17:24 07 Dezember 2019
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    Russlands Öltanker in dem Hafen (Archiv)

    Warum die USA plötzlich so viel russisches Öl kaufen

    © Sputnik / Alexej Danitschew
    Wirtschaft
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    In der ersten Maihälfte haben US-Unternehmen fünf Mio. Barrel der Ölsorte Urals gekauft – diese Menge ist vergleichbar mit dem russischen Ölexport in die USA seit Jahresbeginn. Dieser sprunghafte Anstieg ist auf den akuten Rohstoffmangel wegen der US-Sanktionen gegen Venezuela zurückzuführen.

    Analysten prognostizieren, dass diese Zahlen bis Jahresende um das Dreifache wachsen werden.

    Nur wenig bekommen

    Fast gleichzeitig nach der Verhängung der Sanktionen gegen den venezolanischen Ölstaatskonzern PDVSA begannen US-Ölfirmen, ihre Verluste zu berechnen. Die Lieferungen aus Venezuela gingen um das Dreifache zurück. Die USA verfügen zwar über durchaus viel leichtes schwefelarmes Öl, aber diese Menge würde nicht ausreichen, um den Rohstoffbedarf zu decken. Mehrere Raffinerien, darunter an der Ostküste und im Golf von Mexiko, sind auf die Verarbeitung des schweren schwefelhaltigen Öls ausgerichtet, das vor allem aus Venezuela kam. Die Amerikaner selbst haben diesen Kanal gekappt.

    Nach Angaben der Investmentfirma Caracas Capital Markets wurden in der letzten Woche im Februar zwei Tankschiffe mit nur 766.000 Barrel aus Venezuela in die USA geschickt. Dabei entsandten russische Unternehmen in derselben Woche neun Tankschiffe mit mehr als drei Millionen Barrel in die USA.

    Anfang April ging der venezolanische Ölexport in die USA um das 4,5-Fache im Vergleich zur Vorjahresperiode auf 139.000 Barrel pro Tag zurück. Nachdem am 28. April das Embargo in Kraft getreten war, wurden die Lieferungen komplett gestoppt.

    Die eingeführten Restriktionen gegen Venezuela sorgten für einen massiven Mangel auf dem US-Markt, wie die Internationale Energieagentur berichtete. Betroffen waren reihum die wichtigsten US-Ölverarbeiter – Citgo Petroleum, Valero Energy und Chevron.

    Während venezolanische Öllieferungen in die USA in den ersten zwei Maiwochen bei null lagen, wurden Rekordmengen des russischen Rohstoffs eingekauft.

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    Wie Caracas Capital Markets berechnete, wurden vom 1. bis 13. Mai mit 13 Tankschiffen aus Russland fünf Mio. Barrel Öl in die USA geliefert – fast so viel, wie zusammen in den vier Monaten zuvor.

    „Die Ironie besteht darin, dass die Russen vom Zusammenbruch Venezuelas profitieren – ein von Sanktionen betroffenes Land löst ein anderes bei Lieferungen in die USA ab“, so Russ Dallen, Verwaltungspartner von Caracas Capital.

    Laut seiner Prognose werden die monatlichen Öllieferungen aus Russland an die USA zum Jahresende um das Dreifache steigen. Diesen Einschätzungen stimmten auch andere Analysten zu.

    „Russland besetzt gerne die venezolanische Nische auf dem US-Markt. Damit sichert sich Moskau sehr effektiv ab – es hat Caracas doch Geld geliehen, die Hoffnungen auf Rückzahlung sind aber nicht groß“, so Experten des Portals Oil Price.

    Weder für sich noch für andere

    Auch europäische Raffinerien mussten dringend nach Ersatz für schwefelhaltiges Öl suchen. Sie sind Opfer der US-Sanktionen gegen den Iran und Venezuela, weshalb der Markt fast 800.000 Barrel pro Tag verlor. Zudem kürzten die Exportländer im Rahmen des OPEC-Plus-Abkommens vor allem die Förderung von schweren Ölsorten, wobei die Fördermengen des teureren Leichtöls beibehalten wurden.

    Öl (Symbolbild)
    © REUTERS / Brendan McDermid/File Photo
    Nach Angaben des Finanzmarktbeobachters Refinitiv Eikon baute Saudi-Arabien im Zeitraum von Oktober bis März den Export des schwefelhaltigen Öls nach Europa fast um 50 Prozent ab, der Irak - um mehr als 40 Prozent. Im April führte der Ausfall des iranischen und venezolanischen Öls dazu, dass europäische Käufer um das russische Urals-Öl kämpfen, wie es aus Russland heißt.

    „Alle Raffinerien suchen nach Urals-Öl bzw. seine Analoga“, zitiert die Agentur einen europäischen Ölhändler. „Es liegt auf der Hand, dass dieses Öl nicht für alle ausreichen wird.“ Alternative Lieferungen werden deutlich teurer sein. Im März verringerte der sich zuspitzende Wettbewerb zwischen europäischen Raffinerien um das russische Öl den Preisunterschied zwischen Urals und Brent um 30 Prozent – auf den niedrigsten Wert seit 2013.

    So verdienten russische Ölunternehmen im März 140 Mio. Dollar mehr als im Oktober, vor der Einführung der Ölsanktionen gegen den Iran und vor dem Verbot für Öllieferungen aus Venezuela durch Trump.

    „Sanktionen und andere geopolitische Faktoren führten bereits dazu, dass es dem verarbeitenden Sektor an schwerem Öl mangelt, das früher aus Venezuela und teilweise aus dem Iran importiert wurde. Dieses Problem ist insbesondere für die USA aktuell“, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak im Interview mit der Zeitung „Ashaq al Awsat“. „Es ist schwer zu sagen, wie die Schweröl-Lieferungen wiederhergestellt werden, doch ihr Mangel wird bereits durch positive Prämien von Urals und wachsende Ermäßigungen von WTI gegenüber Brent bestätigt“, so  Nowak.

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    Tags:
    Iran, Sanktionen, Opfer, Venezuela, Öl, USA, Russland