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    Der US-Präsident Donald Trump (R) und der Energieminister Rick Perry besuchen die Shell-Ölraffinerie in Pennsylvania

    Leere Bohrlöcher: Wann gehen Amerikas Ölvorräte zur Neige?

    © REUTERS / JONATHAN ERNST
    Wirtschaft
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    Die Ölförderung in den USA werde Anfang September um 85.000 Barrel pro Tag zulegen, prognostiziert die Verwaltung für energetische Informationen (EIA). Vor allem sei der Zuwachs auf das Perm-Becken, das größte Schieferöl-Vorkommen im Land, zurückzuführen.

    Experten vermuten allerdings, dass die Amerikaner ihre „Schwarzgold“-Reserven binnen zehn Jahren verlieren könnten, wenn sie sie weiter so intensiv ausbeuten.

    Bis zum letzten Tropfen

    EIA-Experten erwarten, dass die USA im September 8,7 Millionen Barrel Öl pro Tag produzieren werden. Allein auf das Perm-Becken würden dann 75.000 Barrel pro Tag entfallen.

    Mit einem solchen Zuwachs rechnen die Ölproduzenten dank neuen Bohrlöchern, die bereits gebohrt, aber bisher nicht in Betrieb genommen wurden. Das kann man schließen, wenn man bedenkt, dass im Juli die Zahl der Bohrlöcher in den USA um etwa zehn Prozent zurückgegangen ist: von 1078 auf 969.

    „US-amerikanische Ölkonzerne reagieren ziemlich schnell auf Preissignale“, sagte Jekaterina Kolobkowa (Vygon Consulting) gegenüber RIA Novosti. „Der Rückgang der Ölpreise von Oktober 2018 bis Januar 2019 hat vermutlich die Unternehmen dazu stimuliert, mehr zu sparen, auch beim Pachten von Bohrlöchern.“

    Die Zahl der noch nicht in Betrieb genommenen Bohrlöcher reicht, um die Förderung schnell aufzustocken. Aber nach Einschätzung der Firma Baker Hughes, die sich in der Ölbranche engagiert, ist ihre Zahl im Juli von 8600 auf 8200 zurückgegangen.

    Einer der Faktoren, der den Ausbau der Ölförderung im Perm-Becken einschränkt, ist, dass das Pipelinesystem quasi überlastet ist. Im kommenden Jahr sollen neue Pipelines in Betrieb genommen werden, die zu Ölterminals an der Küste führen. Dadurch könnte der Ölexport wesentlich vergrößert werden, während die OPEC-Länder ihre Ölförderung enschränken, zeigen sich Analysten der Citi Group überzeugt.

    Es gibt aber auch Branchenkenner, unter anderem von der Bank of America, die zweifeln, dass die Schieferölunternehmen die neuen Kapazitäten bei der Ölbeförderung vollständig nutzen könnten.

    Vorräte anlegen

    Experten der Beratungsfirma Wood Mackenzie verweisen beispielsweise darauf, dass die Ölförderung im Perm-Becken langfristig fraglich sei: Dort werden nämlich die Wassermengen immer größer, die neben dem Öl aus dem Boden gepumpt werden. Das sei nämlich das erste Merkmal für ein allmählich zur Neige gehendes Ölfeld.

    Laut dem jüngsten Bericht BP Statistical Review beliefen sich die erschlossenen Ölvorräte in den USA in den vergangenen zwei Jahren auf 61,2 Milliarden Barrel. Zum Vergleich: In Russland beträgt diese Zahl 106,2 Milliarden, im Iran 155,6 Milliarden, in Saudi-Arabien 297,7 Milliarden, in Venezuela 303,3 Milliarden.

    Falls die Amerikaner ihre gesamten Ölvorräte auspumpen, würde das die globale Nachfrage (laut dem BP-Bericht 36,5 Milliarden Barrel) für zwei Jahre befriedigen. Aber für den eigenen Bedarf der USA (7,5 Milliarden Barrel pro Jahr) würde das nur für acht Jahre reichen.

    Dabei stocken die Amerikaner die Ölproduktion enorm schnell auf: um 16,6 Prozent allein im vorigen Jahr. Zum Vergleich: Russland baute seine Ölproduktion um 1,6 Prozent, Saudi-Arabien um 3,3 Prozent aus.

    Analysten von Goehring & Rozencwaig behaupten, dass die USA den Höhepunkt bei der Ölerschließung auf ihren drei wichtigsten Ölfeldern (zehn Millionen Barrel pro Tag) in acht Jahren erreichen werden – und dann sei ein intensiver Rückgang zu erwarten.

    Milliarden Dollar vergeudet

    Dabei wäre es notwendig, dass Investoren immer mehr Interesse für Schieferöl zeigen. Denn die Branche entwickelt sich vor allem deswegen, weil solche Ölgiganten wie Chevron und ExxonMobil Milliarden Dollar darin investieren. Vorerst tragen sie Verluste, aber den Investoren wurde quasi versprochen, dass sie nicht mehr lange auf Gewinne warten müssten.

    Allerdings gehen diese Versprechen immer noch nicht in Erfüllung. Laut Reuters ist der Gewinn von ExxonMobil im zweiten Vierteljahr um 21 Prozent im Jahresvergleich geschrumpft, und der Reingewinn ist auf 0,73 Dollar pro Aktie (3,13 Milliarden Dollar) gesunken. Dabei hatte diese Zahl im zweiten Vierteljahr 2018 bei 0,92 Dollar pro Aktie (3,95 Milliarden Dollar) gelegen.

    In den vergangenen zehn Jahren haben die 40 größten Schieferölunternehmen in diverse Projekte 200 Milliarden Dollar mehr gesteckt als gewonnen. Investoren weigern sich allmählich, die Branche zu finanzieren: Im vergangenen Jahr bekam sie 50 Prozent weniger Investitionen als 2017.

    „Die Branche hat in den letzten zehn Jahren das Vertrauen der Investoren völlig verloren“, meint Lee Tillman, Generaldirektor des viertgrößten Öl- und Gasunternehmens in den USA, Marathon Oil.

    Viele Investoren stoßen ihre Schieferöl-Aktiva ab. Die australische Firma BHP Billiton hat die 20 Milliarden Dollar schweren Investitionen in die Schieferölförderung in den USA „einen großen Fehler“ genannt und den Ausverkauf dieser Aktiva verkündet.

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    Tags:
    Schieferöl, Ölvorräte, USA