06:08 15 November 2019
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    geschmolzenes Gold (Symbolbild)

    Galaktische Gold-Revolution: Baut die Menschheit bald Edelmetall im Kosmos ab?

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    Wirtschaft
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    Saust ein Asteroid voller Gold und anderer wertvoller Metalle im Sonnensystem umher? Diese Frage will die US-Weltraumbehörde NASA durch eine Mission beantworten, die im Jahr 2022 starten soll. Medien wissen bereits: Angeblich soll der Asteroid „16 Psyche“ eine wahre kosmische Goldgrube sein. Sputnik hat bei NASA und Gold-Experten nachgehakt.

    Steht die Menschheit technisch vor der nächsten industriellen Revolution? Falls stimmen sollte, was manche Medien und Fachblätter vor wenigen Wochen berichteten, erwartet uns möglicherweise eine „galaktische Gold-Revolution“. So sorgten im Sommer folgende Schlagzeilen für Aufsehen: „Mysteriöser Asteroid aus Gold: NASA geht auf die Jagd“ oder „Heavy Metall: NASA-Sonde fliegt zum Metall-Asteroiden Psyche“. Gold-Fachmagazine spekulieren bereits: „Warum der Goldpreis auf Null fallen könnte.“

    Der galaktische Stein des Anstoßes ist der Asteroid „16 Psyche“, der bereits im 19. Jahrhundert von Astronomen entdeckt worden war. Der Weltraum-Körper befindet sich laut Wissenschaftlern im Asteroidengürtel in unserem Sonnensystem jenseits des Mars – und soll zu großen Teilen aus Metallen und Edelmetallen bestehen. Vielleicht auch zu großen Mengen aus Gold.

    Wird Menschheit reich durch Weltraum-Gold?

    Die US-Weltraumbehörde NASA will nach eigenen Angaben bereits 2022 eine unbemannte Mission zum Himmelskörper schicken. Die Sonde soll 2026 den Asteroiden erreicht haben. Die Zahlen schwanken zwar, aber mit einem Vermögen von knapp 80 Milliarden dürfte wohl jeder Erdenbürger rechnen, wenn die dort gefundenen Edelmetalle gerecht pro Kopf verteilt werden würden, melden Medien.

    Sputnik ging der Sache auf den Grund und befragte Gold-Experten sowie die NASA, wie ernst die Spekulationen um den „Gold-Asteroiden“ sind. Wäre der Abbau im All überhaupt technisch möglich? Was würde – bei erfolgreicher Umsetzung – mit dem irdischen Gold-Preis passieren? Würde er ins Bodenlose fallen? Stehen wir vor einem neuen „Goldenen Zeitalter“ in der Technik und Weltgeschichte?

    „Gold-Abbau im Kosmos birgt immense Kosten“ – Experte

    „Es ist technisch derzeit einfach nicht möglich“, urteilte Martin Siegel, Goldmarkt- und Finanz-Experte bei „Stabilitas Fonds“ in Nordrhein-Westfalen, im Sputnik-Interview. „Was haben wir denn technisch hinbekommen? Wir waren auf dem Mond. Aber ein Asteroid ist ein anderer Himmelskörper, der mit einer Riesen-Geschwindigkeit durch den Weltraum rast. Wie will man das Gold von dort herunterbringen? Wir hatten es geschafft, vom Mond einige Kilogramm Gestein mit auf die Erde zu bringen. Aber mit wieviel Kosten war das verbunden? Das waren Milliarden-Kosten. Und dieses Gestein wurde noch nicht einmal aufgearbeitet.“ Denn das kosmische Edelmetall müsse durch technische Verfahren noch aus dem Weltraum-Gestein gewonnen werden. All diese Schritte sind nach Wissen des Gold-Experten aus Bad Salzuflen in NRW ein extrem kostspieliger Vorgang.

    Der Edelmetall-Fachmann nannte einen irdischen Vergleich:

    „Wir haben in Australien eine Gold-Mine, die kürzlich in etwa 100 Meter Tiefe große Gesteinsbrocken mit Gold gefunden hat. Die Hälfte besteht aus Stein, die andere Hälfte aus Gold. Diese versucht man nun aus dem Boden zu holen, möchte sie einschmelzen oder direkt verkaufen.“ Siegel betonte die betriebswirtschaftlichen Kosten einer solchen Gold-Bergungsaktion auf der Erde: „Diese Gesellschaft, die den Fund gemacht hat, bewegt sich seit einem halben Jahr nicht. Im Klartext: Die verdienen damit noch kein Geld.“

    Herausforderungen für „Gold-Kosmonauten“

    Wenn bereits ein Gold-Unternehmen auf der Erde Schwierigkeiten habe, solche Brocken aus einigen Metern Tiefe zu fördern, dann sei es mehr als deutlich, mit welchen Problemen „Gold-Kosmonauten“ im All zu kämpfen hätten.

