18:15 22 November 2019
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    Blick auf Moskau-City (Archiv)

    Delegation der deutschen Reisefirmen in Moskau: Was macht die Stadt für MICE-Tourismus attraktiv?

    CC BY 2.0 / Deensel / Moscow-City
    Wirtschaft
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    In Moskau hat eine von der Assoziation des Europäischen Business (AEB) organisierte Geschäftstourismuskonferenz stattgefunden. Vertreter führender Unternehmen sind aus Deutschland gekommen, um sich mit den Möglichkeiten Moskaus für MICE-Tourismus vertraut zu machen. Für einige waren die Eindrücke unerwartet.

    Heute glaubt nur ein Außenseiter, dass gewöhnlicher Tourismus und Geschäftstourismus ein und dasselbe sind. In der Tat sind dies zwei parallele Welten, die sich praktisch nicht kreuzen. Der MICE-Tourismus (MICE-Meetings, Incentives, Konferenzen, Events) hat seinen Ursprung im Westen und entwickelte sich schnell zu einem der vielversprechendsten Wirtschaftszweige. In Russland hat sich die Branche erst vor relativ kurzer Zeit gebildet und entwickelt sich derzeit rasant.

    „Moskau ist in den letzten Jahren deutlich attraktiver geworden, die Regierung der Stadt hat viel getan, was während der FIFA-Weltmeisterschaft im letzten Jahr deutlich sichtbar war. Wir haben auch gesehen, dass die vereinfachte Einreisebestimmung gut funktioniert hat. Diese Erfahrung wird im Fernen Osten, in Kaliningrad genutzt und wird bald auch in St.- Petersburg angewendet. Moskau verbessert permanent seinen Ruf als Stadt, wo Großveranstaltungen stattfinden können“, betonte der AEB-Generaldirektor Frank Schauff.

    Große Unternehmen sparen heute nicht mehr an Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter und Partner. MICE-Tourismuszentren sind heute die USA, Großbritannien, Australien, Deutschland, Frankreich, Österreich und Spanien. Laut Armin Eberhard, dem Vorsitzenden des AEB-Tourismusausschusses, ist das Ziel der Konferenz, Moskau vorzustellen, weil das Potenzial der Stadt in Europa wenig bekannt ist: „Es ist ganz klar, der MICE-Markt ist heute in Europa, der größte Anteil ist in Deutschland – dort sitzt das Geschäft, was wir direkt nach Moskau holen.“

    Die Manager zeigten, was ihre Schwerpunkte sind, mit welchen Kunden sie arbeiten, wie sie nach neuer Destination für ihre Kunden suchen.

    Man gebe im Moment in Deutschland für Veranstaltungen, Meetings 68,8 Milliarden Euro aus, sagte Ivo Baumann, Journalist und Manager für Publikationen in „Incentive Congress Journal“. Das gesamte Thema Umweltschutz, Naturschutz werde immer wichtiger – man benutze nur CO2 freie Hotels. Politik sei auch hier jedoch unabdingbar.

    „Wenn wir über MICE-Tourismus sprechen, muss man auch über Politik reden. Weil wir in diesem Segment mit Menschen arbeiten müssen, brauchen wir politische Unterstützung. Das ist ein Skandal, dass ein Land wie Deutschland keinen Tourismusminister hat. Es kommen nie Themen des Tourismus zu Frau Merkel. Ich habe eine Vision, ich möchte, dass beim nächsten Treffen von Frau Merkel mit Herrn Putin über Tourismus gesprochen wird“, so Ivo Baumann.

    Auch Martin Wilfried Peterson, Generaldirektor von „Star Club Buderus“, meint, dass ein politischer Aspekt für positive Emotionen sehr wichtig sei. 

    „Die Deutschen sind nicht wahnsinnig informiert, aber sie lesen die Titel der Zeitungen und Nachrichten, denken über einen ungelösten ukrainischen Konflikt, über Manöver in der Ostsee, Atomunfälle von neuen Waffensystemen, Aufkündigung von INF-Vertrag – das  alles beschäftigt einen Deutschen, wenn er die Zeitung liest. Dann ist die Frage, werde ich mich politisch sicher fühlen? Das ist ein Grund, wo auch große Unternehmen entscheiden müssen, ob sie nach Kopenhagen, nach Barcelona, nach Berlin oder nach Moskau gehen.“

    Martin Wilfried Peterson leitet einen Kundenklub bei Bosch und macht weltweit Veranstaltungen. In Russland ist er zum ersten Mal in seinem Leben. Es sei erstaunlich, sagte er, weil alle seine Familienmitglieder in Russland bereits waren, die Kinder sogar mehrmals. Er erzählte eine kurze private Geschichte. Der Vater seiner Mutter hat ihm einen militärischen Orden hinterlassen „Winterfeldzug 1941-1942“. Diesen Orden hat er als deutscher Soldat erhalten. „Deutschland hat Russland überfallen, wir kennen alle die Tragödie. Da ist mir wieder bewusst geworden, wie verknüpft wir sind. Ich habe meinen Großvater nie kennengelernt, er  ist hier (in Russland) gestorben. Der Bruder meines Vaters ist auch hier gestorben. Das ist erst zwei Generation her, das ist noch gar nicht so lange her. Tourismus, unsere Aktivitäten, Völker zu verbinden, sind total wichtig“, so Peterson.

    „Ich bin beeindruckt von der Stadt, ich hatte keine wirkliche Vorstellung“, sagte er weiter. Sein Hobby ist, Kronkorken von Flaschen zu sammeln.

    „Ich sehe immer, wenn ein Kronkorken in der Stadt auf dem Boden liegt, weil ihn irgendeiner dahin geworfen hat. Ich habe einen persönlichen Kronkorken-Index für jede Stadt, die schmutzig oder sauber ist. Moskau hat einen Kronkorken-Index von Null, es ist total sauber. Wenn wir nach Deutschland gucken, in Berlin, Berlin ist sehr schmutzig im Vergleich zu Moskau.“

    Alle können erzählen, sie könnten alles. Die Wenigsten tun es. Allmählich wird die Form des Tourismus aktuell, mit der einst die Handelsreisen um die Welt begannen - ausschließlich zu geschäftlichen Zwecken.

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    Tags:
    Tourismus, Unternehmen, Russland, Deutschland