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00:59 21 August 2019
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    Produktion der Gold-Barren (Archiv)

    Goldgedeckte Währungen: „Wohltat für Menschheit“ oder „wahnsinniger Rohstoff-Krieg“?

    © AFP 2019 / FABRICE COFFRINI
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Jüngste politische Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump deuten an, dass eine Rückkehr zum Goldstandard für Währungen wie US-Dollar oder Euro wieder realistischer erscheint. Wie sähe eine Welt mit goldgedeckten Währungen aus? Sputnik hat bei etablierten Goldmarkt- und Finanz-Experten nachgefragt und dabei Pro- und Contra-Argumente gesammelt.

    Die Finanzwelt horchte auf, als Anfang Juli US-Präsident Donald Trump seine Wirtschafts-Beraterin, die Ökonomin Judy Shelton, für eine Position innerhalb der FED vorschlug. Also für die US-Zentralbank nominierte, die seit jeher privat geführt wird und von der sich Washington in einem komplizierten Verfahren sozusagen „seine“ Dollar leihen muss. Dies bedeutete schon immer eine große währungspolitische Abhängigkeit des US-Staats von der FED, die Trump jetzt anscheinend durchbrechen möchte. Shelton soll nach dem Willen des US-Präsidenten nun Platz und Stimmrecht im „Board of Governors“ der FED erhalten, einem wichtigen Entscheidungsgremium der US-Notenbank.

    Trump: „Goldige“ Nominierung für die FED

    Das Pikante daran: Die US-Wirtschaftsexpertin tritt seit vielen Jahren öffentlich als eine entschiedene Fürsprecherin für eine Rückkehr zum alten gold-gedeckten Währungssystem auf.

    „Shelton ist eine Gläubige, wenn es um den Goldstandard geht“, berichtete daher auch Mitte Juli das US-Medium „CBS News“ über die Nominierung der Wirtschaftsfrau durch Trump. „Eine Geldpolitik, die 1971 von den USA aufgegeben wurde. Etablierte Mainstream-Ökonomen ziehen die Augenbrauen hoch, wenn sie Sheltons Vorschläge hören, den Leitzins der FED auf null zu senken und den Wert des Dollars an den Goldpreis zu binden.“

    Die Zeit wird zeigen, ob Shelton als Wirtschafts-Expertin mit mehreren Abschlüssen und Erfahrungen unter anderem als USA-Direktorin der „Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ tatsächlich den Goldstandard und damit den goldgedeckten US-Dollar wieder einführen kann.

    Als Geld noch aus Gold bestand

    Beim Goldstandard handelte es sich um eine Währungsordnung, bei der Banknoten und Münzen am Schalter gegen Gold getauscht werden konnten oder selbst aus Gold bestanden. Das Edelmetall diente dabei als zuverlässiger Indikator, wieviel tatsächlichen Wert eine Währung hatte. Der Goldstandard hatte sich weltweit um das Jahr 1870 herum durchgesetzt und war ab 1880 in den Industriestaaten das anerkannte System geworden. Mit der Gründung der FED 1913 begann das Gold-Währungsregime allerdings langsam zu bröckeln. Die prozentuale Höhe der Golddeckung auf Währungen ging stetig zurück, bis 1971 durch den sogenannten „Nixon-Schock“ die Golddeckung für den US-Dollar und damit alle anderen Währungen komplett aufgehoben wurde.

    Damit galt das „Bretton-Woods“-System als gescheitert, das der Nachkriegswelt eine gewisse finanzpolitische Stabilität gegeben hatte. Die Folge: Frei floatende Wechselkurse bei den Währungen, mehrfache Finanz- und Währungskrisen in immer kürzeren Zeitabständen sowie Inflations-Erscheinungen. 

    Kann eine Welt mit goldgedeckten Währungen die großen wirtschaftlichen und währungspolitischen Probleme unserer Zeit lösen? Wäre es besser, wenn Euro, US-Dollar, Rubel oder der chinesische Yuan eine Entsprechung in Gold hätten? Sputnik hat zwei erfahrene Goldmarkt-Experten und Finanz-Analytiker zum Goldstandard befragt.

    Szenario A: „Gold-Standard würde fast alle Probleme lösen“

    „Ich glaube, grundsätzlich wären goldgebundene Währungen ein wirklicher Fortschritt und eine Wohltat für die Menschheit“, sagte Martin Siegel, Goldmarkt- und Finanz-Experte bei „Stabilitas Fonds“ in Nordrhein-Westfalen, im Sputnik-Interview.

