort, Gegenmaßnahmen, Peking, Sanktionen, USA