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09:53 22 September 2019
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    Knauf-Betrieb in Krasnogorsk, Russland (Archiv)

    Knauf in Russland: Wir sehen Sanktionen eher als Chance

    © Sputnik / Ruslan Kriwobok
    Wirtschaft
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    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (12)
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    Vom 6. bis 8. Juni findet das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg statt. Es wird seit 1997 durchgeführt und steht unter der Patenschaft des russischen Präsidenten. Tausende Besucher aus Russland und der ganzen Welt versammeln sich und besprechen die wichtigsten Fragen im Bereich von Wirtschaft und Politik.

    Deutsche und russische Unternehmen nutzen diese Plattform, um die weitere Kooperation zwischen den beiden Ländern zu fördern.

    Im Vorfeld des Forums führt Sputnik eine Serie von Interviews mit Managern deutscher Firmen, die in Russland tätig sind. Heute sprechen wir mit Wolfgang Voigt, Leitung Technik und Produktion Knauf Gruppe GUS.

    Die deutschen Unternehmen bilden die größte ausländische Handelsgemeinschaft in Russland. Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept für Geschäfte in Russland?

    Unsere Partnerschaft hat eine sehr lange Tradition: Deutsche Technik, deutsche Ingenieure,  und auch die Produkte, die aus Deutschland kommen, die erfreuen sich in Russland eines ausgezeichneten Rufes. Wenn man zum Beispiel auf die Straßen schaut, sieht man überall die Produkte der deutschen Automobilindustrie. Die Russen, glaube ich, schätzen sehr die deutsche Qualität und Zuverlässigkeit.

    Insofern ist Deutschland im Bereich Technik in Russland absolut anerkannt. Und wenn man ein bisschen zurückschaut, dann weiß man, dass die Firma „Siemens“ im zaristischen Russland die gesamten Telegrafenleitungen gebaut hat, und seit diesen Zeiten hat die deutsche Technik schon immer einen ausgezeichneten Ruf.

    Welche Schwierigkeiten gibt es auf dem russischen Markt?

    Es gibt immer gewisse Schwierigkeiten, wenn man als Importeur tätig ist und nicht für einen gewissen Anteil an Lokalisierung sorgt. Grundsätzlich gibt es natürlich auch die bekannten Schwierigkeiten mit den Sanktionen. Dies erschwerte es natürlich den Markt weiter zu entwickeln. Anstelle sich aber über Sanktionen zu beklagen, sehen wir das als Unternehmen aber eher als Chance, dass sich Russland auf breiter Basis weiterentwickelt.

    Sie haben Lokalisierung angesprochen und Knauf verfügt über 19 Produktionsstätten in Russland.

    Das ist richtig. Unter anderem in den letzten zwei Jahren haben wir drei neue Produktionsstätten eröffnet. Eine – in Swenigowo (Republik Marij El), eine – in der Nähe von Samara und eine – in Nowomoskowsk (Gebiet Tula), wo wir Zementplatten herstellen. Wir bringen ausgereifte Technologie mit, die wir international einsetzen. Wenn wir sehen, dass es einen entsprechenden Markt gibt, lokalisieren wir und bauen entsprechende Produktionsstätten in den Ländern unter Verwendung unseren Technologien und unseres Know-Hows, jedoch unter Einsatz lokaler Ingenieure und lokaler Fachleute. Ich denke, dass ist ein wichtiger Baustein für das Erfolgsrezept der Firma Knauf.

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    Neben Lokalisierung bleiben auch Sanktionen, wie Sie schon erwähnt haben, ein unangenehmes, aber wichtiges Thema. Laut einer Umfrage der deutsch-russischen Auslandshandelskammer planen die deutschen Unternehmen keinen Weggang vom russischen Markt trotz der Sanktionen. Wie stabil ist diese positive Tendenz? 

    Das ist wie wenn man einen Berg besteigt. Je höher man kommt und je schwieriger es wird, desto mehr Freude kann es machen, die Herausforderung zu meistern. Ich hatte es bereits vorhin erwähnt: In dem Umfang, in welchem auf breiter Ebene lokalisiert wird, wird die lokale Wirtschaft nachhaltig gestärkt und aufgebaut. Wenn Sie sich an Südafrika in den 1970-80 Jahren erinnern, war dieses Land von einem Sanktionswall umgeben. Es war im Anschluss an diese Zeit das am weitesten entwickelte Land in gesamt Afrika.

