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    Weltmarktführer mit US-Geld? – Wem „Bild“ und Co. demnächst gehören könnten und was das bedeutet

    © AP Photo / Franka Bruns
    Wirtschaft
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    Ilona Pfeffer
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    Der Deutsche Journalisten-Verband sieht den möglichen Einstieg des US-amerikanischen Großinvestors KKR beim Springer-Konzern kritisch. Den Nutzen habe am Ende nur der Investor, so DJV-Vorsitzender Frank Überall.

    Der Springer-Konzern liebäugelt derzeit mit einer Kooperation mit der New Yorker Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Der US-amerikanische Investor will sich offenbar Anteile an dem Medienkonzern sichern und Springer von der Börse freikaufen.  Ein riskantes Geschäft für Springer, doch die Aussicht auf viel frisches Geld scheint verlockend.

    „Mit der Sondierung dieser Transaktion verfolgt der Vorstand seine Wachstumsstrategie zur langfristigen Steigerung des Unternehmenswertes. KKR will als langfristig orientierter Investor diese Strategie gemeinsam in einem Konsortium mit Frau Dr. h.c. Friede Springer und Herrn Dr. Mathias Döpfner unterstützen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Springer-Konzerns.

    Wachsen will Springer nicht etwa am Kiosk, sondern vor allem im Bereich des digitalen Geschäfts. So investiert das Unternehmen beispielsweise in digitale Kleinanzeigenportale wie „Immowelt“ und „Stepstone“. Künftig will Springer international mit Größen wie Amazon, Ebay, Google und Netflix konkurrieren.

    Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Frank Überall sieht die Pläne kritisch:

    „Wenn sich Springers angestrebte Weltmarktführerschaft nur mit Hilfe eines US-Hedgefonds erreichen lässt, ist die Top-Position vielleicht erheblich zu ambitioniert“, so Überall in einer Pressemitteilung des DJV.  Die Sicherheit der Arbeitsplätze bei Springer sei wichtiger als der wirtschaftliche Erfolg des Investors KKR. Bei den Beschäftigten sorgten die Pläne für erhebliche Verunsicherung. Zu Recht, wie das Beispiel des Engagements von KKR beim Privatsender ProSiebenSat.1 zeige:

    „Der Hedgefonds hat den Sender auf Kosten von redaktionellen Arbeitsplätzen ausgepresst. Den Nutzen hatte nur der Investor und niemand sonst. “

    Einem Bericht des Portals “Meedia” zufolge halten Wertpapieranalysten es für sehr wahrscheinlich, dass KKR bei Springer einsteigen wird. Für die Großaktionärin und Witwe des Unternehmensgründers Friede Springer, die 42,6 Prozent der Anteile hält, und Konzernchef Mathias Döpfner (2,8 Prozent) berge der strategische Investor große Vorteile. Die kräftige Geldspritze könne Springer mehr „Flexibilität bei der Finanzierung zusätzlicher Fusionen und Übernahmen“ verschaffen, zitiert das Portal die Finanzanalystin Sarah Simon. Ein mögliches Kaufziel sei dabei das Kleinanzeigengeschäft von Ebay.

    KKR kaufe nach Heuschreckenmanier Konzerne auf, um sie durch aggressive Sanierung in ihrem Wert zu steigern und anschließend wieder abzustoßen, schreibt dazu die „taz“. Zuletzt habe KKR beispielsweise die Tele München Gruppe und Universum Film übernommen. Der Investor könne verlangen, wenig rentable Sparten zu kürzen oder einzustellen. Dies könnte bei Springer das verlustreiche Geschäft mit gedruckten Zeitungen wie „Bild“ und „Welt“ betreffen.

     

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    Tags:
    Verkauf, Kooperation, Meinungsfreiheit, Frank Überall, Deutscher Journalisten-Verband DJV, Deutschland, USA, Monopol, Monopolisierung, Zeitung, Presse, Bild-Zeitung, Axel Springer