15:57 19 November 2019
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    Radlader mit Methanantrieb (Tetra)

    „Made in Europe“ braucht mehr Schutz

    © Foto : ALDO FERRERO
    Wirtschaft
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    Die europäische Bautechnikbranche will ein neues Level erreichen und bittet die neue EU-Kommission, eine effektive Industriepolitik zu konzipieren. Dazu soll ein Vizekommissionschef ernannt werden.

    Er soll ein direkter Gesprächspartner bei Fragen der Industrie sein und den Dialog zwischen der Regierung und Branchenvertretern wiederaufnehmen, besonders bei Problemen der Konkurrenz mit aggressiven Partnern in Produktionssektoren, beispielsweise mit China.

    Die СЕСЕ (Committee for European Construction Equipment) vertritt Interessen der europäischen Bautechnikunternehmen. Zu dieser Branche gehören 1200 Firmen mit einem Einkommen von 40 Mrd. Euro, auf sie entfallen 20 Prozent der Erzeugnisse auf dem Weltmarkt.

    Die Präsentation eines Radladers mit Methanantrieb (Tetra)
    © Foto : CNH Industrial
    Die Präsentation eines Radladers mit Methanantrieb (Tetra)

    Nach den EU-Wahlen erneuert die CECE ihren Appell an die EU-Behörden, mit denen sie im Februar eine Einigung erreichen wollte, was allerdings scheiterte. Der CECE-Generalsekretär Riccardo Viaggi spricht im Sputnik-Interview darüber, worum es dabei konkret geht.

    Sie sind gerade bei der Präsentation eines Radladers mit Methanantrieb (Tetra), der von Entwurfsingenieuren der CNH Industrial und Ingenieuren der CASE Construction entwickelt wurde, aufgetreten. Ist die Zukunft schon real?

    Was ich an diesem Projekt besonders attraktiv finde, ist das Gefühl, dass alles möglich ist. Mithilfe dieser Maschine können wir unseren Kunden eine Lösung ihrer Hauptprobleme in verschiedenen Baubereichen anbieten. Mir gefällt die Idee, dass umweltfreundliche Lösungen (Methan-Antrieb gewährleistet die Leistung wie bei ähnlichen Diesel-Antrieben) eine Folge des erreichten Ziels der Erhöhung der Arbeitsleistung der Maschinen für unsere Kunden wurde. Wenn solches angesehene Unternehmen wie CNH gestellte Ziele erreicht, denke ich, dass das für unsere ganze Branche gut ist.

    Die CECE existiert schon seit 60 Jahren, welche größten Siege haben Sie auf diesem Wege errungen, was streben Sie in der Zukunft an, indem Sie sich auf Ihr Programm „Road to 2024“ stützen?

    In unserem Appell bitten wir die EU, die Notwendigkeit zu begreifen, eine globale Konkurrenzfähigkeit der europäischen Bearbeitungsindustrie zu gewährleisten und politische Unterstützung für das „Made in Europe“-Projekt und europäische Waren zu leisten. Wir wollen die EU zur Politik der industriellen Strategie bewegen, das ist notwendig, da die Konkurrenzfähigkeit von „Made in Europe“ bedroht ist. Die europäische Regierung war in den letzten Jahren an ganz verschiedenen Trends interessiert, doch es ist die Zeit gekommen, dass das EU-Parlament und die EU-Kommission, die sich in den nächsten Wochen bilden werden, sich mit der Schaffung der industriellen Politik befassen, die auf die Entwicklung der Konkurrenzfähigkeit der europäischen Produzenten auf dem Weltmarkt gerichtet ist.

    Was meinen Sie mit „ist bedroht“?

    Die Hauptgefahr ist der Druck seitens der Hersteller anderer Länder, vor allem Chinas, doch nicht nur. Bei anderen Regionen gibt es äußerst klare Strategien, die darauf gerichtet sind, Anführer in diesem Bereich zu werden. In Indien ist die Industrie-Strategie sehr klar, sie wird vom Staat gesponsert. In den USA ist auch alles klar mit der Industrie-Strategie, obwohl sie auch zum Protektionismus tendieren. Wir wollen nicht fremde Strategien kopieren, wir wollen, dass Europa eine eigene Industriepolitik bekommt. Ein weiteres Problem ist die Neigung zur Verwandlung der Wirtschaft in eine Service-Wirtschaft, also unsere Maschinen werden immer öfter zu Objekten für Service-Leistungen. Das ist auch ein Problem, und wenn wir es nicht rechtzeitig feststellen und lösen, kann es tatsächlich der Anfang vom Ende sein.

    Wie versuchen Sie, diese Probleme zu lösen?

    Was China betrifft, so schlagen wir nicht vor, die Märkte zu sperren. Die EU hat die Politik der Kooperation mit China gewählt. Wir denken, dass Länder, für die man die eigenen Märkte öffnet, es auch so machen sollen, wenn sie ihre Märkte aber nicht öffnen, kann eine solche Situation nur schreckliche Folgen nach sich ziehen.

    Jetzt bildet sich eine neue EU-Kommission – welche Hindernisse erwarten Ihres Erachtens die Baubranche in den nächsten fünf Jahren, und was erwarten Sie von Ihrem Appell?

    Der CECE-Generalsekretär Riccardo Viaggi (R) im Gespräch mit Sputnik
    © Sputnik /
    Der CECE-Generalsekretär Riccardo Viaggi (R) im Gespräch mit Sputnik

    Jetzt, während der Bildung der neuen Führung des EU-Parlaments und der EU-Kommission, fordern Maschinenbauer von ihnen, eine effektive Industriepolitik zur Entwicklung des industriellen Sektors in Europa zu verabschieden. Wir wollen, dass sie auf solche Momente aufmerksam werden wie Welthandel, Schutz der Industrie, gegenseitiger Austausch. Zudem enthält unser Appell eine Anfrage zur Entwicklung der finanziellen, digitalen und umweltfreundlichen Elemente der Industrie. Das alles soll in der industriellen Politik der EU enthalten sein, die es derzeit nicht gibt. Zudem wollen wir, dass in der neuen EU-Kommission ein Vizechef ernannt wird, der direkt für die Industriepolitik verantwortlich sein wird. Jetzt gibt es keinen solchen Posten. Einige Mitglieder der EU-Kommission kennen sich in einzelnen Fragen der Industrie zwar aus, aber das reicht nicht aus. Es gibt keinen Menschen, der unsere Branche in der EU-Kommission tatsächlich vertritt.  Jetzt wird in Brüssel aktiv besprochen, wer die Posten der EU-Kommissare bekleiden wird. Wir haben keine bestimmten Wünsche dazu, doch wir beharren darauf, dass diese Besetzungen ohne Verzögerung erfolgen, damit die neue EU-Kommission schon am 1. November ihre Arbeit aufnehmen kann.

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    Tags:
    Hersteller, Handel, Protektionismus, Italien