20:43 14 November 2019
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    Bau der Pipeline Nord Stream 2

    Dänemark vs. Nord Stream 2: Experten analysieren Risiken und wahrscheinlichstes Startdatum

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    Wirtschaft
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    In dem Streit um das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 hat ein kleines Land plötzlich ungewöhnlich große Aufmerksamkeit – Dänemark. Das Land könnte durch die dauerhafte Verweigerung einer Genehmigung das Projekt erheblich verlangsamen. Russische Experten haben sich nun zum möglichen Datum für die Inbetriebnahme der Pipeline geäußert.

    Obwohl Dänemark bislang keine Genehmigung für Nord Stream 2 erteilt hat und damit weiter zögert, kann der Plan, die Pipeline vor Ende 2019 in Betrieb zu nehmen, rein technisch dennoch umgesetzt werden, so die Einschätzung gleich mehrerer Experten gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

    Zugleich betonen sie auch – unter den zurzeit gegebenen Umständen sei es kaum möglich, alle möglichen Entwicklungsszenarien zu berücksichtigen.

    So habe im Juli Wiktor Subkow, Vorstandsvorsitzender von Gazprom, eigentlich mitgeteilt, dass der Konzern damit rechne, im Oktober endlich die Genehmigung von Dänemark zu erhalten. Das würde reichen, um bis Ende des Jahres noch fertig zu werden.

    Das US-Blatt „Financial Times“ dagegen berichtete in einer kürzlichen Ausgabe, dass bereits der August ein „kritischer“ Monat für das Projekt werden könnte, wenn die Pipeline noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen soll.

    Experten kommen zu verschiedenen Einschätzungen

    Sergej Kapitonow, Energie-Experte im Moskauer Forschungszentrum Skolkovo, betont in diesem Zusammenhang, dass eine Berechnung der Bau-Geschwindigkeit in der Tat schwierig sei und zu verschiedenen Ergebnissen führen könne.

    „Die Verlegung der Pipeline wird mit einer Geschwindigkeit von bis zu drei Kilometern pro Tag geführt. Daher wird das Unternehmen ein bis zwei Monate benötigen, um den dänischen Abschnitt fertigzustellen, und einige Wochen, die für die Inbetriebnahme erforderlich sind“, errechnet der Experte.

    Zugleich betont er: Im Herbst sei die Verlegung deutlich langsamer, da Stürme die Arbeit behindern würden.

    Es sei daher im Moment einfach noch zu früh, „einen bestimmten Monat als Deadline festzulegen“. Generell habe die Nord Stream 2 AG derzeit durchaus noch Zeit, aber man könne eben nicht alle Unsicherheitsfaktoren einberechnen.

    Auch der Experte für natürliche Ressourcen und Rohstoffe bei Fitch, Dmitri Marintschenko, betont, dass Unternehmen oft ihre Fristen für die Abgabe großer Projekte normalerweise mit einem Sicherheitsabstand angeben, dennoch sei es „schwierig, absolut alle Nuancen vorherzusagen“.

    Er zeigt sich dabei eher pessimistischer und erklärt, dass „das Risiko einer zeitlichen Verschiebung der Einführung der Rohrleitung in den kommerziellen Betrieb bis 2020 angesichts der fehlenden Genehmigung durch Dänemark bereits beträchtlich ist“.

    „Es ist natürlich zu erwarten, dass sich die politisierte Position Dänemarks ändert, wenn Fortschritte in einem anderen, gleichermaßen politisierten Bereich erzielt werden – wie etwa einer Einigung über den ukrainischen Transit, der in den Augen vieler europäischer Politiker eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung des Nord Stream-2-Projekts ist“, so Kapitonow.

    Maria Belowa, Forschungsdirektorin bei Vygon Consulting, betont dagegen, dass Gazprom die Frist einhalten könne, wenn Dänemark die Route im Oktober genehmigt, aber mit einer Bedingung: Die beteiligten Verlegeschiffe müssen komplett zur Verfügung stehen.

    „Wenn der Pipelayer (das Verlegeschiff – Anm. d. Red.) von niemandem weiter gebucht wird, wird es nicht schwierig sein, die Arbeiten bis Ende des Jahres abzuschließen, sofern Dänemark im Oktober die Genehmigung erteilt. Vielleicht wird der August aber als kritischer Termin genau im Zusammenhang mit den zukünftigen Buchungsplänen von Pioneer Spirit (Schiff) genannt“, so die Expertin.

    Demnach könnten also auch Ansprüche anderer Akteure auf das einzigartige Verlegeschiff ihren Einfluss auf das Datum der Fertigstellung von Nord Stream 2 haben.

    ng/mt

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    Skolkovo, Rohrlegeschiff Pioneering Spirit, Deutschland, Russland, Dänemark, Pipeline-Projekt Nord Stream 2, Nord Stream 2 AG, Nord Stream AG, Nord Stream 2, Nord Stream