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22:54 22 September 2019
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Das Dollar-Imperium wackelt: Russland und Indien wickeln Rüstungsdeals künftig ohne US-Währung ab

    © Sputnik / Alexej Suchowukow
    Wirtschaft
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    Die Zentralbanken Russlands und Indiens haben vereinbart, gemeinsame Rüstungsdeals in den Nationalwährungen abzuwickeln, wie die Agentur Bloomberg berichtet. Dadurch könne der Sanktionsdruck der USA verringert und die Nachfrage nach dem russischen Rubel angekurbelt werden, denn bei den Waffenlieferungen geht es um Dutzende Milliarden Dollar.

    Liebe kann man nicht erzwingen

    Demnächst soll Neu-Delhi den ersten Teil der Tranche gemäß dem Vertrag zum Bau von zwei Kampfschiffen für die indische Flotte nach Moskau überweisen. Es handelt sich um Fregatten des Projekts 11356 im Gesamtwert von 950 Mio. Dollar. Laut dem Chef der russischen Schiffsbauholding OSK, Alexej Rachmanow, ist das im vergangenen November unterzeichnete Abkommen für 36 Monate angelegt.

    Der Beschluss über den Wechsel zu den Nationalwährungen wurde unter Berücksichtigung der Sanktionspolitik Washingtons getroffen. Vor zwei Jahren setzten die USA den Waffenexporteur Rosoboronexport auf die schwarze Liste gemäß dem Gesetz „Über die Bekämpfung der Gegner Amerikas“ (CAATSA). Jede Finanzorganisation, die Geld auf Konten des Unternehmens überweist, kann von den Einschränkungen betroffen werden und die Möglichkeit verlieren, die Dollar-Operationen über das SWIFT-System abzuwickeln. Wegen dieser Risiken haben die indischen Banken eine Tranche in Höhe von zwei Mrd. Dollar für die Reparatur des bei Russland gepachteten U-Boots “Chakra” (Projekt 971 „Schtschuka B“) eingefroren.

    Analysten dachten, dass Moskau und Neu-Delhi sich auf Zahlungen in Euro einigen würden – bereits vor einem Monat hat die indische Zeitung „Economic Times“ solche Informationen veröffentlicht. Allerdings wiesen Vertreter der Vneshtorgbank (VTB) diese Informationen zurück.

    „Es war von Anfang an klar, dass die Zahlungen nicht in Euro erfolgen werden, denn das gesamte Weltfinanzsystem hängt zu stark von den USA ab“, sagte der Direktor des Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, Ruslan Puchow, gegenüber Bloomberg. Deshalb versuche Russland bereits die sowjetische Praxis wiederzubeleben, als der Zahlungsverkehr in Rubel und Rupie erfolgte.

    Damit wird eine Einmischung Washingtons in die Handelsbeziehungen der beiden Länder ausgeschlossen. Wahrscheinlich würden Moskau und Neu-Delhi statt SWIFT das System zur Übermittlung von Finanzmitteilungen der Zentralbank Russlands nutzen. Ende Juni verabschiedete die Staatsduma ein Gesetz, das ausländischen Banken und juristischen Personen einen freien Anschluss an dieses System ermöglicht.

    Was man anbieten kann

    Waffen sind der wichtigste Posten im russischen Exportgeschäft mit Indien, der Dutzende Milliarden Dollar einbringt. Der bislang größte Vertrag ist die Lieferung von fünf Regimentern des Flugabwehrsystems S-400 Triumph im Wert von mehr als fünf Mrd. Dollar.

    Im vergangenen Herbst sagte Vizepremier Juri Borissow, dass das Abkommen für S-400-Lieferungen in der russischen Währung abgeschlossen worden sei.

    Ein weiteres großes Abkommen betrifft den Verkauf von rund 200 leichten Hubschraubern Ka-226T im Wert von einer Mrd. Dollar. Zudem sieht das Abkommen die Lokalisierung der Produktion einiger Bestandteile für diesen Hubschrauber in Indien vor.

    Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion von Russian Helicopters, Rosoboronexport und der indischen Firma Hindustan Aeronautics Limited. Das heißt, dass die russischen Unternehmen sich für lange Zeit einen Geldzufluss bei der Lizenzproduktion der Hubschrauber sichern werden.

    Die britische Zeitung „Jane’s 360“ berichtete im April unter Berufung auf Quellen in der indischen Regierung über die Lieferung von 464 russischen Panzern T-90MS im Wert von fast zwei Mrd. Dollar bereits in den nächsten Monaten.

    1,5 Mrd. Dollar würden Neu-Delhi die russischen mobilen Flugabwehrkomplexe Igla kosten, die im November des vergangenen Jahres eine Ausschreibung gegen die europäischen Konkurrenten SAAB und MBDA dank hoher Zuverlässigkeit und einem attraktiven Preis gewann.

    Unterstützung für den Rubel

    Der Übergang der russisch-indischen Rüstungsverträge zu den Nationalwährungen würde die Nachfrage nach dem Rubel erhöhen und ihn stabiler gegen äußere Risiken machen. Das würde auch den Beginn einer direkten Preisbildung für den russischen militärtechnischen Export fördern, so Experten.

    Zurzeit werden die Verträge in US-Dollar berechnet und dann nach dem aktuellen Wechselkurs in Rubel bezahlt. Die Stärkung der Rolle der russischen Nationalwährung im internationalen Handel würde die Bewertung der Verträge unmittelbar in Rubel ermöglichen.

    „Heute geben Analysten Indexe für alle Gruppen von Waren in US-Dollar, weshalb es für Russland im Rahmen der Abkehr vom Dollar wichtig ist, eine eigene Industrie zu schaffen, die die Preise in Rubel objektiv bestimmt und damit das alles von der internationalen Gemeinschaft anerkannt wird. Dann wird es keine Probleme mit Verträgen, Preisen und Verrechnungen in Rubel geben“, so der ehemalige Chef der russischen Zentralbank und Mitglied des Aufsichtsrats der Bank VTB Sergej Dubinin.

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    Tags:
    Währung, Rubel, Lieferung, Waffen, Indien, Russland, USA