19:50 22 November 2019
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    „EUerlikör“

    „Kondensmilch-Irrsinn“ der EU hat ein Ende: „EUerlikör“ heißt wieder Eierlikör

    © Sputnik / Philipp Mandelartz
    Wirtschaft
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    Eine Firma in Sachsen-Anhalt atmet auf. Der Eierlikör-Hersteller „Altenweddinger Geflügelhof“ bei Magdeburg produziert seit über 100 Jahren dieses Getränk. Wegen einer von der Europäischen Union (EU) „verbotenen“ Zutat hieß das Produkt lange Zeit „EUerlikör“. Doch damit ist jetzt Schluss! Warum, erklärt Chefin Antje Brandt im Sputnik-Interview.

    Seit über 100 Jahren veredelt der Traditionsbetrieb und Eierlikör-Hersteller „Altenweddinger Geflügelhof Braune“ in Altenweddingen in Sachsen-Anhalt seinen Eierlikör mit einer ganz besonderen Zutat: Kondensmilch verfeinert seit jeher den leckeren Likör, der mit frischen Erzeugnissen aus der Magdeburger Börde gemacht wird. Doch dagegen hatte die EU wohl etwas. Im Oktober 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass ein mit Milchprodukten erzeugter Eierlikör nicht „Eierlikör“ heißen dürfe.

    Kreativ nannte der ostdeutsche Betrieb sein Produkt einfach in „EUerlikör“ um und nutzte den Bürokratie-Irrsinn sogar noch für eine Marketing-Kampagne. Und tatsächlich: Das funktionierte. Seitdem kennen noch mehr Kunden den Likör mit der urkomischen bürokratischen Vorgeschichte.

    Sputnik berichtete Anfang des Jahres darüber. Seitdem hat sich viel getan – und zwar zum Positiven für das Unternehmen.

    „Seit Juni darf unser Eierlikör wieder Eierlikör heißen“, freute sich Antje Brandt, Geschäftsführerin des „Altenweddinger Geflügelhofs Braune“ in Sachsen-Anhalt, im Sputnik-Interview. Hintergrund: Die EU-Bürokratie hat die entsprechende Verordnung zur „Kennzeichnung von Spirituosen“ jüngst geändert. Doch auch der Produkt-Name „EUerlikör“ bleibe in gewisser Form erhalten, so die Chefin. „Wir hatten in der Vergangenheit notgedrungen mit drei Bezeichnungen und drei Etiketten jonglieren müssen. Darunter auch EUerlikör. Wir werden dazu jetzt eine Sonder-Edition herausbringen. Ich muss dazu sagen: Wir haben nur positive Rückmeldungen aus ganz Deutschland erhalten, als das Thema akut war. Viele Kunden kennen Eierlikör nur mit Kondensmilch, da war zunächst Unverständnis da. Wir hatten aber zum Glück keinen Umsatzeinbruch, auch durch unsere Präsenz in den Medien.“

    Erfolg für ostdeutschen Traditions-Eierlikör

    „Die alte EU-Verordnung verliert an Gültigkeit“, sagte Geschäftsführerin Brandt.

    „Wir haben uns auf EU-Ebene dafür eingesetzt, dass die Spirituosen-Kennzeichnungs-Verordnung angepasst wird. Nämlich in der Weise, dass Eierliköre auch mit Milchprodukten hergestellt werden dürfen. So dass traditionelle Rezepturen geschützt sind und bleiben.“ Dabei fand der Betrieb auch Unterstützung durch Politiker und EU-Abgeordnete wie Arne Lietz (SPD).

    Eierlikör-EU-Verordnung 2019/787 (VO (EG) 110/2008)

    Zum Hintergrund: Brüssel hatte zunächst EU-weit Kennzeichnungen für Spirituosen geregelt und dabei angeordnet, dass „regionale Eigenheiten“ von Eierlikör-Herstellern nicht zu berücksichtigen seien. Sprich: Die EU wollte eine einheitliche Linie zur Herstellung von Eierlikör durchsetzen und ignorierte dabei, dass man in Sachsen-Anhalt schon seit einem Jahrhundert den Likör aus Kondensmilch zubereitet. Die EU verbot lange Zeit Milchprodukte in einem in der Union verkauften Eierlikör.

    Doch damit ist jetzt Schluss: Im Sommer erließ die EU eine wichtige Änderung. Demnach dürfen „ab dem 08. 06. 2019 (…) bei der Herstellung von Eierlikör oder Advocaat oder Advocat oder Advokat Milcherzeugnisse verwendet werden“.

    Dort liest man weiter in sperrigem Bürokraten-Deutsch: „Das Europäische Parlament und der Europäische Rat haben mittlerweile die Verordnung (EU) 2019/787 über die Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Kennzeichnung von Spirituosen, die Verwendung der Bezeichnungen von Spirituosen bei der Aufmachung und Kennzeichnung von anderen Lebensmitteln, den Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und die Verwendung von Ethylalkohol und Destillaten landwirtschaftlichen Ursprungs in alkoholischen Getränken sowie zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 erlassen.“

    Ganze Branche freut sich

    Nicht nur der Geflügelhof in der Magdeburger Börde freut sich über die EU-Entscheidung, sondern die gesamte Branche der Spirituosen-Hersteller atmet auf. Auch andere Hersteller, die Eierlikör-Produkte mit Milch oder Sahne zubereiten, „haben nun Rechtssicherheit“, betonte Brandt im Interview.

    „Jetzt ist alles gut. Jetzt können wir rechtssicher produzieren. Auch viele Kunden rufen an und sagen: ‚Endlich! Es freut uns, dass ihr das mit der neuen Verordnung so umsetzen konntet!‘“

    „Grüne Woche“ und europaweite Lieferungen

    „Wir werden im Januar 2020 zur ‚Grünen Woche‘ eine ‚Dream-Edition‘ herausbringen, das kann ich schon verraten“, sagte die Unternehmerin. „Und wir werden vor Weihnachten wieder unseren Eierpunsch auf den Weihnachtsmärkten anbieten.“

    Die Eierlikör-Produkte aus Altenweddingen sind bundesweit gefragt. Die Firma in Sachsen-Anhalt liefert auch nach Österreich und in die Schweiz, erklärte Geflügelhof-Chefin Brandt auf Nachfrage. „Kunden können auf unserer Website www.braunes.com mit uns in Kontakt treten oder unsere Produkte bestellen“, sagte sie. „Insofern kann ich nur alle Interessierten, Verbraucher und Kunden einladen, sich an uns zu wenden und unsere Produkte auszuprobieren.“

    Der Traditionsbetrieb stelle „braune Eierliköre in 18 verschiedenen Geschmacksrichtungen her“, berichtete die Geschäftsführerin bereits in einem früheren Sputnik-Interview. „Unser Eierlikör wird traditionell schon immer mit Kondensmilch hergestellt und angerührt. Das betreiben wir mittlerweile in achter Generation.“

    Das Radio-Interview mit Antje Brandt („Altenweddinger Geflügelhof Braune“):

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    Tags:
    Irrsinn, EU, Eierlikör, Ei, Deutschland