17:22 22 November 2019
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    Kaviar, Kasatschok, Knete? – Wie deutsche Manager „Fit für Russland“ gemacht werden

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    Wirtschaft
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    Über eine Dekade führt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) schon „Fit für das Russlandgeschäft“ durch. Gefördert vom russischen Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Deutschlands Wirtschaftsministerium erhalten Führungskräfte die Chance, Kontakte im rohstoffreichen Riesenreich anzubahnen, lernen ein paar Brocken Russisch.

    Drei zweiwöchige Reisen deutscher Unternehmer und Manager mit Ziel Russland stehen in den kommenden Tagen an: Es geht in die russischen Städte Nishnij Nowgorod und Uljanowsk im September, gefolgt von Sankt Petersburg und dem Leningrader Gebiet, Nowosibirsk, Altai und Kemerowo im Oktober. Es sind besondere „Kultur-Reisen“, denn es gilt, Geschäftskultur zu pflegen und neues deutsch-russisches Business anzubahnen.

    Gemeinsames deutsch-russisches Vorhaben

    Das Programm „Fit für das Russlandgeschäft“ gründet auf einer gemeinsamen Erklärung zwischen der Bundesrepublik und Russland über die Zusammenarbeit bei der Fortbildung von Führungskräften der Wirtschaft - gefördert vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung Russlands und dem deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), durchgeführt von der GIZ.

    „Ziel ist es, wirtschaftlichen Austausch und Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Unternehmen zu stärken. Dafür bietet das Programm Führungskräften deutscher Unternehmen verschiedener Wirtschaftsbereiche eine praxisorientierte Fortbildung. Es vermittelt ihnen ein tieferes Verständnis der Geschäftspraktiken russischer Unternehmen und der russischen Geschäftskultur: Sie erhalten die Gelegenheit, vor Ort Kontakte zu russischen Unternehmen, Kammern, Verbänden und potenziellen Geschäftspartnern aufzubauen“, erläutert Tanja Stumpff von der Presseabteilung der GIZ das Programm.

    Und Teilnehmer Markus Szirmay von der Firma Piller im Bericht der Gesellschaft: „Meine Ziele für das Russlandgeschäft sind ganz klar: Im wesentlichen, Kunden in der Schlüsselindustrie für unsere Produkte (Industrieventilatoren – Anm. der Red.) gewinnen zu können, und dann mittel- wie langfristig eine Niederlassung zu gründen“, denn „Russland ist ein strategisch wichtiger Markt, rohstoffreich – mit immensen Möglichkeiten“, so der Diplom-Ingenieur.

    So wird „fit“ gemacht

    Die Teilnahme am Programm umfasst einen zweiwöchigen Russlandaufenthalt. Um auch einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, werden die Manager zudem vorbereitet: Etwa in einem dreitägigen Russland-Seminar, wie dem nun vom 19. bis zum 21.September in Bonn anstehenden Kurs „Gruppe 3 – Schwerpunkt: Agrarwirtschaft“. Sie machen sich mit der russischen Geschäftskultur vertraut, lernen ein paar Brocken Russisch. Oft hilft als Einstieg wie ein „Eisbrecher“ die Begrüßung in der jeweiligen Landessprache – „Dobryij denj“ in diesem Fall.

    Der Aufenthalt vor Ort findet auf Einladung der russischen Regierung statt. Diese übernimmt alle innerhalb Russlands anfallenden Kosten für Fortbildung und Seminare, programmbedingte Transfers, Visum, Verpflegung und Unterkunft vor Ort. Die teilnehmenden Manager und Unternehmer tragen die organisatorischen Kosten für das Vorbereitungsseminar in Deutschland sowie die Reisekosten nach Russland.

    Erst Ende August fand eine Geschäftsanbahnungsreise im Bereich „zivile Luftfahrtindustrie“ statt. Kooperationspartner ist der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI). Fester Bestandteil der Geschäftsanbahnungsreise war die Messeanbindung an den Internationalen Luft- und Raumfahrtsalon MAKS 2019 in Moskau. Im Rahmen der Reise wurde auch die russlandweit einzige Sonderwirtschaftszone (SWZ) für die Luftfahrtindustrie in Uljanowsk bereist, zum Auf- und Ausbau von Geschäftsaktivitäten und eines Netzwerks im Zielmarkt.

    „Man lernt Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft kennen, an die man sonst nicht so einfach dran kommt, und gute Kontakte sind das A und O im Geschäft“, so Alex Renner von einer deutschen Consultingfirma über das Programm auf der Seite.

    Speed-Dating und Mehr

    Organisiert werden Gruppen- und Individualbesuche in Unternehmen und Sonderwirtschaftszonen, Workshops und Trainingseinheiten zu regionaler Wirtschaftspolitik, zur Marktlage, regionaler Außenwirtschaftsförderung und interkultureller Kommunikation, eine Kooperationsbörse mit russischen Unternehmen aus den Regionen, es gibt „Runde Tische“ mit Entscheidungsträgern aus der Wirtschaftsverwaltung sowie Treffen mit Repräsentanten deutscher Auslandsvertretungen.

    Vorstellen könne man es sich etwa wie beim „Speed-Dating“: Die GIZ ließ auf ihrer Internetseite entsprechende Eindrücke schildern. In einem Fall, im russischen Novosibirsk, hätten 50 Teilnehmer an Zweiertischen zueinander gefunden – gewappnet mit Produktkatalogen und Werbematerialien. Käufer und Verkäufer, Produzenten und Dienstleister, Fleischfabrikanten und Gitarrenhändler aus Deutschland und Russland. 15 Minuten Zeit, um ihr Gegenüber von ihrem Produkt zu überzeugen, dann ziehen die Gesprächspartner zum nächsten Tisch. Alles sehr effizient.

    Über 300 Manager sollen bereits in Russland gewesen sein. 70 Prozent der Unternehmen, die beim Programm mitgemacht haben, stünden seitdem in einer dauerhaften Geschäftsbeziehung mit russischen Partnern.

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    Tags:
    Kultur, Geschäftsleute, Luftfahrt, Kooperation, Agrarindustrie, Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), Russland, Wirtschaft