    „Hier auf der Erde hat man Sauerstoff, Öl, Stahl, Diamant-Kernbohrer“, so Gold-Experte Siegel. „Also all die Ressourcen, die man für solche Unternehmungen braucht. Und selbst dann: Weil dieser Aufwand so groß ist, kriegt die australische Gold-Mine keine vernünftigen Gewinne erwirtschaftet.“ Dies seien alles Probleme, die es im Weltraum zu lösen gelte, im Vakuum, im sauerstoff-losen Raum. „Sie haben darüber hinaus Investitions-Kosten, Abbaukosten und so weiter. Wie soll Gold-Abbau auf einem Asteroiden gehen? Allein was das kostet, eine Tonne Material (mit beispielsweise Abbau-Technik, Anm. d. Red.) in den Weltraum zu schicken. Das geht in die Millionen – und hinterher habe ich vielleicht 300 Gramm Gold gefördert.“ Solche Edelmetall-Mengen könnten die Kosten, die im Vorfeld für die galaktische Gold-Förderung entstehen würden, „niemals wieder reinholen.“

    Daher hält Siegel die Idee des lukrativen Gold-Bergbaus im Kosmos bisher für utopisch. „Das geht in Science-Fiction-Filmen, aber nicht in der Realität.“

    „Physik setzt einfach Grenzen“ – Gold-Fachmann

    „Wir leben in sehr fantasievollen Zeiten, kann ich dazu nur sagen“, bestätigte Dimitri Speck, Goldmarkt-Experte und Buchautor aus München, die Analyse des Edelmetall-Kenners Siegel. „Möglicherweise sind hier manche Analytiker und Investoren geblendet von dem enormen Erfolg in der Computer- und Internet-Technik der letzten Jahrzehnte. Aber in der Raumfahrt-Technik sind die Fortschritte viel geringer. Natürlich sind die Raketen heute effizienter, aber doch nicht um einen Faktor 100 oder 1000. Da hat sich die Effizienz vielleicht maximal um 30 Prozent verbessert.“

    Der gegenwärtige Technik-Stand reiche niemals aus, um eine industrielle und vor allem lukrative Gold-Förderung im Weltraum zu gewährleisten. Die Physik setze da einfach natürliche Grenzen. „Das heißt: Da kommen Sie um kostspielige Raketen, teuren Treibstoff und Milliarden-Beträge im Vorfeld nicht herum, um dann – wie in der Vergangenheit bei unbemannten Sonden – ein paar Gramm Weltraum-Gestein auf die Erde zu holen. Oder vielleicht ein paar hundert Kilogramm, wie es bei bemannten Missionen möglich ist.“

    NASA: „Darum starten wir Mission zum Asteroiden“

    Bereits im Juli erklärte eine Mitarbeiterin der US-Weltraumagentur NASA auf Anfrage die Hintergründe zum „Gold-Asteroiden“. „Uns ist nicht klar, woher die Medienberichte über das viele Gold im Asteroiden kommen“, sagte sie damals.

    „Einer der Gründe für unsere Mission ist es, zunächst die Zusammensetzung von ‚16 Psyche‘ herauszufinden“, betonte die NASA-Sprecherin gegenüber Sputnik. „Aus Fernerkundungsdaten wissen wir, dass er zu großen Teilen aus Eisen und Nickel besteht und dass aus diesen Gründen darin wahrscheinlich auch Spuren von Gold, Platin, Kobalt, Iridium und anderen Elementen aus der Platin-Gruppe zu finden sein werden. Aber Goldklumpen wird man darin sicher keine finden.“

    „Keine Gefahr“ für irdischen Gold-Preis

    Gold-Experte Speck aus München konkretisierte abschließend seine Analyse:

    „Um also ein paar Tonnen Asteroiden-Gestein auf die Erde zu bringen, müsste man Milliarden investieren – und dann kommen am Ende ein paar Kilogramm Gold heraus.“ Dies sei nicht nur wirtschaftlich unsinnig, sondern habe auch keinerlei Auswirkungen auf den irdischen Gold-Kurs. „Das wird den Gold-Preis nicht drücken. Auf absehbare Zeit ist das keine Gefahr. Da bräuchte man komplett neue Technologien. Aber das ist noch nicht spruchreif und wie günstig diese Technologien dann sein werden, steht auch noch in den Sternen. Also: Keine Gefahr für den Gold-Preis.“

    Dieser Prognose zum Gold-Preis schloss sich Gold-Fachmann Siegel im Interview an: „Nehmen wir einmal an, es wäre technisch möglich“, sagte er. Dann gelte folgende Regel: „Würde Gold aus dem Weltraum auf die Erde kommen und sich dadurch die irdische Gold-Menge verdoppeln, würde sich der Goldpreis halbieren. So einfach ist das.“

    Das Radio-Feature mit den Gold-Experten Martin Siegel und Dimitri Speck:

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    Prognose, Kosten, NASA, Förderung, Gold, Weltraum