02:59 20 November 2019
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    Russisch-deutsches Business: Wer vermittelt und fördert? Interview mit Moskauer Expertenzentrum

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    Moskau belegt beim Gesamtexport des vergangenen Jahres nach Deutschland den ersten Platz unter den russischen Regionen. Doch wer vermittelt und fördert beim Abwickeln der Deals? Sputnik sprach mit dem Generaldirektor des Moskauer Expertenzentrums, Kirill Iljitschow.

    Deutschland rangiert im Ergebnis des Jahres 2018 auf dem zweiten Platz beim Gesamtexport und auf Platz acht beim Nicht-Rohstoff- und Nicht-Energie-Import aus Moskau. Die russische Hauptstadt liegt beim Gesamtexport des vergangenen Jahres nach Deutschland den ersten Platz unter den russischen Regionen und hat dabei im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 29,5 Prozent auf 21,1 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen. Beim Nicht-Rohstoff- und Nicht-Energieexport nach Deutschland ist Moskau ebenfalls Spitzenreiter – der Export belief sich 2018 auf 963,1 Mio. Dollar (Zuwachs um 6,6 Prozent). Der Anteil Moskaus am russischen Nicht-Rohstoff-Export nach Deutschland belief sich im vergangen  Jahr auf 19,6 Prozent.

    Über das Moskauer Expertenzentrum:

    Die Autonome gemeinnützige Organisation „Moskauer Expertenzentrum“ wurde von der Abteilung für Unternehmertum und innovative Entwicklung der Stadt Moskau 2017 zur Förderung der Erzeugnisse der Moskauer Hersteller auf ausländische (darunter der deutsche) und regionale Märkte ins Leben gerufen. Die Hauptrichtungen im Bereich der finanziellen und nichtfinanziellen Maßnahmen bei der Unterstützung von russischen Exporteuren sind: Infrastruktur-Unterstützung, Informations- und Beratungsunterstützung, Ausbildung, Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung, finanzielle Unterstützung.

    Pläne des Moskauer Expertenzentrums zu Deutschland:

    „2019 werden wir nach Deutschland zur Kinderwarenmesse „Kind&Jugend“ vom 19. bis 22. September 2019 in Köln und zur Messe ‚MEDICA‘ in Düsseldorf vom 18. bis 21. November 2019 (zu dieser Messe bereits zum zweiten Mal) fahren“, sagt  Kirill Iljitschow im Interview mit Sputnik.

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    Die MEDICA-Messe in Düsseldorf ist wegen ihrer Größe und dem Umfang der Erzeugnisse der medizinischen Industrie weltbekannt und genießt Zuspruch in der ganzen Welt. Diese Veranstaltung gilt als Spitzenreiter nach der Zahl der vertretenen Unternehmen und Errungenschaften bei der Produktion von hochtechnologischer medizinischer Ausrüstung.

    Im vergangenen Jahr stellten bereits 20 Moskauer Unternehmen ihre vorrangigen hochtechnologischen Entwicklungen im medizinischen Bereich auf dieser Plattform aus. Der Organisator des gemeinsamen Standes der Moskauer Unternehmen bei dieser Messe ist das Moskauer Expertenzentrum zusammen mit der Abteilung für außenwirtschaftliche und internationale Verbindungen der Stadt Moskau.

    „Unter dem gemeinsamen Label ‚Made in Moscow‘ stellten wir 20 Moskauer Unternehmen und 53 Typen ihrer hochtechnologischen medizinischen Erzeugnisse vor. Auf der Messe zeigten wir aktive Prothesen für Erwachsene und Kinder, die keine Analoga auf dem russischen und den ausländischen Märkten haben. Jede Prothese ist individuell. Der Nutzer wählt das Design der Prothese, auf Wunsch kann sie mit neuen Möglichkeiten erweitert werden – Kinder-Spielaufsätze, Display mit Smartphone-Funktionen sowie einem kontaktfreien Zahlungssystem für Verkehrsmittel“, berichtet Iljitschow.

    Bei der Messe gab es 346 Begegnungen im Match-Making-Format mit Vertretern aus 33 Ländern; die Ergebnisse der Treffen wurden von 80 Prozent der Teilnehmer positiv eingeschätzt. Das gemeinsame Exportpotential der durchgeführten Treffen und abgeschlossenen Abkommen belief sich nach Einschätzung von Experten auf 571,1 Mio. Rubel (7,65 Mio. Euro).

