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01:15 21 August 2019
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    Gold knackt „Magische Marke“: Was der Preis-Anstieg wirklich bedeutet

    © AFP 2019 / PAUL FAITH
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Der Goldpreis steigt und steigt, jetzt hat er sogar die „magische Grenze“ von 1400 US-Dollar je Unze gemeistert, wie Finanz-Medien berichten. Warum der aktuelle Anstieg des Edelmetalls etwas trügerisch ist, weshalb Silber nur langsam nachzieht und was das für Anleger bedeutet, hat Sputnik bei erfahrenen Goldmarkt-Experten nachgefragt.

    Aktuell liegt der Goldpreis bei etwa 1411 US-Dollar bzw. 1257 Euro je Unze. Daher schreibt das „Handelsblatt“ auch von einem „guten Halbjahr für Fondsanleger“ und über „Hoffnung für Gold-Produkte“. Weitere Finanz-Medien sprechen von momentan „stabilen Goldaktien“. Sputnik hat zwei erfahrene Goldmarkt-Analytiker befragt, wie der momentane Aufwärtstrend beim Gold einzuschätzen ist.

    „Wir haben beim Gold die Hochs aus dem Jahr 2016 definitiv übertroffen, gar keine Frage“, erklärte Goldmarkt-Experte Philip Klinkmüller vom Investitions-Beratungsunternehmen „Hopf-Klinkmüller Capital Management“ in Stuttgart im Sputnik-Interview. „Es hat sich alles wunderbar entwickelt. Aber im Allgemeinen muss man sagen, dass der restliche Markt trotzdem in einem desolaten Zustand ist.“ Das physische Gold und Goldaktien seien in der Betrachtung dabei zu trennen. „Insbesondere die Goldaktien haben noch nicht einmal die Levels, also das Niveau, von 2016 erreicht. Das ist definitiv ein Faktor, der als besorgniserregend einzustufen ist.“ Auch der Silber-Preis sei aktuell in Relation zum Gold-Preis erschreckend niedrig.

    Silber sei im Vergleich zu Gold „mindestens 10 US-Dollar zu günstig“, so der Stuttgarter Finanz-Analytiker. Dessen Finanz-Unternehmen betrachtet die Edelmetallmärkte „rein technisch-mathematisch nach der Elliot-Wellen-Methodik. Für uns ist das nach allem, was wir in den letzten Jahren gesehen haben – also das Tief 2015 im Goldmarkt, aber auch Krisen im Minenmarkt – aktuell hauptsächlich eine Aufwärtskorrektur. Sprich: Wir haben nach oben hin Potenzial, gar keine Frage.“

    Gold bald bei 1700 Dollar?

    Goldpreise von 1550 bis 1700 US-Dollar seien langfristig möglich. Das nächste kurzfristige Ziel sei der Bereich um die 1477 Dollar pro Unze. Aber er warnte, es könne auch wieder zu „einem massiven, harten Sell-Off“ (dt.: Verkauf) auf dem Goldmarkt kommen. Das würde dann auch viele Aktien von Goldminenbetreibern treffen, teilweise „auch den Silbermarkt, wobei der noch die besten Chancen aktuell aus unserer Sicht hat.“

    Der momentane Anstieg des Goldpreises sei eine bereinigende Kurskorrektur, zog Finanz-Experte Klinkmüller Bilanz. Schließlich habe das Edelmetall in den vergangenen Jahren viele Täler durchschreiten müssen. Nun gehe es wieder aufwärts, dort wo es laut dem Stuttgarter Gold-Experten hingehöre.

    Warnung vor voreiligen Gold-Investitionen, Rat zu Silber

    „Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass die Aufwärtsbewegung beim Gold bereits am Ende angelangt ist“, sagte er.

    „Auf lange Sicht erwarten wir, dass das Ende der Fahnenstange erreicht wird. Der Goldpreis ist aktuell definitiv kein Marktumfeld, wo man pauschal zu Investitionen raten sollte, ohne die Schwellen (und Risiken, Anm. d. Red.) nach unten zu beachten. Mit einem guten Trading-Ansatz kann man hier sicherlich aktuell noch auf den Zug aufspringen. Dazu kann man auch gerne unsere Updates lesen. Aber man sollte hier jetzt nicht in einen überbordenden Optimismus verfallen. Da würde ich mich eher bei Silber umschauen oder im Bereich der ein oder anderen Minenaktie, die noch auf attraktiven Kursniveaus notiert. Statt auf den aktuellen Goldpreis aufzuspringen.“ Das reine Potenzial der Wertentwicklung sei bei Silber eben größer.

