15:30 07 Dezember 2019
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    LNG-Tanker (Symbolbild)

    Nord Stream 2 und LNG: Russland übertrumpft USA im Kampf um EU-Energiemarkt

    © AP Photo / Koji Sasahara
    Wirtschaft
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    Das Ringen um Europas Energie – Alles Wichtige zu Nord Stream 2 (61)
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    Die Rollen im europäischen Energiepoker scheinen auf den ersten Blick klar verteilt zu sein: Russland versucht mit dem Pipelineprojekt Nord Stream 2, Marktanteile zu erobern, Washington drängt indes mit seinem LNG-Gas in die EU. Doch diese Sichtweise ist verkürzt – auch bei Flüssiggas scheint Moskau die amerikanischen Konkurrenten zu übertrumpfen.

    Das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 kommt immer weiter voran. Am Montag erst wurden zwei wichtige Teiltrassen miteinander verbunden. Nun scheint der weitere Fortschritt des Projekts davon abzuhängen, ob und wann Dänemark die notwendigen Genehmigungen erteilt, damit die Pipeline fertiggestellt werden kann.

    Zugleich drohen aber die Vereinigten Staaten immer wieder mit Sanktionen gegen das Projekt, um die Pipeline zu verhindern. Ihre Motivation ist klar. Sie selbst sind erst vor kurzem durch die Ausweitung des umstrittenen Fracking-Verfahrens vom Nettoimporteur zum Exporteur von Gas aufgestiegen.

    Dieses wollen sie nun in Flüssigform intensiv nach Europa verkaufen.

    Hierzu setzten sie auch die europäische Politik unter Druck und rangen im Juli 2018 dem damaligen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker eine „strategische Kooperation“ im Energiesektor ab, die im Prinzip auf eine konkrete Grundidee hinauslief: Die EU verpflichtete sich, mehr US-LNG-Gas abzunehmen.

    Doch wie nun das deutsche Wirtschaftsmagazin „Handelsblatt“ in diesem Zusammenhang schreibt, sei auch hier eine Dominanz der USA nicht zu erwarten.

    Im Gegenteil:

    „Russland dominiert zunehmend den Flüssiggas-Markt – vor den USA“, titelt unmissverständlich hierzu das Blatt.

    So hätten die USA in der Tat ihre LNG-Lieferungen 2019 gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich ausgebaut und fast fünfmal so viel LNG an die EU verkauft wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum – damit stehe Wahsington nun an dritter Stelle von Gasexporteuren in die EU.

    Ein großes „Aber”

    Doch es gebe ein „aber“.

    Auch Russland habe seine Aktivitäten auf dem Gebiet von Flüssiggas massiv ausgebaut. Mehr noch: Russland habe sich in dieser Branche auf Platz zwei aufgeschwungen und stehe damit noch vor den USA.

    Nur Katar würde noch mehr LNG-Gas in die EU exportieren.

    Dass Russland auch in diesem Bereich die Amerikaner übertrumpfe, sei dabei das Ergebnis einer konsequenten Strategie. Erst im vergangenen Dezember habe das russische Erdgas- und Erdöl-Unternehmen Novatek auf der Halbinsel Jamal sein LNG-Projekt „Jamal SPG“ in Vollbetrieb genommen – allein seine Kapazität liege bei 16,5 Millionen Tonnen pro Jahr.

    Hierzu zitiert das Fachblatt den Kanzleichef der russischen Regierung, Sergej Prichodko, mit den Worten:

    „Bei den LNG-Lieferungen in die EU gehört Russland ebenfalls zu den Leadern und nimmt nach Katar den zweiten Platz ein.“

    Ein weiterer Vorteil Russlands sei, dass sein LNG-Gas auch billiger sei als das amerikanische.

    Um den Vorsprung vor den Amerikanern weiter auszubauen, werde Russland zudem bis 2030 mit weiteren milliardenschweren Projekten die LNG-Produktion auf 65 bis 70 Millionen Tonnen steigern.

    Pipelines immer noch das Rückgrat der Gasversorgung

    Unabhängig von den Erfolgen im Bereich Flüssiggas, blieben aber Pipelines immer noch das Rückgrat der Gasversorgung Europas. So mache Pipeline-Gas weiterhin mehr als die Hälfte des Gasimports in der EU aus.

    „Auch Gazprom muss nicht um seine Marktanteile fürchten“, schreibt hierzu das Blatt.

    Zudem baue Russland bereits an der nächsten Leitung. Das 2014 gescheiterte Projekt South Stream werde mit dem Umweg über die Türkei wiederbelebt.

    Hierzu solle das Ersatzprojekt Turkish Stream erweitert und dann nach Südeuropa in Richtung Italien und Mitteleuropa in Richtung Österreich verlängert werden.

    „Damit dürfte Russland seinen Marktanteil in den nächsten Jahren weiter ausbauen“, schlussfolgert das „Handelsblatt“.

    ng/mt

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