    „Wir hatten bereits einen Goldstandard zwischen 1814 und 1914 in Europa. Wir hatten dabei null Prozent Inflation, also keine Geldentwertung.“ Er zog den Vergleich zur heutigen Zeit. „Also diese ein bis zwei Prozent, die jeder Rentner und jeder Sparer jedes Jahr an Kaufkraft verliert – all das findet beim Goldstandard nicht statt. Das ist diese kalte Enteignung, die gibt es dann nicht.“ Außerdem gebe es bei einer Goldbindung keine Staatsverschuldung. „Es müsste niemand Steuern zahlen, damit der Staat irgendwelchen Banken Zinsen zahlt. Eine Rückkehr zum Goldstandard wäre ein extremer Wohlstandsgewinn für die Menschheit.“

    Vieles würde sich dadurch im Finanzbereich ändern. „Es gäbe dann auch keine Staatsanleihen mehr“, betonte Siegel. „Die sind gar nicht nötig, die braucht dann keiner mehr. Das wäre ein erheblicher Fortschritt. Die Menschen könnten dann wieder tatsächlich wie in den 1960er und 1970er Jahren arbeiten. Ein Verdiener pro Familie würde völlig ausreichen.“

    Doch für eine kleine Berufsgruppe hätte das Szenario negative Folgen. „Wir hätten dann hunderttausende arbeitslose Zentral-Banker, die müssten sich alle neue Jobs suchen“, so der Finanz-Experte. „Die bräuchte man beim Goldstandard nicht mehr.“ Auch Investment-Banker, die vom aktuell billigen Geld profitieren, müssten sich ihm zufolge nach der Wiedereinführung einer Golddeckung beruflich neu orientieren.

    Szenario B: „Goldgedeckte Währungen wären Finanz-Katastrophe“

    Goldmarkt-Experte Philip Klinkmüller vom Investitions-Beratungsunternehmen „Hopf-Klinkmüller Capital Management“ in Stuttgart ist ein entschiedener Gegner des Goldstandards.

    „Wir halten die Idee, wieder in irgendeiner Weise zu einem Goldstandard zurückzukehren, so ziemlich für den größten Wahnsinn, den wir uns ausdenken könnten“, erläuterte der Finanz-Experte im Sputnik-Interview. Dafür gebe es einen einfachen Grund: „Wenn wir uns die geopolitischen Entwicklungen rund um die Erdöl-Förderung betrachten, dann muss jedem absolut klar sein, dass das keine gute Idee sein kann, wenn wir unsere gesamten Währungs-Thematiken von einem Gut (Gold, Anm. d. Red.) abhängig machen, das gedeckelt, also begrenzt, ist. Die Situation ist glasklar: Das würde in einem Ressourcen-Krieg enden, den sich keiner ausmalen möchte.“ Aktuelle Vorboten dessen könnten in Krisengebieten im Nahen Osten und in Südamerika beobachtet werden.

    Finanz-Analytiker Klinkmüller hält den Vorschlag „Lasst uns alle wieder abhängig vom Gold sein“ für eine äußerst schlechte Idee. „Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, sehen wir auch, wie das geendet ist.“ Er nannte die „Spanische Armada, die den Globus einst auf der Suche nach dem Gold umsegelt hat und was das für Auswirkungen hatte auf die Länder, wo man es gefunden hat.“ Damit bezog er sich auf die Ausplünderungen fremder Territorien durch die damaligen Europäer wie im heutigen Lateinamerika, denen letztlich Millionen Menschen zum Opfer fielen. Unter den post-kolonialen wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen dieser Umstände leiden viele Länder bis heute.

    Fakt ist momentan, dass noch keine politische oder rechtliche Entscheidung für oder gegen den Goldstandard gefallen ist. Wenn es jedoch nach der Vorstellung von Trumps neuer „FED-Frau“ Shelton geht, wird wohl eher Szenario A eintreten. „In einem neuen, auf Gold basierenden internationalen Währungssystem werden die USA sich einen festen Platz in den globalen Währungsangelegenheiten sichern“, kündigte sie bereits im Herbst 2018 an.

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Martin Siegel („Stabilitas Fonds“) zum Nachhören:

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Philip Klinkmüller („Hopf-Klinkmüller“) zum Nachhören:

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    Tags:
    Währung, Gold, USA