15:47 26 Juni 2019
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    Besucher des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg 2019 (Archiv)

    „Es gibt keinen Abgrund zwischen Mentalitäten, den man nicht überbrücken kann“ – Wirtschaftsforum

    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Wirtschaft
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    Sascha Konkina
    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (11)
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    Vom 6. bis 8. Juni fand das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg statt. Es wird seit 1997 durchgeführt und steht seit 2005 unter der Patenschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Stellenwert des Forums ist unter russischen und ausländischen Politikern und Geschäftsleuten hochangesehen.

    So versammeln sich tausende Besucher aus Russland und der ganzen Welt, darunter Geschäftsleute, Experten, Staats- und Regierungschefs, und besprechen die wichtigsten Fragen im Bereich von Wirtschaft und Politik.

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    Deutsche und russische Unternehmen nutzen diese Plattform, um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu fördern. Sputnik führt eine Reihe von Interviews mit Managern deutscher Firmen, die in Russland tätig sind. Am Dienstag gab es ein Gespräch mit Swen Kube, Generaldirektor von Meusburger-Novtruck.

    Deutsche Unternehmen bilden die größte Außenhandelsvereinigung in Russland. Was ist Ihrer Meinung nach ein Erfolgsrezept für Business in Russland?

    Deutsche Unternehmen kommen auf den russischen Markt und verstehen ihre Ziele klar. Wenn wir über die Produktion sprechen, dann sind in Deutschland alle Produktionsstufen bis ins kleinste Detail geplant und organisiert. Wenn eine deutsche Firma auf den russischen Markt kommt, passt sie sich an die Wirtschaftsbedingungen Russlands an. Das heisst, sie kopiert nicht ihre Produktion, sondern arbeitet neue Strategien aus und passt die Produktion an.

    Den Umfragen der Außenhandelskammer zufolge haben deutsche Unternehmen trotz Sanktionen nicht vor, den russischen Markt zu verlassen. Wie stabil ist dieser positive Trend?

    Ich kann nicht diese Frage im Namen von allen deutschen Unternehmen beantworten, ich kann nur anhand unseres Beispiels sprechen. In den letzten Jahren haben unsere Aktionäre in die Produktion von Meusburger Novtruck investiert. Wir expandieren, modernisieren und stellen neue Mitarbeiter ein. Das sind die besten Beweise dafür, dass diese Sanktionen unsere Entwicklung  und den Wunsch deutscher Aktionäre, in die Produktion in Russland zu investieren, nicht beeinflusst haben.

    Welche Schwierigkeiten gibt es auf dem russischen Markt?

    Swen Kube, Generaldirektor von Meusburger-Novtruck
    © Foto : Meusburger-Novtruck
    Swen Kube, Generaldirektor von Meusburger-Novtruck

    Natürlich gibt es einige Unterschiede zwischen den Mentalitäten von Deutschen und Russen, und das fällt besonders in den ersten Jahren der geschäftlichen Tätigkeit in Russland auf. Dazu kommen noch unterschiedliche Gesetze, Schwierigkeiten mit der Dokumentenabfertigung, viele Nuancen bei der Auslieferung der Technik und der Anlieferung von Ersatzteilen aus Europa. Es gibt auch Schwierigkeiten mit der Organisierung des Produktionsprozesses. Ich kann jedoch mit Zuversicht sagen (und ich arbeite bei Novtruck schon seit 25 Jahren), dass es uns im Laufe der Jahren gelungen ist, unsere Produktion und Verwaltung  so zu gestalten, dass sich jeder Mitarbeiter mit seiner Arbeit indentifiziert. Integration ist der Schlüssel zum Erfolg. Es ist nicht immer möglich nach deutschen Regeln in unserem Betrieb in Russland zu handeln, manchmal muss man russische Prinzipien akzeptieren können, ein wenig korrigieren, also Kräfte bündeln.

    Das Unternehmen ist tatsächlich der einzige europäische Hersteller von Anhängern mit eigener Produktion in Russland. Warum haben Sie sich entschieden, nach Russland zu kommen?

    Russland ist nicht nur ein riesiges Land, in dem der Gütertransport auf den Straßen von grosser Bedeutung ist, sondern auch eine vielversprechende Plattform für die Entwicklung des Marktes für Anhängertechnik. Schon damals war klar, dass gute und moderne Anhänger und Auflieger in Russland benötigt und nachgefragt werden. In den letzten Jahren hat sich der Absatz von neuen Anhängern vergrössert, aber, und das halten wir für sehr wichtig, uns geht es nicht nur darum, den Umsatz zu steigern, sondern auch die Qualität der Produkte zu erhöhen.

