18:41 22 November 2019
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    Öl-Tankwagen in Russland (Archiv)

    Milliarden-Profit: Russland macht Kasse dank US-Sanktionen

    © Sputnik / Witalij Ankow
    Wirtschaft
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    Die US-Sanktionen gegen den Iran und Venezuela haben zu einem akuten Engpass bei schweren Ölsorten geführt, der nun durch Russland behoben wird. Doch angesichts der stark gestiegenen Nachfrage reicht der Rohstoff nicht für alle.

    Sowohl amerikanische als auch europäische Raffinerien stehen nun Schlange. Analysten haben derweil berechnet, dass die russischen Ölunternehmen dank dem Wunsch Washingtons, alle Fragen mittels Sanktionen zu regeln, bereits einen Profit in Höhe von einer Milliarde Dollar gemacht haben.

    Nicht sich selbst schaden

    Im Mai des vergangenen Jahres stiegen die USA einseitig aus dem Atomabkommen aus und verhängten erneut Sanktionen gegen den Iran, darunter sekundäre Sanktionen (gegen Länder, die mit Teheran handeln). Ihnen wurde verboten, iranisches Öl zu kaufen. Eine Ausnahme wurde für China, Indien, Italien, Griechenland, Japan, Südkorea, Taiwan und die Türkei gemacht – allerdings nur bis Mai 2019. Anschließend weigerten sich die USA, diese zu verlängern.

    Die Sanktionen gegen Venezuela gelten seit Januar 2019. Die Konten der größten Ölholding des Landes, PDVSA, wurden gesperrt. Zudem ist der Export und Reexport von Ölverdünnungsstoffen verboten.

    Im Ergebnis stieß der Markt auf einen akuten Mangel an schwerem, schwefelreichem Öl. Die Situation wurde dadurch erschwert, dass die OPEC-Länder wegen der Wiener Vereinbarungen zur Kürzung der Fördermengen die Lieferungen vor allem von schweren Ölsorten, die am billigsten sind, reduzierten.

    Zum wichtigsten Exporteur von schwefelreichem Öl avancierte Russland. Eine Alternative könnte Öl aus Saudi-Arabien sein, das in der chemischen Zusammensetzung ähnlich ist. Doch Riad erklärte bereits im Januar, dass es die Förderung wegen der Sanktionen gegen Venezuela nicht ausbauen werde.

    Rasanter Anstieg der Lieferungen

    Als erste reihten sich US-amerikanische Raffinerien in die Schlange für russisches Öl ein. Da der Import aus Venezuela von 550.000 auf 80.000 Barrel pro Tag abstürzte, drohte den Raffinerien am Golf von Mexiko und an der US-Küste, die auf die Verarbeitung des schweren Öls spezialisiert sind, die Einstellung des Betriebs. Betroffen waren alle wichtigsten Akteure – Citgo Petroleum, Valero Energy, Chevron.

    Bereits zum April stiegen die US-Käufe von russischem Öl auf Rekordhöhe. Nach Angaben von Caracas Capital Markets Russ Dallen lieferten 13 Tankschiffe aus Russland in der ersten Mai-Hälfte fast fünf Millionen Barrel Öl und Ölprodukte in die USA.

    Die US-Raffinerien wollen den Monatsverbrauch des russischen Öls um das Dreifache erhöhen. „In der letzten Zeit steigen die Lieferungen aus Russland steroidenhaft“, so Analysten.

    Auch europäische Raffinerien mussten dringend nach einem Ersatz für schwefelreiches Öl suchen. Wegen der US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela verlor der Markt fast 800.000 Barrel pro Tag.

    Nach Angaben von Refinitiv Eikon senkte Saudi-Arabien von Oktober bis März den Export von schwefelhaltigem Öl um fast 50 Prozent, der Irak um mehr als 40 Prozent. Weil der Zugang zu iranischem und venezolanischem Öl gesperrt war, kam es dazu, dass die europäischen Abnehmer sich fast um die russische Ölsorte Urals stritten, berichtet die Agentur Reuters.

    „Alle Raffinerien suchen nach Urals bzw. Analoga“, sagte der Vertreter eines europäischen Ölhändlers. Es liegt auf der Hand, dass das Öl nicht für alle reicht. Zudem sind alternative Lieferungen viel teurer als russische.

    Eine Milliarde für die Staatskasse

    Urals-Öl wird traditionell mit einem preislichen Nachlass gegenüber der Sorte Brent gehandelt. In den vergangenen fünf Jahren war ein Barrel russisches Rohöl durchschnittlich einen Dollar günstiger als die Kennzahlen im Mittelmeergebiet und 1,63 Dollar billiger als in Nordwesteuropa, so Analysten der Monitoringagentur S&P Global Platts.

    Die große Nachfrage und der verschärfte Wettbewerb um den russischen Rohstoff führten dazu, dass der Preisunterschied zwischen Urals und Brent bereits bis März um 30 Prozent sank – auf den geringsten Abstand seit 2013. Allein im März verdienten die russischen Ölunternehmen 140 Millionen Dollar mehr als im Oktober, vor der Einführung der US-Sanktionen gegen den Iran und Venezuela.

    Bereits zum August Urals erstmals teurer als Brent

    Laut Bloomberg bekamen russische Ölunternehmen von November 2018 bis Juli 2019 zusätzliche Einnahmen in Höhe von mindestens 905 Millionen Dollar. Diese Zahlen basieren auf Angaben von Terminals, Programmen zur Auslastung der russischen Häfen sowie Einschätzungen von S&P Global Platts.

    Analysten zufolge decken die zusätzlichen Einnahmen der russischen Ölfirmen die möglichen Verluste wegen Ölverschmutzung in der Pipeline Druschba. Der Mangel an schwefelreichem Öl wird wohl weiterhin den Urals-Preis sichern.

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    Tags:
    Förderung, Öl, Sanktionen, Russland, USA