21:57 14 Dezember 2019
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Abwertung ohne Anker: Trumps hochriskante Dollar-Strategie

    © AFP 2019 / ROBYN BECK
    Wirtschaft
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    Aus Sicht des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump mindert ein zu starker US-Dollar die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Dafür machte er erneut die US-Notenbank Federal Reserve verantwortlich. Trump hat laut Experten ausreichend Instrumente, um die Nationalwährung zu schwächen.

    Welche Maßnahmen der US-Präsident zur Abwertung des Dollars ergreifen kann, und wozu er das braucht – das lesen Sie in diesem Artikel.

    Zu teuer

    Bereits seit geraumer Zeit äußert Trump immer wieder seine Verärgerung über einen zu  teuren Dollar. Ihm zufolge behindert der zu hohe Dollarkurs den Export von US-Waren und Dienstleistungen und verschlechtert das Defizit des Handelsbilanz, das ein präzedenzloses Niveau von 621 Mrd. Dollar erreicht hat. Bei einem billigeren Dollar wäre es für ausländische Abnehmer vorteilhafter, US-Waren zu kaufen. Das würde die Produktion ankurbeln und das Handelsdefizit senken.

    „Ich brauche einen starken US-Dollar, der aber nützlich für das Land ist, und nicht so stark, dass wir keine Geschäfte mit anderen Ländern führen können“, sagte Trump im Frühjahr.

    Die Fed ist allerdings anderer Ansicht. Unter Berufung auf die Wiederherstellung der Wirtschaft und die Nichtnotwendigkeit monetärer Anreize hob die US-Notenbank allein im vergangenen Jahr viermal den Leitzins an. Anschließend übte Trump jedes Mal per Twitter scharfe Kritik an Fed-Chef Jerome Powell, wobei dieser beinahe zum Hauptfeind der US-Wirtschaft erklärt wurde.

    „Sie verstehen nichts“, schrieb er im Juni über die US-Währungshüter. „Der Euro und andere Währungen sind gegenüber dem US-Dollar abgewertet, was die USA in eine ungünstige Lage bringt. Der Fed-Zinssatz ist zu hoch.“

    Die Fed senkte im Juli endlich den Leitzins um 0,25 Prozent – erstmals seit zehn Jahren. Doch die anschließenden Kommentare des Fed-Chefs Powells enttäuschten die Investoren -  er sagte, dass keine weitere Lockerung der Geldpolitik geplant sei.

    Trump verschärfte derweil den Handelskrieg mit China – er warf Peking Währungsmanipulationen vor. Ihm zufolge spielt die Fed den Chinesen in die Hände und untergräbt die Konkurrenzfähigkeit der US-Unternehmen.

    „Man könnte wohl denken, dass ich als euer Präsident mich darüber freuen werde, dass unser Dollar sehr stark ist. Doch ich bin nicht froh!“, schrieb Trump auf Twitter. „Der hohe Fed-Leitzins hält den Dollar auf einem zu hohen Niveau im Vergleich zu anderen Ländern. Das bereitet große Schwierigkeiten, damit einzigartige Unternehmen wie Caterpillar, Boeing, John Deere, unsere Autokonzerne und andere Firmen unter für alle einheitlichen Bedingungen konkurrieren können.“

    Knopf drücken

    Experten zufolge könnte Trump die Währungsinterventionen und den Einsatz verschiedener Instrumente zur Dollar-Abschwächung, darunter extreme Maßnahmen, fordern, falls er und die Fed keinen Konsens finden.

    Analysten der niederländischen Finanzgruppe ING beschrieben einige mögliche Szenarien, darunter eine direkte Währungsintervention, die den Dollarverkauf aus dem Exchange Stabilisation Fund (ESF) und den Ankauf der führenden Weltwährungen wie Euro und Yen vorsieht. Allerdings bestehe das Problem in der Größe dieses Fonds – es seien nur 22 Mrd. Dollar, so Strategen. Der Effekt könne sich als zu minimal erweisen. Jede größere Intervention werde die Billigung durch den Kongress erfordern.

    Auf der anderen Seite hat der US-Präsident den so genannten „Atom-Knopf“, dank dem  er auch ohne die Billigung durch den Kongress auskommen kann. Trump kann Währungsintervention durch einen außerordentlichen Bedarf erklären und die Fed zum Verkauf des Dollars zwingen.

    Eine solche Lösung ist zwar kaum wahrscheinlich, doch angesichts der Tatsache, dass Trump bereits den Ausnahmezustand zur Erhöhung der Zölle für chinesische Waren verhängte, kann selbst das nicht ausgeschlossen werden.

    Bei einem solch extremen Szenario könnte der US-Dollar stark an Wert verlieren, was eine Lawine von Problemen lostreten würde. Die erste Folge wird der massive Verlust des Vertrauens in die globale Reservewährung sein. Die Zentralbanken und andere Großinvestoren, die über US-Staatsanleihen im Wert von sechs Bio. Dollar verfügen, werden mit dem Ausverkauf beginnen. Die Situation um die Staatsschulden und das Haushaltsdefizit wird sich erheblich verschärfen. Darauf wird eine großangelegte Rezession folgen.

    Auch Trumps Vorgehen selbst untergräbt das Vertrauen der größten Treasuries-Besitzer. In diesem Jahr sank der Anteil der Ausländer auf dem Markt der US-Anleihen auf 40 Prozent – der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Der größte Geldgeber der USA - China - stößt die Treasuries wegen des Handelskriegs ab. Japan verringerte seinen US-Anleihebestand auf den niedrigsten Stand seit 2000.

    Dass Trump die Abwertung des Dollars beschließen könnte – davor warnte eine der größten Finanzinstitutionen des Landes – die Bank of America.

    Sobald der Treasury eine entsprechende Verordnung erlässt, wird die Fed mit Währungsinterventionen beginnen – den Dollar verkaufen und ausländische Währungen kaufen, so Analysten. Das würde unvermeidlich den Dollar schwächen, der jetzt zu etwa 13 Prozent überbewertet sei.

    Nach Angaben der Bank of America werden die Währungsinterventionen von Trump mit der Stabilisierung der Wirtschaft erklärt. Doch langfristig geht eine solche Strategie nicht auf – die Anleihen werden teurer und der Status des Dollars als globale Reservewährung wird infrage gestellt.

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    Tags:
    Abwertung, Dollar, Donald Trump, US-Notenbank FED, USA