    Das lag vor allem daran, dass die Einwohner alle Waren und Ausrüstungen selber herstellen mussten. In früheren Zeiten wurden Lebensmittel wie Gurken und Tomaten aus der Europäischen Union nach Russland geliefert wurden. Das macht eigentlich überhaupt keinen Sinn. Inzwischen hat sich hier eine deutlich stabilere Situation im Bereich der Lebensmittelwirtschaft herausgebildet. Und ich persönlich kann sagen, diese Lebensmittel sind nicht schlecht, sie schmecken hervorragend. Dieser Prozess dauert natürlich, lokale Unternehmen müssen Geld investieren, Sie müssen Zeit investieren, um Leute auszubilden, sie müssen Ihre Lieferanten zu qualifizieren. Darum geht es und ich kann Ihnen sagen, dass dieser Prozess viel Spaß bringt, da er nachhaltig Erfolg zeigt.

    Und welche Themen sind im Business-Dialog zwischen Deutschland und Russland am wichtigsten heute?

    Grundsätzlich, glaube ich, ist es wichtig, dass ein Dialog aufrechterhalten wird. Es gibt eigentlich drei Säulen des Dialoges. Mein persönliches Vorbild ist unser Altkanzler Gerhard Schröder, der gesagt hat: Neben dem politischen Dialog sei auch der kulturelle Dialog und der Business-Dialog sehr wichtig, damit die Beziehungen zwischen den Ländern auf solidem Fundament stünden. Bei Wahlen alle fünf Jahre kann sich politisch etwas ändern. Die Firma Knauf ist 25 Jahre in Russland. Sie investiert, sie arbeitet weiter. Wir machen das mit Ruhe und mit Stabilität, und ich glaube, diese Ruhe und Stabilität in unseren Wirtschaftsbeziehungen bringt uns sehr viel. Dies wird letztendlich auch einen positiven Einfluss auf die politische Diskussion haben.

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    Es kommt heute nicht häufig vor, dass ein deutsches Unternehmen auf ein Vierteljahrhundert erfolgreichen Engagements in Russland zurückblicken kann. Und Knauf ist bereits seit 25 Jahren in Russland. Welche Bilanzen lassen sich ziehen?

    Ich war bereits 1994 für das Unternehmen Knauf in Russland tätig, als wir angefangen haben, uns hier zu engagieren und in einzelnen Werken uns zu beteiligen. Und wenn wir zurückblicken können, ist es eine sehr erfolgreiche Bilanz für das Unternehmen. Es war ein wesentlicher Schritt, dass dieses Unternehmen Knauf, welches aus dem kleinen Ort Iphofen in Bayern kommt, sich auf einmal internationalisiert hat. Es hilft unwahrscheinlich viel, allen Mitarbeitern den Horizont zu öffnen, da man sich auf einmal intensiv mit fremden Kulturen, anderen Mentalitäten auseinander setzen muss.

    Ich glaube, heute ist Russland nicht mehr aus der Knauf-Familie wegzudenken, sondern Russland ist ein integraler Bestandteil. Deswegen würde ich sagen, Russland war für uns wichtig, wir haben sehr viel lernen können. Es ist wichtig, zu erkennen was geht und was nicht geht. Diese Grenzen zu realisieren und auf der anderen Seite seine Möglichkeiten zu evaluieren ist eine Erfahrung, bei der die Expansion in Russland unserem Unternehmen sehr viel geholfen hat.

    Und was die Mentalitäten angeht, unterscheiden sich die russische Mentalität und die deutsche Mentalität. Unterscheiden sie sich voneinander? Hatten Sie vielleicht irgendwelche Klischeebilder über das Land bevor Sie hier hinkamen?

    Das ist ein Thema, das seit Generationen die Schriftsteller und die Philosophen beschäftigt. Natürlich sind Völker ein bisschen anders. Aber ich habe festgestellt, dass wenn man gemeinsame Ziele und Aufgaben hat, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, unterschiedlicher Herkunft sehr ähnlich werden. Sie arbeiten für ein gemeinsames Ziel. Und deswegen kann ich nur sagen, dass ich diesen Mentalitätsunterschied im Bereich unserer Firma weniger sehe.

    Man sieht diese Unterschiede eher im kulturellen Bereich oder, wenn man ganz normal in der Stadt ist und sich mit den Leuten unterhält. Natürlich gibt es immer noch Unterschiede. Im Gegensatz zu den 90er Jahren unterscheiden sich die jungen Menschen, welche ich in Moskau sehe, kaum noch von jungen Menschen, die heute in London, Paris oder Berlin sind. Durch das Internet und die Kommunikation, die inzwischen global stattfindet, schmelzen diese Unterschiede gerade im Moment hinweg.

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    Themen:
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (12)
    Tags:
    Partnerschaft, Unternehmen, Knauf, Sanktionen, Deutschland, Russland