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08:48 21 September 2019
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    Index von Dow Jones bei der New Yorker Börse

    Dow-Jones-Absturz: „Berlin und London erwartet im nächsten Quartal fast sicher eine Rezession“

    © REUTERS / BRENDAN MCDERMID
    Wirtschaft
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    Der Fondsmarkt in den USA hat wegen Befürchtungen einer Rezession in der US-Wirtschaft und schwacher Wirtschaftszahlen aus Deutschland und China einen neuen Negativrekord erreicht. Sputnik hat mit Experten darüber gesprochen.

    Am Mittwoch war die Einträglichkeit der zweijährigen US-Staatsanleihen erstmals seit 2007 höher als die Einträglichkeit der auf zehn Jahre angelegten Treasuries. Eine solche Situation, bekannt als Inversion der Zinskurve, gilt als Signal einer baldigen Rezession im Land – sie ging den vergangenen fünf Wirtschaftsflauten in den USA voraus.

    Yannis Koursomitis, politischer und wirtschaftlicher Kolumnist aus Belgien:

    „Die Märkte sind derzeit tatsächlich in Aufruhr. Deutschland und Großbritannien werden im nächsten Quartal fast sicher eine Rezession erleben. Die Inversion der Zinskurve der US-Staatsanleihen ist ein auffallender Beweis dafür, dass auch die USA im kommenden Jahr ihrem Beispiel folgen können. Auch die Daten aus China bringen nichts Positives, wo die industrielle Produktion ihren Tiefpunkt seit vielen Jahren erreichte. Anscheinend schoss sich die Trump-Administration bei ihrem Handelskrieg gegen China ins eigene Knie. Die geopolitischen Risiken (Iran, Hongkong, Brexit) belasten das Wirtschaftsklima zusätzlich.“

    Michael R. Englund, führender Wirtschaftsexperte von Action Economics:

    „Die Märkte schwanken seit langem zwischen „mit Risiko“ und „ohne Risiko“, diese Schwankungen haben wenig mit der Wirtschaftsaktivität und den Aussichten gemein. Generell wuchsen die US-Indexe wegen dieser Expansion stark, besonders in den vergangenen drei Jahren, trotz des jüngsten Rückgangs. Fast alle Studien zum Verbrauchervertrauen in den USA zeigen fast rekordhohe Zahlen, trotz der vorherigen historischen Höchstwerte bei einigen Kennzahlen Ende 2018. Der Markt ist konfus wegen der Ereignisse in Hongkong, des Brexits und des Handelskriegs, doch die makroökonomischen Daten der USA zeigen weiterhin ein stabiles Wachstum. Die wöchentlichen und monatlichen Kennzahlen des Arbeitsmarktes zeigen, dass der Arbeitsmarkt angesichts der Entstehung neuer Arbeitsplätze weiterhin enger wird.

    Der Aufstieg erwies sich als anhaltend, die Dauer kann auf eine Rezession im kommenden Jahr beziehungsweise in einigen Jahren hinweisen. Doch ich würde die täglichen Schwankungen des Fondsmarktes nicht als Erkenntnis bezüglich der Fristen berücksichtigen.“

    Dr. Thorsten Polleit, Chefwirtschaftsexperte von Degussa und makroökonomischer Berater von P&R Real Value:

    „Meines Erachtens sind die Besorgnisse über eine globale Rezession eher übertrieben. Die Investoren waren anscheinend von den Nachrichten über die letzte Inversion der Zinskurve in den USA erschrocken – die Spanne zwischen den zehnjährigen und zweijährigen Staatsanleihen entwickelte sich negativ. Zumindest in der Vergangenheit ging eine solche Entwicklung oft einer Rezession voraus.

    Doch diesmal kann aus zwei Gründen alles anders sein. Erstens ist die Einträglichkeit der Staatsanleihen im Ganzen durch die Markteinmischung der Zentralbanken stark verzerrt. Im Ergebnis mussten die Bewegungen der Zinskurve jede prognostizierende Fähigkeit verlieren.

    Zweitens ist die Geldpolitik immer mehr von der Idee besessen, die Zinssätze in die negative Richtung zu bewegen, und der langfristige Markt der US-Staatsanleihen reagiert wohl auf den bevorstehenden neuen Modus der Geld- und Kreditpolitik.

    Allerdings kann man eines sicher sagen: Die Zentralbanken wollen die Kaufkraft der Währungen senken, wobei die negative Einträglichkeit im realen Ausdruck im kommenden Jahr gemacht wird. Damit wollen sie anscheinend die Schuldenlast der Wirtschaften reduzieren, wobei die Finanzhilfen für Regierungen und Banken, die Schwierigkeiten haben, bereitgestellt wird, und der Öffentlichkeit gesagt wird, dass eine solche Politik für die Wirtschaft nützlich sein wird.“

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    Tags:
    Staatsanleihen, US-Staatsanleihen, Rezession, USA, Dow Jones