    Die Transportunternehmen stellten grosse Anforderungen an die Nutzfahrzeuge und suchen nach neuen und interessanten Lösungen. Vor 25 Jahren, als unser Unternehmen zu arbeiten begann, stellten wir Standardprodukte her. Aber wir haben rechtzeitig erkannt, dass es einen Bedarf an der Sondertechnik gab und boten interessante und innovative Lösungen für unsere Anhänger und Auflieger an. Zur Zeit sind Sonderfahrzeuge, kundenspezifische Fahrzeuge ein grosser Teil unserer Produktionspalette. 

    Sind Waren für den Export an russischen Produktionsstandorten hergestellt? Können Sie sich vorstellen, dass Russland eine Plattform wird, auf der deutsche Unternehmen Waren für den Weltmarkt produzieren werden?

    In unserer Produktion in Welikiy Nowgorod stellen wir Anhängetechnik her, die in die GUS-Staaten und nach Skandinavien geliefert werden. Das Warenzeichen Meusburger Novtruck ist nicht nur auf den russischen Strassen zu sehen. Ich kann mir vorstellen, dass deutsche Unternehmen mit ihrer Produktion nach Russland kommen und hier arbeiten, und hochwertige Produkte herstellen, die auf dem Weltmarkt ihren Absatz finden. Russland hat schließlich alles dafür: Fachkräfte auf einem hohen Niveau und genügend Standorte, an denen eine Produktion aufgebaut werden kann. Alles hängt vom Unternehmen ab.

    Meusburger-Novtruck ist schon seit 25 Jahren in der Region Nowgorod tätig. Welche Zukunftspläne haben Sie?

    Wir haben natürlich vor, uns weiterzuentwickeln, neue interessante Projekte auf den Markt zu bringen und unsere Ideen zugunsten unserer Kunden zu realisieren. Unser Unternehmen produziert von Jahr zu Jahr immer mehr Modelle, die das Vertrauen der Transportunternehmen gewinnen, und wir freuen uns, dass wir den Markt für Anhängertechnik in Russland mitentwickeln können. Deshalb werden wir hier nicht aufhören. Unser Motto ist „Es gibt immer etwas, das man besser machen kann.“ Und jeden Tag machen wir das. Wir planen die Ausweitung der Produktion und damit eine Steigerung der Produktivität. 

    Die Region Welikiy Nowgorod in Russland ist bei deutschen Investoren noch nicht besonders beliebt. Warum haben Sie diese Stadt gewählt? 

    Produktionsstandort von Meusburger-Novtruck in Welikiy Nowgorod
    © Foto : Meusburger-Novtruck
    Produktionsstandort von Meusburger-Novtruck in Welikiy Nowgorod

    Erstens, hat Welikiy Nowgorod eine gute geographische Lage - zwischen Moskau und St. Petersburg. Es ist leichter das Werk zu beliefern, sie Strassen sind einigermassen frei und alle Ersatzteile uns Bauteile sind schneller bei uns, als in einer Grossstadt. Außerdem arbeiten viele unsere Kunden in der Region Zentral und Nordwest, was bedeutet, dass sie ihre Fahrzeuge sofort vom Werk zur Arbeit schicken können. Die Logistik ist perfekt.

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    Zweitens, es gibt hier qualifiziertes Personal, es gibt eine Universität und eine Hochschule, die Fachkräfte ausbilden. In unserem Unternehmen beträgt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter nur 36 Jahre, in der Konstruktionsabteilung sind es 29 Jahre. Wir holen sofort die besten Absolventen zu uns, und sie freuen sich, in einer russisch-deutschen Firma arbeiten zu können. Auch von grosser Bedeutung sind gute  Kontakte zu der Gebietsverwaltung in Welikiy Nowgorod, die zuständigen Mitarbeiter unterstützen uns in unserer Arbeit und leisten Hilfe, falls irgendwelche Probleme gelöst werden müssen.

    Worin besteht die Besonderheit der russischen Mentalität?

    Wie ich schon gesagt habe, gibt es natürlich Unterschiede. Die Deutschen sind oft pedantischer, rationaler und pünktlicher. Aber wir haben sehr viel Gemeinsames, und das ist wichtiger als die Unterschiede! Wir mögen Fußball, gutes Bier, Humor, wir bauen Kontakte auf. Ich bin Russland inzwischen sehr nahe gekommen und es fällt mir schwer, die russische Mentalität zu beurteilen. Ich glaube auf jeden Fall, dass es keine gewaltigen Unterschiede zwischen unseren Mentalitäten gibt, die man nicht überwinden könnte.

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    Deutsche Firmen in Russland: Zwei Nationalitäten - ein gemeinsames Ziel (11)
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