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06:53 16 Oktober 2019
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    Сheckpoint Dschankoj an der russisch-ukrainischen Grenze, Krim (Archiv)

    Jährliche Verluste der Ukraine durch Krim-Blockade beziffert: Auch deutsches Unternehmen „schuldig“?

    © Sputnik / Alexander Polegenko
    Wirtschaft
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    Die ukrainische Wirtschaft verliert laut deren Ex-Minister Wiktor Susslow durch die Blockade der Krim mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Jahr. Susslow bezeichnete die Blockade als einen Fehler, der die ukrainische Wirtschaft beeinträchtigt und Russland nur weitergebracht habe, auch durch den Bau von zwei Kraftwerken mit deutschen Turbinen.

    Der Wirtschaftswissenschaftler Susslow, der Ende der 90er auch Wirtschaftsminister der Ukraine war, sprach darüber am Dienstag im ukrainischen Fernsehen. Es dürften mehr als 300 Millionen US-Dollar durch die weggefallenen Strom- und mehr als 600 Millionen US-Dollar durch die weggefallenen Lebensmittellieferungen von den Bauern aus der Region Cherson und Mykolajiw pro Jahr ausgefallen sein, so Susslow. Jetzt seien diese „Marktanteile“ von den russischen Regionen Stawropol und Kuban übernommen worden.

    „Als die Stromleitungen in die Luft gesprengt worden waren, führte das zu großen Problemen, darunter im AKW Saporischschja, das die Krim mit Strom versorgte. Womit endete das? Die Deutschen halfen Russland, zwei Kraftwerke auf der Krim zu bauen“, sagte Susslow im Fernsehen.

    Der stellvertretende Vorsitzende des Krim-Parlaments Wladimir Bobkow hat der Einschätzung Susslows bereits zugestimmt. Bobkow findet es bezeichnend, dass solche Urteile in der Regel von ehemaligen Beamten ausgesprochen werden. „Diese Traditionen (Stromlieferungen - Anm. d. Red.) wurden von Kiew über Nacht unterbrochen, ohne dass eine Alternative zu den Lieferungen geboten wurde. Damit hat die Ukraine sich selbst geschadet“, sagte Bobkow gegenüber RIA Novosti. Die Krim werde sich an diesen Monat der Energie-Blockade erinnern. Deshalb möchte Bobkow, dass solche Äußerungen von Ex-Ministern nach und nach an die derzeitigen Minister weitergegeben werden. „Damit der gesunde Menschenverstand triumphiert“, so Bobkow.

    Als Strafe für das Referendum vom März 2014 hatte die Ukraine 2014 die Süßwasserversorgung der Krim über den Nordkrimkanal vollständig unterbrochen. Die lokalen Behörden mussten dringend Brunnen bohren, um die Siedlungen mit frischem Wasser zu versorgen. Die Versorgung der Krim mit Gütern und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Ukraine war darauf Ende Sommer 2015 gesperrt worden. Im November 2015 hatten die ukrainischen Extremisten in der Region Cherson dazu noch die Freileitungsmasten in die Luft gesprengt. Die ukrainischen Stromlieferungen waren der Krim damit vollständig entzogen worden.

    Im Mai 2016 löste Russland das Problem mit der Verlegung einer Unterwasserstromleitung durch die Straße von Kertsch. Zugleich begann man mit dem Bau zusätzlicher thermischer Gasturbinenkraftwerke auf der Krim. So war der neue Reaktorblock des Wärmekraftwerks Simferopol Ende 2018 schon völlig ausgelastet. Ihre eigene Stromversorgung bekam die Halbinsel im Herbst 2018.

    Was heißt das, die Deutschen halfen Russland mit Kraftwerken? 

    Im August 2016 führten die geplanten Wärmekraftwerke zu einem Skandal: Die Agentur Reuters berichtete unter Verweis auf eigene Quellen, dass die Lieferung einiger Siemens-Turbinen unter Umgehung bestehender europäischer Sanktionen für neue Energieanlagen auf der Krim geplant werde. Siemens verwies daraufhin auf das russische Ingenieurbüro Technopromexport (eine Tochtergesellschaft des Technologieunternehmens Rostec - Anm. d. Red.), die fertige Turbinen habe kaufen sollen und der deutschen Seite versichert habe, dass diese definitiv nicht auf die Krim geliefert würden.

    Im Juli 2017 berichtete Reuters erneut darüber, dass vier von Siemens hergestellte Gasturbinen trotzdem zum Bau von zwei Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von 940 MW auf die Krim geliefert worden seien. Das Ingenieurbüro Technopromexport bestand darauf, dass dies kein Verstoß sei, da die Turbinen auf dem Sekundärmarkt gekauft und letztendlich mit russischen Komponenten ausgestattet worden wären. Der Berichterstattung zufolge sollen die Anlagen von einem Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Silowyje maschiny (Hersteller von Energiemaschinen mit Sitz in Sankt Petersburg- Anm. d. Red.), Siemens Gas Turbine Technologies, hergestellt und anschließend in Rostec-Werken teilweise neu konstruiert worden sein.

    Schließlich versuchte der deutsche Konzern, vor einem Schiedsgericht in Moskau das Geschäft im Gesamtwert von 111,8 Millionen Euro für ungültig zu erklären. Das Schiedsgericht bewilligte jedoch keine Rückgabe der betroffenen Turbinen. Die EU verhängte daraufhin Sanktionen gegen Technopromexport.

    Der Unternehmenskonflikt wurde letztendlich ausgeräumt und die Turbinen wurden in den entsprechenden Kraftwerken  installiert. Nach Angaben des Konzerns fordert Siemens seitdem bei der Zusammenarbeit mit russischen Unternehmen eine Implementierung eines zusätzlichen Steuerungsmodus, um die Lieferung und Installation von Turbinen „an einem vereinbarten Ort“ steuern zu können.

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    Tags:
    Skandal, Siemens, Deutschland, Sanktionen, Russland, Krim, Ukraine