Widgets Magazine
16:07 22 Oktober 2019
SNA Radio
    Paneldiskussion im Rahmen des SPIEF 2019

    Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg mit starker deutscher Präsenz: Gegenseitiges Vertrauen schaffen

    © Sputnik / Aleksej Danitschew
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    St. Petersburger Internationales Wirtschaftsforum (SPIEF) 2019 (19)
    7708
    Abonnieren

    Sankt Petersburg ist eine Schlüsselstadt in den deutsch-russischen Beziehungen. Neben dem bilateralen Petersburger Dialog treffen sich hier seit Jahren deutsche und russische Elite zum Internationalen Wirtschaftsforum. Dieses Jahr ist die deutsche Delegation so stark vertreten wie schon lange nicht mehr. Ein gutes Signal, meinen die Teilnehmer.

    Nicht zufällig wurde die erste Diskussion des 23. Internationalen Wirtschaftsforums den deutsch-russischen Beziehungen gewidmet. „Das ist absolut nicht zufällig. Seit Jahren haben wir ein gemeinsames Ziel: Die erfolgreiche bilaterale Arbeit zusammenzubringen. Dieses Forum bietet eine solche Möglichkeit an“, sagte Martin Hoffman, Vorstandsmitglied des Petersburger Dialogs, gegenüber Sputnik.

    Eine Partnerschaft, die viel mehr als ein reines Geschäft ist

    Die Metropole an der Newa bleibt nach wie vor ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Deutsche Firmen wie Knauf, Metro, Henkel, Wintershall oder Siemens tätigen bedeutende Direktinvestitionen. Nach Angaben des Magazins Forbes machten die acht größten deutschen Unternehmen, die in Russland aktiv sind, vor Ort zusammen fast 15 Milliarden Euro Umsatz.

    „Wir arbeiten hier seit fast 30 Jahren und setzen unsere Lokalisierungsstrategie in vielen Regionen des Landes konsequent um. Dies sind neue Technologien, qualitativ hochwertige Produkte und Investitionen in Millionenhöhe“, betonte Alexander Lilien-Schmidt, Finanzdirektor von Henkel Russia und Europe Cluster East.

    Das Internationale Forum in Sankt-Petersburg sei eine der wichtigsten Plattformen im bilateralen Dialog, meinte Alexey Grigoriev, Leiter der Repräsentanz Metro AG in Moskau, im Gespräch mit Sputnik. Grigoriev weiß genau, wovon er spricht. Seine Karriere begann er in der russischen Botschaft in Berlin, arbeitete dann für das Auswärtige Amt und war stellvertretende Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. „Die deutsch-russische Zusammenarbeit basiert auf einer langen Tradition, auf dem gegenseitigen Interesse. Das deutsche Business ist seit mehr als ein Jahrhundert in Russland tätig, das spricht für sich selbst. Diese Partnerschaft ist schon viel mehr als ein reines Geschäft. Auf der politischen Ebene stoßen wir manchmal auf irgendwelche Schwierigkeiten, aber die Wirtschaft kann hier wie eine Brücke dienen. Man darf nicht vergessen, dass die Russen und die Deutschen trotz aller Unterschiede einander ausgezeichnet ergänzen und sehr schnell eine gemeinsame Sprache finden“.

    Wintershall-Chef: „Wir arbeiten erfolgreich zusammen seit Jahrzehnten“

    Russland bleibt auch der größte Energielieferant Deutschlands. Das betonte der Wintershall-Chef Mario Mehren. „Das ist extrem wichtig, wir arbeiten erfolgreich zusammen seit Jahrzehnten. Wir Europäer werden unsere Klimaziele ohne russisches Gas nie erreichen können, zum Beispiel den Kohleausstieg. Wir werden auch keine konkurrenzfähige Industrie schaffen“, so Mehren. „Von daher ist das Projekt Nord Stream 2 sehr wichtig. Es geht weiter, jeden Tag bauen wir Kilometer von Pipelines. Ich verstehe, dass einige europäische Länder dieses Projekt lieber als die anderen haben, aber im Endeffekt ist das unser gemeinsames europäisches Projekt.“

    • MdB Klaus Ernst (Die Linke) und Altkanzler Gerhard Schröder (R) bei der Debatte zum Thema Nord Stream 2 im Rahmen des SPIEF 2019
      MdB Klaus Ernst (Die Linke) und Altkanzler Gerhard Schröder (R) bei der Debatte zum Thema Nord Stream 2 im Rahmen des SPIEF 2019
      © Sputnik / Ilya Pitalyow
    • Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei SPIEF 2019
      © Sputnik / Alexander Galperin
    1 / 2
    © Sputnik / Ilya Pitalyow
    MdB Klaus Ernst (Die Linke) und Altkanzler Gerhard Schröder (R) bei der Debatte zum Thema Nord Stream 2 im Rahmen des SPIEF 2019

    Noch im Februar warnte er in einem Interview davor, auf eine wirtschaftliche Kooperation mit Russland zu verzichten: Moskau werde sich dann an ein anderes Land wenden.

