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05:17 14 Oktober 2019
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    Yuan- und Dollar-Banknoten (Archiv)

    Neue Eskalationsstufe: Straft China Trump mit US-Anleihen-Ausverkauf ab?

    © REUTERS / Jason Lee
    Wirtschaft
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    Die Chinesische Volksbank (Notenbank) hat den Yuan-Kurs auf den niedrigsten Wert seit elf Jahren gesenkt, um den von US-Präsident Donald Trump verhängten Zöllen entgegenzusteuern.

    Beobachtern zufolge wird beim größten ausländischen Geldgeber der US-Regierung bald die Geduld platzen und schweres Geschütz aufgefahren: die Chinesen werden mit dem Ausverkauf der US-Staatsanleihen beginnen. Ob Peking tatsächlich zu extremen Maßnahmen im Handelskrieg bereit ist – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Rekord-Abwertung

    Peking reagierte auf die neuen zehnprozentigen Zölle mit einem Währungs-Angriff, wobei der Yuan-Kurs am 6. August auf sieben Yuan pro Dollar herabgesetzt wurde. Damit will Peking die negative Wirkung der US-Maßnahmen kompensieren, um weiterhin chinesische Waren auf dem US-Markt absetzen zu können.

    Im US-Finanzministerium hieß es bereits – der billiger werdende Yuan bedeute eine massive Eskalation des Handelskriegs. China werte absichtlich seine Nationalwährung ab, um sich Vorteile zu verschaffen. Trump warf Peking Währungsmanipulationen vor. Derweil wurde der Yuan zunehmend billiger.

    Allerdings  wird das den Chinesen auch nichts Gutes bringen – nur einen starken Rückgang der Kaufkraft und eine Verlangsamung der Inland-Nachfrage. Peking gab zu – der Yuan sei im Handelskrieg betroffen, doch die Vorwürfe der Währungsmanipulationen wurden abgelehnt. Die chinesische Zentralbank hob hervor, dass sie nicht zur Abwertung der Nationalwährung greifen werde.

    Inzwischen prognostiziert die französische Bank Société Générale, dass der Kurs auf 7,7 Yuan sinken werde. Laut Bankanalysten würde es dazu kommen, wenn Trump seine Drohung umsetzt und die Zölle von zehn auf 25 Prozent erhöht.

    Trumpf

    Während Beobachter rätseln, wie weit das alles gehen wird, entstehen auch andere Befürchtungen. Der größte ausländische Kreditgeber der US-Wirtschaft – China -  könnte seine wichtigste Waffe einsetzen – den Ausverkauf der US-Staatsanleihen.

    Dieses Szenario wurde bislang als unrealistisch betrachtet, wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg schreibt, weil es bei einem chinesischen US-Anleihenbestand im Wert von 1,11 Bio. Dollar nicht einfach ist, Alternativen für Investitionen zu finden. Doch die starke Abwertung der chinesischen Währung weist deutlich darauf hin, dass solche Variante nicht ausgeschlossen ist.

    „China verfügt über ein umfassendes Arsenal von Mitteln. Außerdem ist Pekings Vorgehen längerfristig angelegt als bei US-Präsident Donald Trump“, meint der Professor der Yale University und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley Asia, Stephen Roach.

    Dem Experten zufolge können die Chinesen auch zu anderen Optionen greifen, unter anderem die Einlagen in Staatsanleihen abbauen.

    Dazu ist es bereits gekommen. Die Investitionen in US-Staatsschulden sind von den Höchstwerten von 1,3 Bio. im Jahr 2013 um 200 Mrd. Dollar auf 1,11 Bio. Dollar zurückgegangen.

    Wenn China plötzlich zu einem großangelegten Ausverkauf greift, werden die Folgen katastrophal sein. Der massive Ausverkauf der Treasuries würde ihren Wert beeinflussen, was Panik auf dem Anleihenmarkt und Rückgang des Dollar-Kurses auslösen wird. Doch es gibt auch eine andere Seite – die Abschwächung der US-Währung würde den chinesischen Export teurer machen. Zudem würde der Verkauf der US-Staatsanleihen die Möglichkeiten Pekings deutlich einschränken, den Yuan zu steuern – wenn der Handelskrieg endgültig außer Kontrolle gerät.

    Bis zum Ende

    Damit ist ein groß angelegter Ausverkauf der US-Staatsanleihen eher unwahrscheinlich – eine starke Abwertung dieser Treasuries würde mehr Schaden als Nutzen bringen.

    Eine andere Sache ist es, dass China einen strategischen Verkauf durchführen kann, mit dem die Gewinne erhöht und die Finanzmärkte stark unter Druck gesetzt werden könnten.

    2016 stießen die Chinesen Staatsanleihen im Wert von 188 Mrd. Dollar (fast 15 Prozent) ab, als der Yuan um sieben Prozent vor dem Hintergrund des Kapitalabflusses an Wert verlor. Später wurde ein Teil der US-Staatsschulden wieder gekauft, doch im vergangenen Jahr wurde wieder damit begonnen, US-Anleihen loszuwerden. Insgesamt wurde das Portfolio der US-Staatsanleihen um 13,8 Prozent verkleinert.

    Laut Beobachtern könnte China Staatsanleihen im Wert von bis zu 700 Mrd. Dollar verkaufen. Während kleinere Verkaufsmengen kaum eine Rolle spielen, würde ein starker Anstieg der Verkaufszahlen zur Panik auf dem Markt führen.

    „Große Verkaufsmengen der US-Staatsschulden würden bei professionellen Händlern den Verdacht wecken, dass auf dem Markt ein großer Verkäufer aufgetaucht sei, wahrscheinlich China“, meint Jasper Lo, Chef-Investitionsstratege von Eddid Securities and Futures. „Das würde schnell zu Besorgnissen über den Wert der Staatsanleihen und Aktiva in US-Dollar führen, wodurch Erschütterungen auf dem globalen Finanzmarkt ausgelöst werden.“

    Trump hat China derweil dazu aufgerufen, keine Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Doch im chinesischen Außenministerium hieß es, dass man bereit sei, den Handelskrieg bis zum Ende auszufechten, obwohl einige die Schutzmöglichkeiten Chinas unterbewerten.

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    Tags:
    Verkauf, Staatsanleihen, USA, China