19:04 17 November 2019
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    Gold: Historisches Rekord-Hoch beim Edelmetall in Euro – Dazu raten jetzt Experten

    © AFP 2019 / OZAN KOSE
    Wirtschaft
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    Gold erreicht in den letzten Tagen historische Höchststände – zumindest wenn man das begehrte Edelmetall in Währungen wie dem Euro misst. Im Sputnik-Interview erklären zwei erfahrene Goldmarkt-Experten den Hintergrund und welche Rolle US-Dollar und Schweizer Franken dabei spielen. Außerdem nennen sie hilfreiche Tipps für Anleger.

    In den letzten Tagen hat Gold – nominell in Euro gemessen – ein historisches Hoch erreicht. „Der Goldpreis in Euro erreichte am Dienstag ein neues Allzeithoch“, meldete kürzlich ein Finanz-Portal für Privat-Anleger. „Auf den Kurstafeln wurden Kurse über 1.400 Euro festgestellt. Zuletzt notierte der Preis bei 1.404 Euro je Unze.“ Mögliche Entscheidungen der Zentralbanken und Zinssenkungen „aufgrund von Rezessionsängsten und Konjunkturproblemen“ ließen den Kurs des Edelmetalls nach oben schnellen.

    „Gold hat zwar nicht im US-Dollar, aber in den wichtigsten Währungen – darunter der Euro – mittlerweile historische Höchststände erreicht“, analysierte Martin Siegel, Goldmarkt-Experte bei „Stabilitas Fonds“ in Nordrhein-Westfalen, im Sputnik-Interview. „Das wird manchmal gar nicht so wahrgenommen.“ Diese Situation mache das begehrte Edelmetall „nicht grade billig“, die „Hausse“ sei ziemlich weit fortgeschritten.

    Warum der Euro schwach ist und das Gold stark

    Der Gold-Experte nannte folgenden Hintergrund: „Das liegt einfach an der schwächeren Kurs-Entwicklung des Euro gegenüber dem Dollar.“

    Üblicherweise heißt es in der Investment-Welt: Ein starker Dollar sei schlecht für den Gold-Kurs und ein schwacher Dollar stärke wiederum das Gold. „Man sieht jetzt – und ich argumentiere so seit Jahren – dass das Gold-Hoch nichts mit Währungsverschiebungen zu tun hat, sondern das liegt einfach an der schlechten Qualität der Zentralbanken.“ Die aufgeblähte weltweite Währungspolitik der Notenbanken hat die Weltwirtschaft in den letzten Jahrzehnten mit irrsinnigen Geldsummen geflutet – die allerdings ohne echten Gegenwert dastehen. Parallel dazu steigen jetzt eben die „sicheren Krisenhäfen“ wie Gold und Silber.

    „Das sind Gründe für den Gold-Anstieg“ – Experten

    „Die fundamentalen Kräfte, die positiv für den Goldpreis sind, sind unverändert gegeben“, erklärte der Münchner Autor und Goldmarkt-Experte Dimitri Speck gegenüber Sputnik.

    „Da ist erstens die völlige Überschuldung. Die damit einhergehende sehr niedrige Verzinsung, sogar negative Verzinsung, ist sehr positiv für den Goldpreis.“ Dieser Aufwärtstrend „dürfte anhalten, eben auch weil die Welt stark verschuldet ist. Zum Zweiten sind die Alternativen zum Gold wie Immobilien und Aktien sehr hoch bewertet und stellen für immer weniger Anleger eine Alternative dar, so dass ich beim Goldpreis mit einem jahrelangen Anstieg rechne.“ Auch eine kommende Rezession der Weltwirtschaft werde den Gold-Kurs beflügeln, glaubt der Finanz- und Edelmetall-Experte aus München.  

    „Psychologisch gesehen ist das immer gut, wenn ein Instrument – in dem Fall eben Gold – auf Allzeit-Hoch steht. Weil dann alle Anleger Gewinner sind. Es gibt dann keinen Anleger, der bereut, gekauft oder verkauft zu haben. Das unterstreicht noch einmal die aktuell gute Situation für das Gold. In fast allen Währungen steht Gold mittlerweile auf Allzeit-Hoch, ausgenommen der US-Dollar und die Schweizer Franken.“

    Die Goldmärkte sehen momentan „einen ganz klaren Aufwärtstrend, der breit angelegt ist“, ergänzte Gold-Fachmann Siegel.

    „Das heißt: Alle Edelmetalle befinden sich im Aufwärtstrend, vor allem die wichtigsten beiden - Gold und Silber. Auch die Goldminen-Aktien steigen mittlerweile schneller als der Goldpreis selbst. Also insgesamt eine sehr gesunde Aufwärtsbewegung. Natürlich gibt es in jedem Hoch auch mal einen Rückschlag. Aber insgesamt befinden wir uns in einem großen Aufwärtstrend.“ Auch Silber zog laut ihm „besonders in den letzten Tagen“ deutlich nach.

