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04:41 22 August 2019
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    BMW-Präsentation in Moskau

    BMW-Russland-Chef: Wir glauben an Potential am russischen Markt

    © Sputnik / Johannes Weber
    Wirtschaft
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    Sascha Konkina
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    Vom 6. bis 8. Juni findet das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg statt. Es wird seit 1997 durchgeführt und steht unter der Patenschaft des russischen Präsidenten. Tausende Besucher aus Russland und der ganzen Welt versammeln sich und besprechen die wichtigsten Fragen im Bereich von Wirtschaft und Politik.

    Deutsche und russische Unternehmen nutzen diese Plattform, um die weitere Kooperation zwischen den beiden Ländern zu fördern.

    Im Vorfeld des Forums führt Sputnik eine Serie von Interviews mit Managern deutscher Firmen, die in Russland tätig sind. Heute sprechen wir mit Stefan Teuchert, CEO BMW Group Russland.

    Die deutschen Unternehmen bilden die größte ausländische Handelsgemeinschaft in Russland. Was ist Ihrer Meinung nach das Rezept für ein erfolgreiches Geschäft in Russland?

    Zuerst muss man sagen, dass die Deutschen und die Russen sich ja seit vielen, vielen Jahrzehnten sehr gut verstehen und dass wir sehr gute wirtschaftliche Beziehungen haben. Die Deutschen sind dafür bekannt, dass sie sehr strukturiert sind und alles planen – das mag das Rezept sein. Der russische Markt ist sehr besonders und herausfordernd, aber ich kann sagen, jeder, der hier lebt und arbeitet, wird feststellen, dass es sehr viel Spaß macht.

    Und welche Schwierigkeiten gibt es auf dem russischen Markt?

    Natürlich ist der Markt sehr volatil, während ein paar Jahren kann man große Steigerungen und dann einen kompletten Zusammenbruch erleben, wie wir es nach den Finanzkrisen im Automobilbereich zweimal erlebt haben. Das heißt, man muss flexibel sein, muss sich auf alles einstellen und am Ende des Tages auch seine Planung flexibel halten. Dafür braucht man Mitarbeiter, welche flexibel sind und einen kühlen Kopf bewahren, auch können wenn es mal ein bisschen schwierig wird.

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    Welche Themen sind heute im Business-Dialog zwischen Deutschland und Russland am wichtigsten?

    Sehr aktuell ist das Stichwort „Lokalisierung“. Es ist wichtig, wie die einzelnen deutschen Unternehmen einen Beitrag zur Entwicklung der Automobilindustrie hier in Russland leisten können. Sanktionen spielen auch eine Rolle und der Wechselkurs, welcher davon stark beeinflusst wird. Am Ende des Tages muss man sich langfristig und strategisch ausrichten.

    Sie haben Sanktionen erwähnt: Laut einer Umfrage der deutsch-russischen Auslandshandelskammer planen die deutschen Unternehmen keinen Weggang vom russischen Markt trotz der Sanktionen. Wie stabil ist diese positive Tendenz?  

    Ich glaube, es kommt darauf an, wie man den Markt sieht. Wenn wir den Markt langfristig sehen und an das Marktpotential glauben, dann werden wir nicht davonrennen, wenn es mal ein bisschen schwierig wird. Wir haben gesehen, Opel hat unter GM den Markt verlassen und kommt nun unter PSA wieder zurück. Ford hat gerade entschieden den russischen Markt zu verlassen, aber viele andere Hersteller investieren in neue Werke und neue Hauptzentralen. Am Ende ist es wirklich eine Frage des Glaubens an das langfristige Potential, und viele deutsche Unternehmen glauben daran.

    BMW kam als erster Vertreter der deutschen Premium-Autohersteller auf den russischen Markt und ist seit mehr als zwanzig Jahren hier tätig. Welche Bilanzen lassen sich ziehen?

    Sie haben es gerade angesprochen, wir feiern dieses Jahr das zwanzigjährige Jubiläum unserer eigenen Tochtergesellschaft, wir feiern auch zwanzig Jahre Produktionsstandort Kaliningrad zusammen mit unserem Partner. Wir haben sehr gute Erfahrungen gesammelt und regelmäßig unsere Produktionskapazitäten erweitert. Wir werden das auch in Zukunft tun.

    Wir glauben an das Potential im russischen Markt und werden dementsprechend unser Geschäft weiter entwickeln und unsere Produktionskapazitäten ausbauen.

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    Welche Pläne haben Sie für dieses Jahr?

    2018 waren wir sehr erfolgreich und sind auch stolz darauf. Wir konnten um 20 Prozent wachsen. Alle unsere neuen Modelle sind hochgradig relevant für den russischen Markt, speziell der neue BMW X7, auf den die russischen Kunden über 10 Jahre gewartet haben und welcher dadurch sehr stark nachgefragt ist. Deswegen glauben wir, dass wir auch in diesem Jahr genauso erfolgreich wachsen können.

    Hatten Sie irgendwelche Klischeebilder über das Land bevor Sie hier hinkamen?

    Sie haben Recht. Die Meinung der Deutschen über Russland ist sehr stark vorgeprägt. Dies war auch für mich damals so und ich wusste nicht was auf mich zukommen wird. Aber ich war offen und ich kann sagen, ich habe es nicht bereut. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, jeder, der nach Russland kommt und das Land persönlich erlebt, wird nur mit positiven Gefühlen heimfahren.

    Und die letzte Frage: Die Russen und die Deutschen – haben sie etwas Gemeinsames oder unterscheiden sie sich nur voneinander?

    Die Deutschen sind natürlich so, dass sie gerne alles für drei, vier, fünf Jahre im Voraus planen. Dies würde kein Russe machen. Auf der anderen Seite müssen wir unser Geschäft planen. Dementsprechend gilt es einen Kompromiss zu finden, die beiden Kulturen irgendwie zusammenbringen. Jedoch ist die deutsche Art in Russland sehr willkommen und geschätzt. Und für uns nicht ganz unwichtig: die Russen lieben deutsche Automobile und dies haben wir auf jeden Fall gemeinsam.

    Stefan Steuchert (BMW Russland) im Gespräch mit Sputnik-Korrespondetin
    © Sputnik / Johannes Weber
    Stefan Steuchert (BMW Russland) im Gespräch mit Sputnik-Korrespondetin
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    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (12)
    Tags:
    Klischees, Autohersteller, Deutsche Auslandshandelskammer, Potential, Markt, Sanktionen, Deutschland, Dialog, Finanzkrise, Schwierigkeiten, Unternehmen, BMW, Russland