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    Goldbarren (Symbolbild)

    Wenn der Währungs-Crash kommt: „Gold wird deutlich steigen“ – Experte

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    Wirtschaft
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    Ein aktueller Bericht über den Goldmarkt weist daraufhin hin, dass Staaten wie Russland, China, aber auch Ungarn, immer mehr das Edelmetall einkaufen. „Das ist intelligente Krisenvorsorge“, erklärt Gold-Experte Dimitri Speck aus München gegenüber Sputnik. „Wenn es zu Währungskrisen in naher Zukunft kommt, stehen die Länder mit Gold besser da.“

    „Der Goldpreis ist in den vergangenen Tagen recht nett gestiegen“, sagte Dimitri Speck, Goldmarkt-Experte und Buchautor aus München im Sputnik-Interview. Dabei hatte der Gold-Fachmann auch den neuen „In Gold We Trust“-Report im Blick, der Ende Mai erschienen ist. Die aktuellen positiven Goldpreis-Entwicklungen seien „vielleicht ein kleiner Vorbote, was in näherer Zukunft passieren könnte“. Er rechne mit „deutlich steigenden Gold-Kursen“ aufgrund künftiger „schwerer Verwerfungen“ im Weltwährungs- und Finanzsystem. Kurz: Ein globaler Währungs-Crash in naher Zukunft ist für den Finanz-Experten nicht mehr ausgeschlossen.

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    „Unsere ungedeckten Währungen sind letztlich zirkulierende Kredite“, analysierte Speck. „Gold bietet dazu in Relation von Haus aus verschiedene Vorteile. Zum einen ist Gold ein Material, das nicht beliebig vermehrt werden kann. Das kann durchaus beim Kredit-Geld passieren, wenn es zu einer Hyper-Inflation, wie im Extremfall in Venezuela, kommt. Oder wenn es zu einer großen Pleitewelle der Banken kommt wie damals in Zypern.“ Dies seien entscheidende Stärken des Edelmetalls.

    Das hat Gold den Währungen voraus

    „Darüber hinaus hat Gold noch andere Merkmale, die relativ wichtig gegenüber anderen Realgütern wie Aktien oder Immobilien sind. Es ist leicht transportfähig. Gold ist auch staaten- und epochenübergreifend. Gold ist an keinen Staat und an keine zeitliche Epoche gebunden und wird seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Das sind verschiedene Punkte, in denen Gold den kreditbasierten Währungen überlegen ist. Im Zweifelsfall ist Gold immer das bessere Wertaufbewahrungsmittel.“

    Voraussetzung dafür sei, so der Gold-Report, dass ein „Tauschmittel allgemeines Vertrauen genießt, weil sonst der Austausch von Gütern und Dienstleistungen nur sehr eingeschränkt möglich ist. Geld ist in letzter Konsequenz geistige Energie, die der Mensch erarbeitet, erbt und in weiterer Folge vernünftig verbraucht, verschenkt oder verspielt. Geld ist ein abstrakter Energiespeicher.“ Demgegenüber stehe das reale, echte Gold.

    „Gold ist Vertrauen“

    Es gebe eine „Vertrauenserosion in die internationale Währungsordnung“, schreibt der neue Gold-Report. Diese Krise äußere sich „in den höchsten Goldkäufen der Notenbanken seit 1971 sowie im Repatriierungstrend der Goldbestände“. Gold reagiere auf Vertrauensverlust und der Westen sei eine „Hochvertrauensgesellschaft“. Dies stehe in Korrelation. Der Report verweist auf die Lehman-Brothers-Pleite 2008, nach der der Gold-Preis ebenso nach oben schnellte.

