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13:45 18 Juli 2019
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    Finanzexperte: „Deswegen wird Ende 2020 das Finanzsystem kollabieren“

    © AFP 2019 / DANIEL ROLAND
    Wirtschaft
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    Bolle Selke
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    „Wir sind im Vorhof der Krise“, warnt der Risikomanager Markus Krall. Warum der Finanz-Crash Ende 2020 anstünde, erklärt der Autor von „Der Draghi-Crash. Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt“ im Sputnik-Interview.

    Herr Krall, befinden wir uns aktuell in einer Finanzsystemkrise?

    Ich glaube, dass wir gewissermaßen im Vorhof der Krise stehen. Der Crash ist insofern da, als an den Aktienmärkten sich jetzt schon abzeichnet, wo es in den nächsten Monaten hingeht, und auch die Rezession ist da. Insofern, ja, wir sind im Vorhof der Krise.

    Wann wird denn das Finanzsystem Ihrer Meinung nach kollabieren?

    Ende 2020 werden wir in eine Situation geraten, bei der die Banken durch ihre Ertragserosion in die operative Verlustzone rutschen, und diese Verlustzone führt dann zu einer Erosion der Kapitalbasis und damit zu einer Kreditkontraktion, welche dann wiederum die ‚Zombies‘ umbringen wird. Die Zombieunternehmen, die wir jetzt über zwölf Jahre akkumuliert haben und die wir nur durch den Nullzins am Leben halten konnten. Sodass wir wahrscheinlich Ende 2020 in eine echte Crash-Situation reinrutschen werden und in einen echten Kollaps des Finanzsystems, der sich allerdings, wenn er sich entfaltet, über einige Quartale hinziehen wird.

    2007 hatten wir ja schon mal die Weltfinanzkrise. Wird der kommende Crash ähnlich ablaufen?

    Ich glaube, dass er sehr viel heftiger wird, und zwar deswegen, weil die angestauten Ungleichgewichte auch sehr viel größer sind. Wir haben ja nach der Krise 2007/2008 im Wesentlichen die Bereinigung der Fehlerlokation in der gesamten Weltwirtschaft und insbesondere in der Eurozone nicht durchgeführt. Die Bereinigungsphase, die eigentlich nötig gewesen wäre, um die Fehlerlokation zu beseitigen, hat gar nicht stattgefunden. Wir wollten sie nicht. Wir haben sie mit allen Mitteln verhindert und verzögert. Haben in der Zwischenzeit, durch die Nebenwirkungen dieser Verzögerungspolitik, insbesondere der Geldpolitik, noch weitere Ungleichgewichte akkumuliert und angesammelt und jetzt stehen wir einfach vor der Situation, dass wir diese riesige Menge an Ungleichgewichten zur Entladung bringen müssen, beziehungsweise dass es zur Entladung kommt – mit und ohne unser Zutun. Das ist eine sehr viel größere Krise, als 2007/2008.

    Was heißt das für Europa und den Euro, wenn es tatsächlich zu so einer großen Krise kommt?

    „Das heißt zweierlei. Das heißt, dass wir im Zuge des Untergangs der Zombieunternehmen und der dann auch verlierenden Banken eine deflationäre Krise erleben werden. Der wird man durch eine massive Bankenrettung mit frischgedrucktem Geld entgegentreten. Was die deflationäre Phase in eine hochinflationäre Phase umkippen wird. Diese hochinflationäre Phase wird dann zu einer massiven Enteignung der Sparer führen. Da wird es nicht nur keine Zinsen mehr geben, sondern dann geht es in die Substanz. Die Ersparnisse nomineller Art werden sich in Luft auflösen und die daraus resultierende politische Krise und Vertrauenskrise in den Euro wird auch das Ende dieser Währung einleiten.

    Sie sagten es bereits: Die Sparer werden darunter natürlich leiden. Was bedeutet also eine solche Krise für den einfachen Bürger?

    Man muss befürchten, dass die Ersparnisse, die in Nominalwerten angelegt sind – vor allen Dingen Anleihen, Sparkonten, Lebensversicherungen und Pensionskassen – weitgehend entwertet werden. Man muss befürchten, dass ein nicht kleiner Anteil der Sparer, die in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten in die Rente gehen werden, dann von Altersarmut bedroht sein werden und damit konfrontiert sein werden und zwar in sehr massivem und großem Ausmaß.

    Wie kann man sich denn am besten auf den Crash vorbereiten und diese Auswirkungen minimieren?

    Für den Einzelnen, der seine Kapitalanlage selber steuern kann, empfehle ich, dass er sein liquides Vermögen aus dem Euroraum rausbringt und dann in einem Wertpapierdepot außerhalb des Euroraums anlegt. Im Wesentlichen in Anleihen von Ländern die eben über Währungen verfügen, die die inneren Widersprüche und Spannungen, die der Euro aushalten muss, aber nicht aushalten kann, nicht haben. Welche Währungen sind das? Das sind US-Dollar, Kanada-Dollar, Britisches Pfund, Schweizer Franken, Norwegische Krone, Tschechische Krone, Russischer Rubel, Australischer Dollar, Singapur-Dollar und Neuseeländischer Dollar. Von diesen Währungen sollte man kurzlaufende Staatsanleihen erwerben, mit einer Laufzeit von sechs bis 18 Monaten, und zehn Prozent des liquiden Vermögens in physischem Gold anlegen, als Rückversicherung gegen alle unbekannten Eventualitäten.“

    Das komplette Interview mit Dr. Markus Krall zum Nachhören:

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    Tags:
    Europa, Armut, Versicherungen, Crash, Finanzkrise