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    Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari unterzeichnet das AfCFTA-Abkommen in Niamey, Niger, der 7. Juli 2019

    „Wirtschaftlicher Spiel-Umdreher“? Afrikanische Staatschefs starten kontinentale Freihandelszone

    © REUTERS / Nigeria Presidency / Handout
    Wirtschaft
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    Afrikanische Staatschefs sind am Sonntag in der Hauptstadt von Niger, Niamey, zusammengekommen, um die afrikanische Freihandelszone (AfCFTA) offiziell zu eröffnen.

    Im Erfolgsfall soll die AfCFTA (eng.: African Continental Free Trade Area) 1,3 Milliarden Menschen vereinen und einen Wirtschaftsblock von 3,4 Billionen US-Dollar schaffen.

    Auf der Grundlage der Freihandelszone soll ein Binnenmarkt entstehen. Die Ankurbelung des interregionalen Handels, Stärkung der Lieferketten und Verbreitung des Fachwissens werden helfen, das nichtausgeschöpfte Wirtschaftspotential Afrikas zu erschließen, hoffen die Staatschefs.

    Nach vier Jahren Verhandlungen wurde die Vereinbarung zwischen 52 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU) im März 2019 getroffen. Bisher ratifizierten nur 25 Staaten das Abkommen, unter ihnen aber auch die afrikanische Wirtschaftsmacht Nigeria.

    Beim AU-Gipfeltreffen in Niger wird nun verkündet, in welchem Land der AfCFTA-Hauptsitz sich befinden wird, wann der Handel starten und wie genau er funktionieren wird.

    In Afrika bestehen wesentliche Herausforderungen für den Handel, darunter schlechte Straßen- und Schienenverbindungen, große Gebiete mit Unruhen, übermäßige Bürokratie an Grenzen und Kleinkorruption, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Ökonomen. Diese Faktoren verhinderten Wachstum und Integration.

    Potentieller „wirtschaftlichen Spiel-Umdreher“

    Auf den interregionalen Handel entfielen in Afrika 2017 nur 17 Prozent des Exports. Zum Vergleich: Der interregionale Handel machte im selben Jahr in Asien 59 Prozent und in Europa 69 Prozent der Ausfuhren aus.

    Die AfCFTA-Mitglieder verpflichteten sich, Zölle auf die meisten Güter aufzuheben. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll das den Handel in der Region mittelfristig um 15 bis 25 Prozent erhöhen.

    Sollte das Abkommen funktionieren, würde es zu einem „wirtschaftlichen Spiel-Umdreher auf dem Kontinent“ werden, schrieb der IWF in einem Bericht im Mai.

    Nur die Zölle zu senken reicht demzufolge allerdings nicht, um den interregionalen Handel zu fördern. Schlechte Handelslogistik und Infrastruktur seien die wichtigsten Hindernisse für eine weitere Handelsintegration in der Region.

    In Afrika bestehen derzeit mehrere Wirtschaftszonen, die sich überlappen und miteinander konkurrieren. Das sind die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC), die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) und der Gemeinsame Markt des Östlichen und Südlichen Afrika (Comesa).

    Der Handel innerhalb der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften wird auch weiter getrieben, wie er jetzt geführt wird. Die Rolle der AfCFTA ist es, den Handel zwischen den Staaten zu liberalisieren, die derzeit nicht zu derselben regionalen Wirtschaftsgemeinschaft gehören, so Reuters unter Verweis auf Trudi Hartzenberg, Direktor einer handelsrechtlichen Organisation in Südafrika.

    mo/gs/rtr

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    Tags:
    Niger, Afrikanische Union, Afrika