     „Und wir wollen nicht vergessen: Russland hat Alternativen! Wenn wir Europäer Russland nicht an uns binden, wird sich der größte Gasproduzent der Welt Richtung China wenden. Das wäre nicht gut für Russland und nicht gut für Europa. Nur China würde profitieren“, so Mehren.

    Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern würde ein gemeinsamer Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok stärken. Es sei eine brillante Idee, bemerkte der Wintershall-Chef. Die Sanktionen sollen diesem Vertrauensraum nicht im Wege stehen. „Die Haltung der deutschen Unternehmen war immer klar: Möglichst schneller die Sanktionen aufheben. Es gibt leider in Europa auch antirussische Stimmen, und sie sind oft viel lauter als die Stimmen der Vernunft, die für einen Dialog plädieren. Aber wir werden versuchen, in der Zukunft lauter zu sein.“

    Dialog ohne Grenzen und Barrieren

    Martin Hoffman, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums, sagte im Sputnik-Interview: „Als wir das Forum Petersburger Dialog ins Leben gerufen haben, haben wir viel darüber diskutiert, ob die politische und zivilgesellschaftliche Dimension vereinbar sein könnten. Besonders die Deutschen hatten die Angst davor, dass man die gesellschaftlichen Themen politisieren wird. Aber gerade in dieser Situation ist so ein Format wichtig. Wir müssen die Verbindung zwischen der Bürgergesellschaft und der politischen Gesellschaft eröffnen. Nur so können wir von einem gemeinsamen Europa reden. Und der Petersburger Dialog soll in der Zukunft ein europäischer Dialog sein. Russland und Deutschland, wir sind alle Europa, das hängt nicht von den Grenzen der Europäischen Union ab“.

    Noch im Jahr 2018 plädierte der Russlandbeauftragte Dirk Wiese dafür, jungen Russen bis 25 Jahre die Möglichkeit einzuräumen, ohne Visa nach Europa einreisen zu dürfen. Dies unterstützte Hoffman voll und ganz: „Ich glaube, das ist ein richtiger Weg. Wir alle sind daran interessiert, dass es einen Austausch gibt, weil sich dieses Netzwerk anders nicht weiterentwickeln kann. Ich selber bin als junger Mensch noch während des Kalten Krieges nach Russland gekommen. Und nur so konnte ich ein großer Freund Russlands werden. Die Menschen müssen sich kennen lernen nicht in der Theorie sondern in der Praxis. Dazu sollen so viele Grenzen und Barrieren wie möglich zwischen unseren Ländern fallen“.

    Trotz aller Spannungen: Wirtschaftsminister Altmaier kommt nach Sankt Petersburg

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nimmt dieses Jahr am Internationalen Wirtschaftsforum teil. Am Freitag soll Altmaier mit seinem russischen Amtskollegen Maxim Oreschkin eine Absichtserklärung für eine Effizienzpartnerschaft unterzeichnen. Auf diese Weise wollen die beiden Länder ihre wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit verstärken. Es sei das erste Mal seit Beginn des Ukraine-Konflikts 2014, dass Deutschland und Russland auf Regierungsebene wieder eine bedeutende Erklärung zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichneten, wie der Chef der deutsch-russischen Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp, der Deutschen Nachrichten-Agentur mitteilte.

    ​„Das deutsche Engagement in Russland ist trotz des unruhigen Fahrwassers im globalen Außenhandel weiterhin bedeutend“, sagte der Bundeswirtschaftsminister laut DPA. „Wir müssen dabei aber wieder neues gegenseitiges Vertrauen schaffen, dann lassen sich auch andere Probleme besser lösen.“

    Zum Forum sagten sich auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD)und Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, an.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    St. Petersburger Internationales Wirtschaftsforum (SPIEF) 2019 (19)
    Tags:
    Delegation, Sanktionen, Rosneft, Nord Stream 2, CDU, SPD, Bundeswirtschaftsministerium, Peter Altmaier, Gerhard Schröder, Wirtschaftsforum, Gipfel, Kooperation, Zusammenarbeit, Wirtschaft, St. Petersburg, Deutschland, Russland, SPIEF