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    Produktion der Goldbarren (Archiv)

    Angst vor Preis-Hoch und EU – Plant Merkel-Regierung „Schlag“ gegen Gold?

    © AFP 2019 / INDRANIL MUKHERJEE
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Um Vorgaben der Europäischen Union (EU) umzusetzen, plant die Bundesregierung ein neues Geldwäsche-Gesetz. Danach müssten ab 2020 Käufer von Gold unter bestimmten Umständen ihre Identität in einem „Transparenzregister“ offenlegen. „Will man so Gold-Anleger abschrecken?“, kritisiert der Münchner Gold-Experte Dimitri Speck im Sputnik-Interview.

    Goldmarkt-Experte Dimitri Speck aus München empfiehlt gegenüber Sputnik Interessenten, Anlegern und Investoren, die in Gold investieren wollen, das Edelmetall „relativ bald zu kaufen“. Zuallererst aufgrund des weiteren Preisanstiegs, der zu erwarten sei. „Aber auch, weil die Bundesregierung im Bundeskabinett kürzlich eine Gesetzesvorlage beschlossen hat, der zufolge Goldkäufe bald nur noch bis 2.000 Euro anonym möglich sein sollen. Angeblich unter dem Vorwand der Geldwäschebekämpfung.“ Diesen genannten Grund bezweifle der Gold-Fachmann allerdings recht stark als tatsächlichen Hintergrund.

    „Dieser Grund ist ganz klar vorgeschoben, auch der angebliche Grund der Terrorismusbekämpfung. Das ist komplett absurd. Anscheinend geht es hier um eine Überwachung (der Gold-Anleger, Anm. d. Red.). Oder darum, Gold-Käufer abzuschrecken oder zukünftige Steuern und Enteignungen in dem Bereich zu ermöglichen. Das droht tatsächlich. Das Gesetz ist in den Parlamenten noch nicht beschlossen. Aber es droht, dass der anonyme Goldkauf eben beschränkt werden soll. Das wäre dann ab Januar 2020 der Fall, falls das Gesetz durchgeht. Also: Jetzt noch, möglichst bald, in physisches Gold und physisches Silber investieren.“

    Neues Geldwäsche-Gesetz nach EU-Richtlinie

    Der Gesetzentwurf der Bundesregierung, auf den sich der Gold-Insider bezieht, nennt sich sperrig „Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie“. Mit dem geplanten Gesetz wolle die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die „EU-Richtlinie 2018/843 des Europäischen Parlaments zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung (…) in den Mitgliedsstaaten bis zum 10. Januar 2020 umsetzen“.

    Darin heißt es: Sogenannte „Risikomanagementpflichten bestehen daher beim Handel mit Edelmetallen wie Gold, Silber und Platin bei Transaktionen im Wert von mindestens 2.000 Euro. Für den Handel mit hochwertigen Gütern (…) wie (Edelsteine) und Nummer 3 (Schmuck und Uhren) gilt weiterhin der Schwellenwert in Höhe von 10.000 Euro. Im Bereich Edelmetallhandel ist ein starker Bargeldverkehr unterhalb des nach bisheriger Rechtslage geltenden Schwellenbetrages von 10.000  Euro zu beobachten.“

    Wie aus einer dazugehörigen Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums hervorgeht, würden „Kriminelle Geldwäsche nutzen, um aus schweren – oft organisierten – Straftaten erzielte Einnahmen vor dem Zugriff des Staates zu verstecken. Teilweise werden aus diesen Vermögen dann auch terroristische Straftaten finanziert.“ Wie im Immobilienbereich gebe es nach Erkenntnissen von Fachleuten auch beim Handel mit Edelmetallen wie Gold erhebliche Geldwäscherisiken.

    „Der Goldkauf wird in die Schmuddelecke gedrängt“

    Die Bundesregierung „verschärft auf Druck der EU auch die Regeln zur Geldwäscheprävention“, berichtete das „Handelsblatt“ dazu am Montag. „Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett Ende Juli beschlossen.“ Neben Immobilien würden dabei vor allem Edelmetall-Investments und die Verwahrung von Kryptowährungen im Fokus stehen. In den betroffenen Branchen falle die Reaktion auf den Gesetzentwurf „zum Teil verhalten aus“.

    „Der Goldkauf wird in die Schmuddelecke gedrängt“, zitierte die Wirtschaftszeitung Robert Hartmann, Vorstand beim Edelmetallhändler „Pro Aurum“, der wie viele andere Branchenvertreter das geplante Gesetz kritisiert.

