18:29 22 November 2019
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    Arbeiter in einem Werk von Mercedes Benz in Russland (Archiv)

    Stimmung europäischer Unternehmer in Russland deutlich verbessert

    © AFP 2019 / PAVEL GOLOVKIN
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    Trotz der geopolitischen Lage gelingt es Russland, das Vertrauen der europäischen Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Marktvolumen, signifikantes Potenzial und positive Entwicklung machen Russland attraktiv. Die Volatilität des Rubels und antirussische Sanktionen beeinträchtigen das Geschäft. In Moskau wurden die Ergebnisse einer GfK-Studie präsentiert.

    Das Geschäftsbarometer, das die Stimmungen europäischer Unternehmen in Russland wiederspiegelt, ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte gestiegen und steht auf 140 von den möglichen 200 Index-Punkten. Dafür sorgten positive Einschätzungen der gesamtwirtschaftlichen Lage in Russland und Aussichten für die Geschäftsentwicklung des Landes. So sind die Ergebnisse der jährlichen Studie, die in Moskau der europäische Unternehmerverband AEB und das Internationale Institut für Markt- und Sozialforschungen GfK Rus vorgestellt haben.

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    “Die Stimmung der europäischen Unternehmer hat sich deutlich verbessert. Sie haben 2017 im Vergleich zu den Krisenjahren 2014-2016 viel besser abgeschnitten. Die Unternehmer sehen Licht am Ende des Tunnels und zeigen sich nun viel optimistischer zur russischen Wirtschaft. Diese Tendenz ist immer noch zu beobachten, obwohl der Effekt der Nach-Kriseneuphorie etwas nachlässt. Aber die Lage hat sich stabilisiert. Das Geschäftsklima bleibt weiter auf hohem Niveau und entspricht dem erfolgreichen Jahr 2013”, sagte der CEO von GfK Rus, Alexander Demidow, im Sputnik-Gespräch.  

    Was macht den russischen Markt attraktiv für europäische Unternehmen

    Laut Umfrage werden als Hauptgründe für einen Markteinstieg und die weitere Marktpräsenz in Russland das große Marktvolumen (92 Prozent), das signifikante Potenzial (ebenfalls 92 Prozent) und die positive Entwicklung (91 Prozent) genannt. Die Mehrheit der Befragten (66 Prozent) hatten 2018 bessere Umsätze im Vergleich zum Vorjahr, der Gesamtzustand der russischen Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2019 entspreche ihren Erwartungen. 11 Prozent der Unternehmen haben einen Umsatzrückgang zu verzeichnen.  

    Was beeinträchtigt das Geschäft

    Zugleich ist die Situation rund um Russland den Befragten zufolge auch weiterhin nicht einfach. Zu den negativen Faktoren, die das laufende Geschäft der europäischen Firmen am meisten beeinträchtigen, gehören die Volatilität des Rubels (78 Prozent), die US-Politik gegenüber Russland (75 Prozent) und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland (71 Prozent). Deswegen ist die Einschätzung der Perspektiven für eine Steigerung der Investitionen in die russische Wirtschaft im laufenden Jahr ebenso zurückhaltend, wie im Vorjahr.

    17 Prozent der Unternehmen erwarten eine Steigerung der Investitionen in ihrer Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren. 28 Prozent der Befragten erwarten eine Steigerung der Investitionen im selben Zeitraum in Russland insgesamt. Etwa die Hälfte der Befragten (52 Prozent) rechnet damit, dass die Investitionen 2019 auf dem bisherigen Niveau bleiben. Die größten Probleme im Hinblick auf die Finanzierung sind hohe Zinsen und mangelnde Finanzmöglichkeiten.

    Einschätzung der russischen Business-Umgebung durch europäische Unternehmen

    Die Geschäftsumgebung in Russland wird von europäischen Unternehmen immer noch als ziemlich bescheiden eingeschätzt. Über die Hälfte der Befragten erwartet keine Verbesserungen bei Bürokratie, Steuern und Korruption. Zugleich hat sich der Anteil von Pessimisten an den Vertretern des europäischen Business in Russland um 10 Prozent im Vergleich zu 2014-2016 verringert

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    “Die Ergebnisse der Umfrage machen einen kaum ‚vom Erfolg berauscht‘, weil die Business-Umgebung immer noch durch eine Reihe von Negativfaktoren — sowohl äußeren als auch inneren — beeinträchtigt wird. Aber die positive Dynamik der Business-Stimmungen macht deutlich, dass europäische Unternehmen ganz erfolgreich ihre Geschäfte unter den gegebenen Bedingungen in Gang gesetzt haben”, merkte der AEB-Generaldirektor Frank Schauff an.

    Das deutsche Pharmaunternehmen Merck Biopharma hat zwei Möglichkeiten für einen Markteinstieg in Russland untersucht: eine Produktionsstätte bauen und die eigene Herstellung lokalisieren oder ein Joint-Venture-Unternehmen gründen.

    “Wir wussten, dass es in Russland viele Produktionsstätten gibt, die den internationalen Standards entsprechen. Deswegen haben wir die zweite Variante gewählt und ein gemeinsames Unternehmen mit russischen Herstellern gegründet. Mit der Herstellung von Medikamenten, die den Blutzucker senken, hat Merck 2016 in Russland begonnen. Ende 2018 wurde die Vollzyklusproduktion in Gang gesetzt. Der Übergang zu einer vollständigen Lokalproduktion und der komplette Importverzicht erfolgen innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die lokale Betriebsstätte Merck im Gebiet Kirow werde mehr als 400 Millionen Tabletten pro Jahr produzieren und dadurch alle Diabetes-Patienten in Russland versorgen”, sagte Natalia Dikanskaja, Leiterin für strategische Unternehmensentwicklung bei Merck Biopharma.

    Zur Umfrage

    Für die Umfrage, die von GfK Rus im Auftrag von AEB im März und April 2019 durchgeführt wurde, wurden Top-Manager aus AEB-Mitgliedsfirmen, die Geschäfte in Russland machen, persönlich und online befragt.

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    Manager, Frank Schauff, Dynamik, Korruption, Steuern, Bürokratie, Zinsen, Finanzierung, Investitionen, Steigerung, Wirtschaftssanktionen, Firmen, Risikofaktoren, Faktoren, Geschäft, Potenzial, Umfrage, Markt, Sputnik, Sputnik, Krise, Assoziation der europäischen Geschäftstätigkeiten (AEB), Moskau, positiv, Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Marktforschungsinstitut GfK, Studie, Investitionsattraktivität, Attraktivität, Entwicklung, Vertrauen, geopolitische Interessen, geopolitische Gründe, Stimmung, Sanktionen, Russland, Russland, Unternehmen, EU, EU, EU