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    „Gold benötigt kein Vertrauen“, stellte Gold-Experte Speck klar. Gold als Ware habe ohne jedes künstliche Vertrauen immer einen Wert. „Es wurde ursprünglich im Schmuckbereich als Material benutzt – das ist bis heute der Fall. Insofern benötigt Gold kein Vertrauen, es hat immer einen Wert. Wenn die kreditbasierten Währungen an Vertrauen verlieren, dann ist Gold natürlich sehr aussichtsreich.“

    Darum kaufen viele Staaten Gold ein

    Das Gold sei aufgrund der genannten Eigenschaften „der natürliche Gegenspieler zu den Währungen“. Die Papiergeld-Währungen seien stets Risiken ausgesetzt. „Wenn die Verzinsung geringer ist als die Inflationsrate, wie es seit 2001 der Fall ist, dann haben wir einen grundsätzlichen Aufwärtstrend beim Goldpreis. Das war auch in den 1970er Jahren so. Das zweite Risiko, das Papiergeld aufweist, ist ganz einfach: Wenn Banken pleitegehen, wird das Geld einfach komplett wertlos.“ Daher sei Gold die bessere Investment-Alternative. Dies seien auch die Hauptgründe für Staaten, in jüngster Zeit vermehrt Gold für die nationalen Reserven einzukaufen. 

    Der Münchner Goldmarkt-Analytiker nannte einige Länder, die in den letzten Jahren vermehrt das Edelmetall eingekauft haben. „Das waren Polen, Ungarn, China. Indien, wenn auch noch mit geringen Beträgen. Die Türkei und vor allem Russland. Russland macht das sehr richtig, weil das Land stark zum Gold wechselt. Das sind die Hauptkäufer. Durch diese Käufer entstand tatsächlich eine gesteigerte Nachfrage nach Gold auf Zentralbank-Seite wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nach meinem Kenntnisstand gab es diese starke Nachfrage seit der Aufhebung der Gold-Dollar-Bindung nicht mehr.“ Diese geschah 1971 durch den sogenannten „Nixon-Schock“.

    Ungarn: „Verzehnfachung des National-Golds“

    „Es scheint, als wären die ungarischen Notenbanker aufmerksame Leser des In Gold We Trust-Reports“, kommentiert der aktuelle Gold-Bericht mit Blick auf eine „Verzehnfachung der ungarischen Goldbestände“. Denn: „Berichte über die abermalige Erhöhung der Goldbestände der russischen und der chinesischen Zentralbank sind für die meisten Goldfreunde nichts Neues.“

    Für Zentralbanken spiele das Edelmetall Gold „aber noch eine viel größere Rolle“, betonte Speck. „Der Grund ist ganz einfach: Zentralbanken können theoretisch auch in Immobilien und Aktien investieren, wie es normale Sparer auch können. Aber eine Zentralbank braucht – wenn es zu einer Krise oder einem Zahlungsbilanz-Defizit kommt – eine möglichst liquide Währung.“ Gold biete genau diese Optionen. Ein weiteres Problem für die Zentralbanken seien die eigenen nationalen Devisenreserven, die die Staaten „meist etwa zu zwei Dritteln in US-Dollar-Schuldverschreibungen“ halten. Denn dadurch seien die Staaten leichter erpressbar. „Die Staaten laufen dann Gefahr, dass die USA einfach sagen, wir frieren diese Schuldverschreibungen ein. Deswegen ist Gold das traditionelle Wertaufbewahrungsmittel von Staaten.“

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    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Dimitri Speck zum Nachhören:

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    Dimitri Speck, Defizit, Schuldverschreibungen, Dollar, US-Dollar, Zentralbank, Nachfrage, Türkei, USA, Risikofaktoren, Faktoren, Risiko, Wert, Waren, Westen, Westen, Notenbanken, Menschen, Konsequenzen, Geld, Dienstleistungen, Güter, Austausch, Vertrauen, Immobilien, Aktien, Venezuela, Pleite, Vorteile, Kredite, Finanzen, Kurs, Entwicklungen, Interview, Experte, Sputnik, Deutschland, Krise, Ungarn, China, Russland, Russland, Goldverkauf, Goldvorräte, Goldpreis, Gold, Crash, Währung