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06:38 21 Oktober 2019
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    Gazprom verdrängt US-Flüssiggas aus Europa

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Wirtschaft
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    Die Erdgaspreise sind in Europa auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Die Verbraucher beeilen sich, das zu nutzen. Gazprom hat in den vergangenen zwei Monaten den Export massiv ausgebaut.

    Die US-Flüssiggaslieferungen auf den europäischen Markt sind bei den jetzigen Preisen äußerst verlustbringend.

    Rekordhalter

    Wegen des warmen Winters sind die Gazprom-Exporte Anfang dieses Jahres gesunken, doch jetzt haben sie sich wiederhergestellt – im Mai und in der ersten Juni-Hälfte lieferte das Unternehmen 23,4 Mrd. Kubikmeter Gas ins ferne Ausland, so viel wie 2018 in derselben Periode. Die Kennzahlen waren bislang im Ganzen um sechs Prozent niedriger als die vorjährigen Kennzahlen – rund 88 Mrd. Kubikmeter.

    Die Nachfrage nach russischem Gas in Europa wächst derzeit schnell dank den niedrigsten Preisen seit 2009 – 120 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Gazprom will das nutzen und in europäische Gasspeicher rekordhohe 11,4 Mrd. Kubikmeter pumpen. Diese Vorräte würden im Fall von Problemen mit dem ukrainischen Gastransit 2020 behilflich sein.

    Das Ansteigen der Marktnachfrage und die Bildung von Reserven ermöglichen es Gazprom, den Plan erfolgreich zu erfüllen – seit Januar baute Gazprom die Förderung um 2,3 Prozent auf 258,7 Mrd. Kubikmeter aus. Das ist ein Rekord seit 2011.

    In der vergangenen Woche gab Gazprom-Chef Alexej Miller bekannt, dass er einen Jahresexport in Höhe von 198,6-201 Mrd. Kubikmeter erwartet. Also fast wie im Jahr 2018, als der absolute Rekord von 202 Mrd. aufgestellt wurde.

    US-amerikanische Gasproduzenten müssen inzwischen über einen Betriebsstopp nachdenken, weil die Grenze der Rentabilität bei ihnen bei etwa 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter liegt. Die amerikanischen Flüssiggasprojekte wurden initiiert, weil damit gerechnet wurde, dass die Preise in Europa bei rund 200 Dollar liegen werden, doch die jetzigen Preise sind einfach verheerend.

    Ein Teil der Kapazitäten zur Gasverflüssigung könnte in der nächsten Zeit eingestellt werden, die Flüssiggaslieferungen nach Europa werden stark zurückgehen, warnte der Chefwirtschaftsexperte von British Petroleum, Spencer Dale, Mitte Juni.

    Die Zukunft neuer Projekte ist ungewiss. Nach Angaben der Federal Energy Regulatory Commission werden derzeit fünf Abschnitte für Gasverflüssigung (Hackberry, Freeport, Corpus Christi, Sabine Pass und Elba Island) mit einer Gesamtkapazität von 57 Mio. Tonnen pro Jahr gebaut.

    Gebilligt sind bereits Projekte von weiteren fünf Abschnitten (zwei in Lake Charles und jeweils einer in Hackberry, Sabine Pass und Gulf of Mexico) für 60,3 Mio. Tonnen pro Jahr. Bei den jetzigen Preisen sind sie alle unrentabel.

    Neue Sanktionen

    Ohne die Möglichkeit, gegen Russland beim Kraftstoffpreis zu konkurrieren, verstärkten die USA massiv den politischen Druck auf die europäischen Partner. Vor ein paar Wochen rief Donald Trump erneut dazu auf, zugunsten des US-Flüssiggases auf das russische Rohrgas zu verzichten.

    Der Ausschuss für ausländische Angelegenheiten des Repräsentantenhauses des Kongresses unterstützte den Gesetzentwurf, laut dem Washington Sanktionen gegen Personen einführen kann, die an den russischen Projekten Nord Stream 2 und Turkish Stream beteiligt sind und Technologien und Ausrüstung für diese Pipelines bereitstellen.

    „Der weitere Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 würde die Gefahr für Millionen Europäer verstärken und die Sicherheit in der ganzen Welt ernsthaften Risiken aussetzen“, sagte der Autor des Dokuments, Kongressmitglied Adam Kinzinger. „Die USA müssen die Anstrengungen mit den Verbündeten vereinigen und die nationale Sicherheit schützen, indem den Versuchen des Machtergreifens durch Russland eine Abfuhr erteilt wird.“

    Allerdings wird Washington es nicht schaffen, den Bau von Nord Stream 2 zu torpedieren. Alle Länder, durch deren Territorialgewässer die Pipeline verläuft, haben bereits die entsprechende Genehmigung erteilt - außer Dänemark. Die Betreiberfirma Nord Stream 2 AG hat in der vergangenen Woche einen Anträge zur Verlegung der Pipeline im dänischen Territorialgewässer zurückgenommen.

    Kopenhagen prüft gegenwärtig zwei Anträge, die die Nutzung der ausschließlichen Wirtschaftszone Dänemarks vorsehen. Sie können gemäß dem internationalen Seerecht nur im Fall einer Sicherheitsgefahr für die Beförderungen auf hoher See bzw. für die Umwelt abgelehnt werden. Da die Nord Stream 2 keine solche Bedrohung darstellt, können die Dänen dieses Projekt nicht stoppen.

    Zahlung für Treue

    „Der Point of no Return für Nord Stream 2 ist schon längst vorbei“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am vergangenen Freitag. „Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 1482 km der Pipeline gebaut, das sind 60,4 Prozent. Die Kapitalausgaben für die Finanzierung sind zu mehr als 80 Prozent erfüllt. Das Projekt wird umgesetzt, es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten für seine Sperrung“, so Miller.

    Das heißt, dass die Chancen der USA auf die Erweiterung ihrer Flüssiggaslieferungen nach Europa schnell schwinden – das US-Flüssiggas ist nicht imstande, mit dem russischen Pipelinegas in punkto Preis zu konkurrieren. Das ist nun nicht mehr das Problem der Amerikaner, sondern ihrer „größten europäischen Verbündeten“, der Polen.

    Im Herbst des vergangenen Jahres unterzeichnete das polnische Unternehmen PGNiG zwei Verträge zum Kauf von Flüssiggas bei der US-Firma Cheniere Energy. Mitte Juni wurde ein zusätzlicher Vertrag für die Lieferung von zwei Mrd. Kubikmeter vom Terminal Plaquemines unterzeichnet.

    Polen rechnete mit dem Weiterverkauf der meisten Mengen des US-Flüssiggases an die EU-Länder und wollte damit zu einem neuen europäischen Gas-Hub aufsteigen. Doch bei der jetzigen Konjunktur will wohl kaum jemand teures Gas aus den USA statt dem billigen russischen kaufen.  Warschau muss also zum eigenen Nachteil handeln, indem man sich mit dem Gefühl der erfüllten Pflicht eines Verbündeten Washingtons zufrieden gibt.

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    Tags:
    USA, Lieferung, Gazprom, Flüssiggas, Russland