    Auch die Freiburger Unternehmensgruppe „Haufe“ berichtet aktuell von einer „Verschärfung“ des bereits bestehenden Geldwäschegesetzes. Das auf juristische Fragen spezialisierte Online-Magazin „Legal Tribune“ ergänzt, die „Bundesregierung verschärft den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“. Mit dem neuen Gesetz solle mehr Transparenz geschaffen werden.

    Diese Argumentation ist für den Münchner Goldmarkt-Experten Speck absolut nicht nachvollziehbar. „Als würden Terroristen ihre Aktionen über den Goldhandel finanzieren“, kritisierte er bereits in früheren Interviews. „Die nutzen da ganz andere Kanäle.“ Die Frage sei, ob der sich im aktuellen Hoch befindliche Goldmarkt von Regierungsseite aus torpediert werden soll. Sollen damit Käufer und Investoren im Edelmetall-Sektor abgeschreckt werden?

    Experte zum Preis-Hoch beim Gold

    Martin Siegel, Goldmarkt- und Finanz-Experte bei „Stabilitas Fonds“ in Nordrhein-Westfalen, erklärt in einem aktuellen Sputnik-Interview, was die Gründe für das derzeitige Hoch beim Goldpreis auf den internationalen Märkten sind.  

    Weltweit „haben sich ganz große Finanzinteressen strategisch positioniert und ganz gezielt durch Gold-Käufe an den Terminmärkten den Preis nach oben gebracht“. Das habe einen Domino-Effekt auf den internationalen Goldmärkten ausgelöst. „Jetzt reagiert das größere Publikum. Die Fonds kommen, die Vermögensverwalter kommen, die Presse entdeckt das Thema. Ganz interessant ist auch, dass immer wieder behauptet wird, ein schwacher US-Dollar führe zu einem steigenden Goldpreis. Aber der Dollar war überhaupt nicht schwach in dem Zeitraum, in dem der Goldpreis diese wichtige Chart-Linie von 1380 Dollar je Unze durchbrochen hatte. Der Anstieg beim Gold hat also ganz andere Gründe gehabt. Wenn wir allein sehen, dass wir eine Flucht aus den Geldmärkten in die Sachmärkte haben.“

    Damit bezog er sich beispielsweise auf die Tatsache, dass weltweit viele Zentralbanken ihre US-Staatsanleihen und US-Dollar abstoßen und dafür im Gegenzug Edelmetalle wie Gold oder Silber in großen Mengen einkaufen. „Der Silberpreis ist erst gar nicht mitgestiegen, jetzt zieht er wie immer parallel zum Goldpreis nach“, ergänzte der Finanz-Fachmann. „Die Gold-Minenaktien haben auch erst eher zögerlich reagiert, jetzt ziehen sie richtig mit. Das heißt: Die Aufwärtsbewegung beim Gold wird jetzt erst breiter. Es spricht nichts dagegen, dass der Goldpreis weiter steigt.“

    Mit diesen Worten bestätigte Gold- und Finanz-Experte Siegel die Analyse von Edelmetall-Kenner Speck. Dass das Gold auch bei einem starken Dollar gestiegen sei, „spricht für die eigene innere Stärke des Goldpreises“, so der Münchner Gold-Fachmann in einem früheren Sputnik-Interview.

    „Nächste Finanz-Krise wird Bundesregierung schlecht managen“

    Aus der Politik dringen nur vereinzelt kritische Stimmen zum neuen Gesetz an die Öffentlichkeit. So wirft nach Medienberichten etwa der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar der Bundesregierung vor, „sie schießt über das Ziel hinaus. Vor allem die Veröffentlichung des Transparenzregisters für Unternehmen ist völlig unverhältnismäßig.“ Auch der Wirtschaftsverband „Die Jungen Unternehmer“ kritisiere das Vorhaben. Das neue Gesetz würde Konkurrenten aus China und anderen Staaten „sensible Unternehmerdaten und Beteiligungsverhältnisse auf dem Silbertablett servieren“.

    Für Goldmarkt-Analytiker Speck zeige das geplante „Gold-Geldwäsche-Gesetz“, dass „unsere Regierungen mittlerweile komplett unfähig sind. Sie werden die nächste Finanz-Krise auch nicht gut meistern. Da braucht man sich keine Illusionen machen.“ Er wiederholte seine Empfehlung für Gold-Käufer: „Bitte jetzt noch in diesem Jahr in physisches Gold gehen. Dann kann man die Dinge gelassen abwarten, die dann kommen werden.“

    Das Radio-Interview mit dem Goldmarkt-Experten Dimitri Speck aus München zum Nachhören:

    Das Radio-Interview mit dem Finanz-Analytiker Martin Siegel („Stabilitas Fonds“) zum Nachhören:

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    Tags:
    Verkauf, Gold, Markt, Finanzen