01:06 10 Dezember 2019
SNA Radio
    Menschen beim Teil der Berliner Mauer (Archiv)

    Fünf Jahre Russland-Sanktionen: Schaden in Ostdeutschland größer als im Westen

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    271282
    Abonnieren

    Vor rund fünf Jahren hat die EU angesichts der Geschehnisse in der Ost-Ukraine erstmals Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Wie nun bekannt wurde, hat dieses Exportverbot der Wirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern deutlich mehr geschadet als Unternehmen im Westen der Republik.

    Nach einer aktuellen Aufstellung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zählt vor allem Sachsen zu den großen Verlierern der Russland-Sanktionen. Demnach ging das dortige Handelsvolumen zwischen 2013 und 2018 um 72,5 Prozent zurück. In den fünf ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) war es im Durchschnitt ein Minus von 28,7 Prozent. Zum Vergleich: In Westdeutschland schrumpfte der Warenaustausch dagegen nur um 17 Prozent.

    Verzweiflung im Osten…

    Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, Michael Harms, führt das starke Gefälle vor allem darauf zurück, dass ostdeutsche Maschinenbauer sehr stark auf Russland ausgerichtet waren:

    „Das sind keine Großkonzerne, das sind alles Mittelständler, und die Ausfälle haben dann schon eine enorme Bedeutung."

    Die ostdeutschen Bundesländer hätten sich laut Harms verzweifelt bei dem Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft gemeldet, weil der Verlust von Großprojekten sie in große wirtschaftliche Schwierigkeiten bringe.

    Ein dreistelliger Milliardenbetrag…

    Harms betonte aber, dass der Rückgang im Handel die Sanktionsfolgen nicht eins zu eins abbilde. Es gebe nach Meinung des Wirtschaftsexperten Harms auch indirekte Effekte:

    „Viele deutsche Firmen sagen zum Beispiel, in solch einem politischen Umfeld schieben wir ein strategisches Investitionsprojekt in Russland auf die lange Bank. Oder die russische Regierung sagt: Wir orientieren uns dann doch lieber in Richtung China. Diese Effekte sind sehr schwer zu beziffern."

    Der größte Teil der EU-Sanktionen gegen Russland aufgrund des Konflikts in der Ost-Ukraine sind seit dem 31. Juli 2014 in Kraft. Russland hatte im Gegenzug ebenfalls Sanktionen gegen die Länder der Europäischen Union verhängt. Den Gesamtschaden schätzt der Ostausschuss auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. Sachsens Ministerpräsident, der CDU-Politiker Michael Kretschmer, hatte vor wenigen Wochen ein Ende der Sanktionen gefordert. Kurz darauf hatte die EU die Maßnahmen aber bis Januar 2020 verlängert.

    mjo/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Treffen mit Selenski: Putin zeigt sich zufrieden
    Geschichtsfälschung verurteilt: Gemeinsame Erklärung beim OSZE-Ministerrat zum Zweiten Weltkrieg
    Tödliche Attacke in Augsburg: Hauptverdächtiger mehrfach mit Delikten aufgefallen
    Tags:
    Russland, Folgen, Sanktionen, Ostdeutschland