    Aktuelle Herausforderungen für Gold-Käufer

    Vor diesem Hintergrund erläuterte Edelmetallmarkt-Experte Siegel das aktuelle Dilemma für Anleger.

    „Was man natürlich sehen muss: Das ist die verzweifelte Situation der Anleger weltweit, überhaupt noch eine Anlageform zu finden, wo man Gewinne erwarten kann. Jetzt ist alles viel zu teuer. Es ist nicht einfach für Anleger, etwas zu finden, wo man noch (günstig einsteigen kann, Anm. d. Red.) und eine gute Rendite erwarten darf.“

    Neben dem Gold-Hoch „haben wir die Anleihe-Märkte auf historischen Höchstständen. Zu Minus-Zinsen werden dort Milliardensummen angelegt. Die Aktien befinden sich auf Rekord-Hoch, obwohl eine Rezession (ein wirtschaftlicher Rückgang, auch an der Börse, Anm. d. Red.) erwartet wird. Dennoch wird dort weiterhin Geld angelegt, weil es einfach keine Anlage-Alternativen gibt. Wir haben bei den Immobilien Allzeit-Hochs erreicht. In vielen Städten bringen die Immobilien auch keine vernünftigen Renditen mehr ein.“ Weichen dann Anleger auf andere Märkte wie dem Edelmetall aus, steige beispielsweise auch der Goldpreis. Das Ganze müsse im Zusammenhang gesehen werden.

    Gold-Zertifikate oder echtes Edelmetall?

    Gold-ETFs (Gold-Zertifikate auf Papier), die dem Halter sozusagen den Besitz von Gold „garantieren“ sollen, seien „so gefragt wie zuletzt 2013“. Das meldete Mitte der Woche das Finanzmedium „Wallstreet-Online“. „Das zeigen die Zuflüsse mit Gold hinterlegter ETFs (Exchange Traded Funds), die im August die Marke von 100 Tonnen überstiegen. Das ist der höchste Wert seit Februar 2013 und wohl auf die andauernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, schwächere Aktienmärkte und Anzeichen für eine lockerere Geldpolitik der Notenbanken zurückzuführen.“

    Goldmarkt-Insider Speck ist ein entschiedener Kritiker der papiernen Gold-Zertifikate (ETFs). „Ich empfehle Privat-Anlegern grundsätzlich den physischen Gold-Kauf in 1-Unzen-Standardmünzen“, betonte er im Sputnik-Gespräch. „Diese haben eine relativ geringe Spanne zwischen An- und Verkauf und lassen sich gut handeln. Aktuell können sie bis zu einem Wert von 10.000 Euro anonym erworben werden. Ich empfehle, physisches Gold außerhalb des Bankensystems zu erwerben.“

    Worauf Anleger jetzt achten sollten

    Auch Gold-Kenner Siegel sieht das so. „Ich würde Herrn Speck eindeutig zustimmen“, sagte er im Interview.

    „Wer in einer Krisensituation Gold haben möchte, für den gibt es einzig nur die Möglichkeit, direkt in physisches Gold anzulegen. Wenn ich ein ETF kaufe, stehe ich in der Gefahr, dass der Kontrahent (Geschäftspartner, Anm. d. Red.) dieses ETF im Krisenfall nicht in Gold umtauscht. Meistens gibt es dazu auch Hinweise im Kleingedruckten in den Geschäftsbedingungen. Aber: Ich kaufe ja grade das ETF für den Krisenfall und nicht dafür, dass ich in der Krise dieses Papier habe. Für mich ergeben diese ETFs nur bedingt einen Sinn.“

    Es sei „nicht sehr schwer, Gold physisch zu kaufen. Die An- und Verkaufspreise liegen sehr dicht zusammen. Wir sprechen hier von einer Spanne von vielleicht 25 bis 30 Euro bei Krügerrand im Wert von 1.500 Euro.“ Selbst kleinste Kursanstiege beim Edelmetall würden dafür sorgen, dass der Gold-Anleger die Gebühren für Kauf und Verkauf damit schon wieder reinholen könnte. „Die Lagerung des Goldes in einem Schließfach ist meist mit einer Jahresgebühr von maximal 50 Euro auch ganz gut bezahlbar. Tipp: Die Versicherung für das Schließfach nicht vergessen und alles gut für den Versicherungsfall dokumentieren.“   

    Anleger sollten „nicht zögern, jetzt Gold zu kaufen“, riet Speck. Der Münchner Goldmarkt-Experte hatte noch einen weiteren Tipp für Anleger parat: Silber ist für ihn „die Jahrhundert-Chance und eines der aussichtsreichsten Investments für die nächsten Jahre. Es liegt hier meines Erachtens ein Kauf doch sehr nahe.“

    Das Radio-Interview mit dem Gold-Experten Martin Siegel:

    Das Radio-Interview mit dem Gold-Experten Dimitri Speck:

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    Tags:
    Kurs, Zentralbank, Edelmetalle, Währung, Preise, Markt, Gold