01:43 09 Juli 2020
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    Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will den Handelskonzern Metro übernehmen. Die Offerte des Großaktionärs bewerte das Unternehmen mit insgesamt rund 5,8 Milliarden Euro, teilte Kretinskys Holding-Gesellschaft EP Global Commerce am Freitagabend mit.

    „Wir sind fest davon überzeugt, dass Metro alle Voraussetzungen erfüllt, um ein langfristig erfolgreiches Unternehmen zu sein”, betonte der Investor. Er wolle Metro „eine erfolgreiche zukünftige Wachstumsstrategie ermöglichen”.

    Vorstand und Aufsichtsrat des Düsseldorfer Handelskonzerns kündigten an, die Offerte sorgfältig zu bewerten und dazu nach Vorlage der Angebotsunterlage ausführlich Stellung zu nehmen. Davor sollten die Aktionäre keine Aktien an den Bieter verkaufen, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Die freiwillige Offerte beläuft sich auf 16,00 Euro für jede Stammaktie und 13,80 Euro für jede Vorzugsaktie.

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    Der unter anderem durch Investitionen in die Braunkohle reich gewordene Geschäftsmann war im vergangenen Jahr mit seinem Partner Patrik Tkac bei dem Handelsriesen eingestiegen und hatte damit für Übernahme-Spekulationen gesorgt. Nun macht er Ernst. EP Global Commerce verfügt bereits über Optionen, die die Gesellschaft über die Schwelle von 30 Prozent der Metro-Anteile bringen.

    Kretinsky strebt nun bei Metro das Sagen an. Das Angebot werde unter einer Mindestannahmeschwelle stehen, die aus Sicht der EP Global Commerce ausreichend sein solle, um nach Vollzug des Angebots die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit der Metro sicherzustellen. Der Milliardär dürfte damit mit seiner Offerte mindestens 60 Prozent der Anteile ins Visier nehmen. Zunächst aber muss die Finanzaufsicht BaFin das Angebot prüfen.

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    Mit zwei großen Anteilseignern gibt es bereits eine Einigung: Kretinsky und Tkac hatten sich mit der Duisburger Familien-Holding Haniel auf den Kauf von 7,3 Prozent der Metro-Anteile verständigt. Zusätzlich haben sie eine Option auf weitere 15,2 Prozent der Metro-Anteile aus dem Haniel-Fundus, wie Haniel mitgeteilt hatte. Mit den Haniel-Anteilen hatte sich Kretinsky aber nicht zufrieden gegen: Er und Tkac einigten sich mit der Elektronikhandels-Holding Ceconomy auf die Übertragung weiterer Metro-Anteile. Zusammengerechnet mit den Ceconomy-Anteilen kommen beide Partner über die Schwelle von 30 Prozent. Knapp 47 Prozent der Metro-Anteile befinden sich in Streubesitz. Auch diese Aktionäre will Kretinsky mit seiner Offerte überzeugen.

    „Es gibt keine Pläne, Metro-Märkte in Deutschland zu schließen oder die Zentrale in Düsseldorf zu verlegen”, versicherte er.

    Auch in anderen Kernmärkten sollten keine Stellen in größerem Umfang abgebaut werden. Bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge in Deutschland sollten nicht gekündigt werden. Wachstumschancen des Konzerns wolle EP Global Commerce „voll unterstützen”.

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    Der Handelsriese mit 771 Groß-Märkten und über 150.000 Mitarbeitern blickt auf zahlreiche Umbauten zurück. Der seit 2012 amtierende Metro-Chef Olaf Koch hatte den Konzern aufgeteilt, die Elektronikhandels-Holding Ceconomy mit Media Markt und Saturn geht eigene Wege. Die Warenhauskette Kaufhof hatte Koch verkauft, die Supermarktkette Real will er veräußern - ebenso wie Anteile am China-Geschäft der Metro. Über Real laufen aktuell Gespräche mit einem Konsortium um den Immobilien-Investor Redos. Kretinsky unterstützt die Verkaufspläne. Doch im Falle Reals gibt es Kritik. Kretinskys Firma EPH sei enttäuscht über den Stand der Transaktion, die bislang erzielte Verkaufsvereinbarung zwischen Metro und dem Konsortium spiegele auch Sicht der EPH-Gruppe weder den Marktwert der Real-Immobilien noch den Wert des operativen Geschäfts wider, hatte ein Insider Reuters gesagt. Koch muss sich auf heftigen Gegenwind einstellen. Der Metro-Chef will mit den Verkäufen Metro auf das Geschäft rund um den Großhandel konzentrieren.

    ai/rtr

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    Übernahme, Metro, Milliardär, Deutschland, Tschechien