    „Kein euphorischer Anstieg“

    „Wir haben ein ganz klares Kaufsignal am Goldmarkt mit dem Anstieg über die 1380-Dollar-Marke. An dieser Marke ist der Goldpreis in den letzten Jahren viele Male hängengeblieben – und jetzt ist er drüber gestiegen. Ein ganz klares Kaufsignal.“ Das sagte Martin Siegel, Gold-Experte von „Stabilitas Fonds“ in Nordrhein-Westfalen, im Sputnik-Interview. Der Finanz-Experte beobachtet und analysiert Bewegungen auf dem Goldmarkt seit den 1980er Jahren. Damit bestätigte er, was zu Beginn der Woche das Finanz-Portal „Onvista“ berichtet hatte: Die „markante Hürde“ von 1366 US-Dollar je Unze wurde beim Gold „gemeistert“.

    „Die Goldminen-Aktien haben den Anstieg mitgemacht, aber nicht besonders euphorisch“, analysierte der Gold-Experte aus NRW. „Man hätte durchaus noch höhere Anstiege nach dieser Seitwärtsbewegung erwarten können. Das ist ein kleiner Wermutstropfen. Auch der Silberpreis ist lange nicht mitgestiegen. Erst am Dienstag hat der Silberpreis endlich nachgeholt. Es gibt noch ein weiteres eher negatives Signal mit den Privatanlegern, die bei physischem Metall eher auf der Verkäuferseite sind. Das sind so Signale dafür, dass der Markt nicht euphorisch und auch nicht einwandfrei in Ordnung ist.“ Damit bestätigte der „Stabilitas“-Finanzexperte die vorangegangene Analyse des Gold-Experten Klinkmüller.

    Was Hoffnung gibt

    „Durch den gestrigen Silberpreisanstieg wird der Markt sauberer“, gab Siegel zu bedenken. „Es kommt mehr spekulatives Interesse in den Markt. Die Minenaktien sind stabil geblieben. Das ist positiv.“ Finanzgeschichtlich betrachtet spreche zudem nichts dagegen, dass „der Goldpreis auch ein neues historisches Hoch erreicht. Die Performance von Gold ist gar nicht so schlecht.“ Er erinnerte zudem an die alte Regel: „Steigt Gold, steigt auch Silber.“

    Sollten jedoch Rohstoffpreise und damit auch Lohnnebenkosten unerwartet in die Höhe schnellen – beispielsweise beim Öl – „dann werden wir das Gold nicht mehr zu diesen Preisen produzieren und abbauen können.“ Zudem schränkte der Gold-Experte aus Bad Salzuflen ein, der aktuelle Aufwärtstrend beim Goldpreis sei hauptsächlich den Termin-Märkten geschuldet. „Das ist für mich keine klassische Aufwärtsbewegung, weil sie nur am Termin-Markt gemacht wurde. Nur auf Papier. Sie ist nicht am physischen Goldmarkt einsehbar.“

    Wie der Goldpreis an den Termin-Märkten seit Jahrzehnten manipuliert wird, hat der Münchner Goldmarkt-Fachmann Dimitri Speck mehrfach in früheren Sputnik-Interviews erläutert.

    Tipps für Gold-Anleger

    „Wer jetzt immer wieder Gold kauft – beispielsweise nach der Cost-Average-Methode – der müsste jetzt ganz gut im Gewinn liegen“, nannte Siegel im Gespräch Anleger-Tipps. „Wer 1999 Gold gekauft hat, der hat sein Geld heute versechsfacht oder versiebenfacht.“

    Bei einem weiteren möglichen Goldpreisanstieg lohnen sich auch gut diversifizierte Minenfonds, so der Finanz-Fachmann. „Wir haben auch einen Goldminen- und Silberfonds in unserem Portfolio. Unser Goldminen-Fonds ist 2016 um etwa 75 Prozent gestiegen, der Silberfonds um 124 Prozent. Man kann da schon Geld mit verdienen.“

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Philip Klinkmüller („Hopf-Klinkmüller“) zum Nachhören:

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Martin Siegel („Stabilitas Fonds“) zum Nachhören:

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    Tags:
    Gewinn, Sicherheit, Preise, Markt, Gold