02:46 18 November 2019
SNA Radio
    Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire (Archivbild)

    Trotz Washingtons Drohungen: Frankreich hält an Steuer gegen US-Internetriesen fest

    Irina Kalaschnikowa
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    3710
    Abonnieren

    Trotz Sanktionsdrohungen aus den USA hält Paris laut dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire an der Digitalsteuer fest, die auf Internetgiganten wie Google, Amazon, Facebook oder Apple abzielt.

    Viele Internetfirmen fahren in bestimmten Ländern hohe Umsätze ein, zahlen aber nur geringe Steuern, weil die Gewinne grenzüberschreitend verlagert werden. Frankreich will deswegen eine dreiprozentige Digitalsteuer einführen.

    Le Maire räumte ein, dass es die „Möglichkeit amerikanischer Sanktionen gegen Frankreich“ gebe. Nach Reuters-Angaben prüft die US-Regierung Gegenmaßnahmen, was den Handelsstreit mit Europa verschärfen könnte.

    „Frankreich wird bei der Einführung der nationalen Besteuerung auf jeden Fall nicht nachgeben“, sagte der französische Minister dem Sender France Inter.

    Auf Einladung Le Maires werden die Finanzminister der großen Industriestaaten (G7) vom Mittag an in Chantilly bei Paris zusammenkommen. Das G7-Treffen werde entscheidend dafür sein, wie in Steuerfragen mit großen Internetfirmen umgegangen werden solle, so Le Maire.

    Die Steuertricks der US-Onlinegiganten

    Der EU entgehen jedes Jahr Milliarden an Steuergeldern aufgrund der Steuerpolitik US-amerikanischer Großkonzerne. Einem Report zufolge konnte alleine das US-Unternehmen Apple zwischen 2015 und 2017 bis zu 21 Milliarden Euro an der europäischen Finanz vorbeischleusen.

    Ähnlich verhält sich die Situation auch beim IT-Riesen Google, der 2017 fast 20 Milliarden auf die Bermudas geschleust und dadurch mehrere Milliarden an Steuern gespart hat.

    Auf EU-Ebene wird sich das Problem möglicherweise nicht einstimmig lösen lassen, da die Großkonzerne in bestimmten europäischen Ländern viele Arbeitsplätze geschafft haben. In Irland beispielweise beschäftigen ausländische Konzerne mehr als 150.000 Leute.

    Digitalsteuer in Österreich

    Nachdem sich die EU-Staaten im März nach monatelangen Verhandlungen nicht auf eine Digitalsteuer hatten einigen können, zeigte sich die Regierung des damaligen österreichischen Kanzlers, Sebastian Kurz, bereit, im Alleingang ein nationales Paket zu beschließen.

    Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz von 750 Millionen Euro sollen von 2020 an eine Steuer von fünf Prozent auf ihre Online-Erlöse zahlen. Das ist mehr als die Regierung ursprünglich angekündigt hatte, denn bisher war lediglich von drei Prozent die Rede.

    mo/ae/dpa/rtr

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    EU, USA, Frankreich