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16:00 22 September 2019
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    Kongress der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

    „Bad Bank“-Pläne: Kämpft Deutsche Bank ums Überleben?

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
    Wirtschaft
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    Die Deutsche Bank will einem Bericht zufolge Derivate im Wert von 50 Milliarden Euro in eine „Bad Bank“ auslagern. Das soll dem Geldinstitut helfen, profitabler zu werden. „Bad Banks haben noch nie zu einer Lösung geführt“, sagt der Finanzexperte Marc Friedrich. „Man hat sich nur immer Zeit erkauft.“

    „Wenn eine Bad Bank gegründet wird, gehen bei mir immer alle Alarmglocken an“, warnt der Ökonom und Bestseller-Autor Marc Friedrich im Sputnik-Interview. Wie die „Financial Times“ und DIE Nachrichtenagentur Reuters zuerst berichteten, will die Deutsche Bank lang laufende Derivate, die zuletzt kaum Ertrag abwarfen, im Volumen von bis zu 50 Milliarden Euro in eine interne Abwicklungseinheit – eine sogenannte „Bad Bank“ –auslagern oder verkaufen.

    „Sich weiterer Leichen entledigen“

    „Mit dem Plan will die Deutsche Bank sich weiterer Leichen entledigen“, erklärt Friedrich. „Man hat das ja schon einmal gemacht, da waren es über 120 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank kämpft ums Überleben.“

    Bei dem Finanzinstitut habe man massive Probleme. Einerseits habe die Bank extrem hohe Kosten, andererseits würde der Ertrag durch die Nullzinsphase einbrechen. Dazu käme ein schwaches Geschäft in den USA. Nun versuche man die Bilanz aufzubessern.

    Bereits in seinem 2014 erschienen Buch „Der Crash ist die Lösung“ stellt Friedrich die Theorie auf, dass die Deutsche Bank „de facto pleite“ sei. An dieser Prognose hält er weiter fest:

    „Es ist nur ein Spiel auf Zeit. Die Marktkapitalisierung beträgt nur noch 12,5 Milliarden Euro, das ist lächerlich für eine Bank. 50 Milliarden Euro Derivate werden jetzt aus der Bilanz geschafft, das ist eigentlich Insolvenzverschleppung. Wenn die Bank unter einen Kurs von fünf Euro fällt, wird wahrscheinlich Vater Staat kommen und die Bank verstaatlichen müssen. Weil sie ja systemrelevant ist. Das heißt, wir Bürger zahlen im Endeffekt wieder die Zeche. Der Einstieg durch den Staat über die Commerzbank hat ja nicht geklappt.“

    „Ungesehener Finanzcrash“

    Der Finanzexperte Friedrich verweist auf die Derivate, welche außerhalb der Bilanz der deutschen Bank gelagert würden: „Da reden wir von über 40 Billionen Euro. Das ist das 16-Fache des deutschen BIP.“ Ein Crash der Deutschen Bank würde ein „Riesenproblem“ für Staat und Bürger werden:

    „Wenn das passiert, könnte das einen Finanzcrash auslösen, den die Welt noch nicht gesehen hat. Dagegen werden die Lehmann Brothers ein Kindergeburtstag gewesen sein.“

    In seiner Honorarberatung empfiehlt Friedrich schon lange:

    „Wenn Sie Kunden bei der Deutschen Bank sind, dann sollte man da sehr vorsichtig sein und am besten die Bank wechseln. Das ist ein sinkendes Schiff, und da kann es gut sein, dass es zu einem Bankenrun kommt. Man sollte keine hohen Beträge auf dieser Bank haben.“

    Der Niedergang der Deutschen Bank sei historisch einmalig. Das sollte auch jedem Anleger und Kunden der Deutschen Bank ein Warnsignal sein.

    Das komplette Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

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    Tags:
    Krise, Euro, Anleihen, Banken, Schulden, Crash, BIP, Marc Friedrich, Deutschland, Deutsche Bank