    „Wir wählen Messen nicht nur nach dem länderbezogenen bzw. Branchenprinzip aus“, so Iljitschow. Man entscheide sich für die größten Messen, bei denen russische Erzeugnisse der ganzen Welt vorgestellt werden können. In diesem Zusammenhang sei Deutschland bei der Ausrichtung von Messen äußerst erfolgreich. Besonders bemerkenswert seien die Messen für Kinderwaren und Medizin.

    „An der MEDICA-Messe haben wir uns bereits im vergangenen Jahr erfolgreich beteiligt. Der stellvertretende Bürgermeister von Düsseldorf, Arzt von Beruf, war von unserem Stand beeindruckt. Trotz der sehr guten Entwicklung des deutschen Gesundheitssystems bezeichnete er einige unserer Erzeugnisse selbst für Deutschland als innovativ.“

    Bei den Erzeugnissen und Exporteuren, mit denen das Moskauer Expertenzentrum in Deutschland arbeite, herrsche eine  ziemlich große Vielfalt. „Während wir bei den von mir genannten Messen medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Kinderwaren vorstellen werden, gab es im vergangenen Jahr auch thematisch andere Messen mit unserer Beteiligung.“

    So seien bei der Messe Electronica, die vom 13. bis 16. November 2018 in München stattgefunden habe, fortgeschrittene Entwicklungen von zehn Moskauer Unternehmen der Elektronik-Branche präsentiert. worden Auf einer der größten technologischen Ausstellungen, der Hannover Messe  (23.-27. April 2018) stellten 30 Moskauer Unternehmen mehr als 60 Entwicklungen im Bereich industrielle Automatik, Energie und innovative IT-Lösungen vor. Bei jeder dieser Veranstaltungen werden hunderte Geschäftstreffen im Match-Making-Format organisiert, es werden aussichtsreiche Abkommen abgeschlossen, manchmal werden auch sofort Exportverträge unterzeichnet.

    Beispielsweise sei nach der Teilnahme der Firma Kosko (Maschinenbau) an der Hannover Messe 2018 ein Exportvertrag mit einem Unternehmen aus Deutschland unterzeichnet worden. Die Teilnahme an der MEDICA 2018 habe der Firma MEDPLANT einen Exportvertrag mit Indien verschafft. Andere Unterstützungsmaßnahmen des Moskauer Exportzentrums würden ebenfalls Wirkung zeigen, so Iljitschow – „Dank diesen Maßnahmen liefert NTK Techno-AS (Gerätebau) erfolgreich Erzeugnisse nach Deutschland.“

    Wie das Moskauer Expertenzentrum funktioniert, was ein „Akzelerator“-Programm ist und wie das Partnern in Deutschland behilflich sein kann:

    „Das Akzelerator-Programm des Moskauer Expertenzentrums setzt sich zum Ziel, die Entwicklung des Exportpotentials der Moskauer Unternehmen zu beschleunigen, um auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen“, berichtet Iljitschow.

    Unternehmen ohne Export-Erfahrung könnten so ihre Kompetenzen in der außenwirtschaftlichen Tätigkeit erhöhen und ihr erstes Exportgeschäft abwickeln. Unternehmen mit periodischer Export-Erfahrung könnten eine systematische Export-Tätigkeit aufnehmen, kompetente Exporteure die Zahl der Vertriebsmärkte und den Exportumfang erhöhen. Die Partner des Akzelerator-Programms des Moskauer Expertenzentrums seien die Export-Schule des Russischen Exportzentrums – Export-Akzelerator des Russischen Expertenzentrums, Business School Skolkovo – Skolkovo-Akzelerator Export 2.0 sowie ein internationales Unternehmensnetz PricewaterhouseCoopers – PwC-Akzelerator-Programm.

    „Wir analysierten detailliert den internationalen Markt und haben ein Programm gestartet, das europäischen Unternehmen zu Verkaufsgeschäften im Ausland verhilft – europäischer Akzelerator. Es wird von PwC umgesetzt, genauer seiner Luxemburger Filiale. Wir trafen uns, analysierten ihre Erfahrungen, im Ergebnis wird ein ähnliches Akzelerator-Programm in Europa gestartet“, so Iljitschow.

    Das Ergebnis der Implementierung jedes Förderinstruments für Exporteure sollen Exportverträge und ein zuverlässiger Einstieg der Moskauer Hersteller auf europäische Märkte sein.

    „Wir hoffen, dass auch der deutsche Markt immer mehr Moskauer Exporteure im Ergebnis der Export-Akzeleratoren des Moskauer Expertenzentrums aufnimmt“, sagt er abschließend.

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    Tags:
    Wirtschaft, Unternehmen, Geschäft, Vermittlung, Handel, Deutschland, Russland