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20:50 20 Oktober 2019
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    Bye-Bye Europa? Warum der weltgrößte Ölfonds sein Geld in die USA umschichten will

    © AFP 2019 / Mark Wilson/Getty Images
    Wirtschaft
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    Die Manager des größten Staatsfonds der Welt, des Pensionsfonds Norwegens, wollen laut Reuters ihre Finanzmittel von Europa nach Nordamerika umschichten. Der auf die Überschüsse vom Erdölhandel angewiesene Fonds ist mit über einer Billion US-Dollar ausgestattet, verzeichnete kürzlich aber Verluste. Wovon mag diese Entwicklung zeugen?

    Die Entscheidung gab der staatliche Pensionsfonds Norwegen (Government Pension Fund Norway) am Dienstag gegenüber Reuters bekannt. Der Fonds, der zur Altersversorgung von etwa 5,3 Millionen Norwegern dient, soll den Managern zufolge Milliarden Anlagen von den europäischen Aktienmärkten verlagern und diese in die USA oder andere nordamerikanische Märkte investieren, um höhere Renditen zu erzielen. 

    Der Staatsfonds hat in der Vergangenheit zwar immer europäische Aktien bevorzugt, wobei der Schwerpunkt auf Ländern lag, mit denen Norwegen am meisten Geschäfte tätigt. Die norwegische Zentralbank, die den Fonds verwaltet, erklärte kürzlich jedoch, dass dies nicht mehr erforderlich sei. Man wolle in erster Linie, dass das Portfolio des Fonds den verfügbaren Anlagepool besser widerspiegele. Noch während der Schuldenkrise im Jahr 2012 hatte Norwegen 50 Prozent seiner Investments in Europa und 35 Prozent in Nordamerika gehalten. Nun entfallen nur noch rund 34 Prozent der Anteile auf europäische Aktienmärkte und bereits 43 Prozent auf die USA und 17 Prozent in Asien. 

    „Wir alle können sehen, dass sowohl die Rendite als auch das gemeinsame Risikomaß in Nordamerika in den letzten Jahren besser waren als im Rest der Welt“, so Egil Matsen, stellvertretender Zentralbank-Gouverneur, der für den Fonds verantwortlich ist. Wieviel Geld nun wirklich umgeschichtet werden soll, müssen noch das Finanzministerium sowie das Parlament Norwegens entscheiden. 

    Europa kein attraktiver Investitionsmarkt mehr?

    Bisher gilt der Fonds als der größte Aktieninhaber in der EU: Ende 2017 beherrschte er alleine rund zwei Prozent der gesamten EU-Börsenwerte. Im Jahre 2018 hatte der Fonds dabei erstmals seit acht Jahren einen Nettoverlust von über 56 Milliarden US-Dollar kassiert, vor allem bei den Aktienanlagen in Unternehmen. Sollte der Fonds nun seine Aktien weiter aus Europa zurückziehen, könnte das den Experten zufolge die prognostizierte Wirtschaftskrise in Europa nur ankurbeln.

    Die größten Fondsanlagen entfallen momentan auf die Staatspapiere der USA, Deutschlands und Japan, darauf folgen die US-Unternehmen Microsoft, Apple und Alphabet (Google). Insgesamt investiert der Fonds in etwa 9.000 Unternehmen weltweit.

    Als Hintergrund für den Umdenkungsprozess dient wohl eine Kombination von Krisenentwicklungen wie etwa die spätestens für 2015 prognostizierte Rezession und die Innovationsschwäche der EU. Außerdem hat sich der Aktienmarkt in den USA seit der Weltfinanzkrise deutlich vitaler gezeigt als der europäische. Während die US-Digitalwirtschaft wächst, sehen die deutschen Autobauer wohl einem Niedergang entgegen.

    So liegt Nordamerika beim Wirtschaftswachstum auch vor der EU. 2019 soll die US-Wirtschaft laut dem Internationalen Währungsfonds um 2,3 Prozent wachsen. Die EU-Wirtschaft hoffe dagegen 2019 auf 1,6 Prozent. Dazu kommt die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, in deren Rahmen Deutschlands Sparer laut der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank von 2010 bis 2019 etwa 648 Milliarden Euro verloren haben. Während die EU den Leitzins bei null hält, begann die US-Notenbank ihren Zins seit dem Jahr 2015 zu erhöhen, was die beginnende Konjunkturschwäche nun ausgleichen soll.

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    Tags:
    USA, Europäische Zentralbank (EZB), Apple, Microsoft, Erdöl, Öl