Widgets Magazine
23:38 19 September 2019
SNA Radio
    Handelshafen in Hongkong (Archiv)

    Wozu China Hongkong so braucht: Finanzmetropole wird zum Kernzentrum der „Neue Seidenstraße“

    © AP Photo / Kin Cheung
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    2696
    Abonnieren

    Laut der Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, soll der chinesische Sonderbezirk zum wichtigsten Finanz- und Beratungszentrum für das Projekt Initiative „Belt and Road“ (BRI) werden, auch als „Neue Seidenstraße“ bekannt. Dies gab sie am Mittwoch Medien zufolge auf einem BRI-Gipfel bekannt. Die Pläne Chinas scheinen noch globaler zu werden.

    So positioniere sich Hongkong heutzutage als die „wettbewerbsfähigste Stadt von Großchina“ und ein „natürlicher Hafen für die ‘Neue Seidenstraße’“, sagte Lam unter anderem, hauptsächlich in den Bereichen Finanzen, Ingenieurwesen und Dienstleistungen. Die potenziellen Gewinne für Hongkong könnten dadurch auf zehn Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt werden.

    Wie der Finanzminister von Hongkong, Paul Chang, dazu mitteilte, würden insgesamt rund 1,7 Billionen US-Dollar Investitionen in die BRI-Projekte durch Börsengänge und Kredit-Syndikate aufgebracht, die größtenteils über das internationale Finanzzentrum Hongkong erfolgen würden. Außerdem ist Hongkong für die Projekte als einer der größten Seehäfen mit minimalen Steuern, Nullzöllen und Schiedsverfahren nach britischem Recht wichtig: selbst wenn das südchinesische Shenzhen seine eigene Börse hat, solle dieses die gesamten Investitionszuflüsse nicht bearbeiten können.

    Eigentlich hatte Hongkong schon im Februar 2019 eine derartige Innovative,  die „Greater Bay Area“ (Die große Bucht), ins Licht gebracht. Diese soll die wirtschaftliche Kooperation zwischen Hongkong, Shenzhen und der 50 Kilometer westlich von Hongkong gelegenen Sonderverwaltungszone Macau ankurbeln. Laut der Strategie soll Hongkong zu einem Finanz- und Dienstleistungszentrum werden, Shenzhen dabei zu einem Industrie- und Technologiezentrum in einer regionalen Wirtschaftszone mit über 71 Millionen Einwohnern, die die US-amerikanischen „Silicon Valley“, die „Greater New York“ oder die Metropolregion Tokio übertreffen werden.

    Die Strategie wird in Peking unterstützt und bekommt im Lichte der politischen Proteste in Hongkong eine neue Dimension. Da die Hongkonger Börse am Mittwoch angekündigt hat, den Handelsplatz für Aktien in London für rund 33 Milliarden Euro übernehmen zu wollen, erscheint die Mammutinitiative der Hongkonger Regierung wie ein Plan für eine finanzielle Welteroberung.

    „Neue Seidenstraße“ a.k.a. chinesische Art von Globalisierung

    Während des Gipfels in Hongkong ist eine Reihe von bisher selten diskutierten BRI-Projekten bestätigt worden, auch in der Europäischen Union. Darunter sind sämtliche Infrastrukturprojekte in Ungarn und der Slowakei, industrielle und logistische Entwicklung des französischen Marseille (Projekt Les Fabriques), aber auch Investitionensprojekte in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diejenigen von ihnen, die auf Projektfinanzierung basieren, beinhalten Investitionen mit Teilnahme von arabischen und europäischen Fonds, von denen nicht nur die Banken und Investoren aus Hongkong und China, sondern auch die aus dem Persischen Golf, den USA und Europa profitieren sollen.

    Die „Belt and Road“ ist eine chinesische Initiative zur Schaffung einer Infrastruktur aus drei Logistik-Korridoren von China aus über Eurasien bis zur EU. Sie beinhaltet Investitionen in die Entwicklung von Ländern, durch die die See- und Landwege der „Neuen Seidenstraße“ verlaufen. Die Initiative wurde 2013 erstmals vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping ins Leben gerufen und 2015 in die grundlegenden Planungsdokumente Chinas aufgenommen. Tatsächlich wird die „Neue Seidenstraße“ in Peking als ein einheitliches Projekt einer Globalisierung der chinesischen Geschäfte angesehen. Anfang der 2010er Jahre war damit das ältere Wirtschaftsmodell Chinas korrigiert worden, das ausländische Direktinvestitionen und Exportmärkte gegenüber den nationalen präferiert hatte.

    Mehrere Dutzend asiatische, afrikanische und europäische Länder haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Im Mai 2015 hatten Russland und China eine gemeinsame Erklärung zur Koordinierung von BRI- sowie den Projekten der Eurasischen Wirtschaftsunion unterzeichnet. In den kommenden Jahrzehnten sollen die Volkswirtschaften der Region vier bis sechs Billionen US-Dollar in die Projekte investieren. Dadurch gilt die Initiative als der weltweit größte Komplex von Investitionsprojekten, in China sogar als Schwerpunkt der Außenpolitik.

    Deutschland noch kein offizieller Partner

    Selbst wenn Deutschland durch die  Eisenbahnverbindung  über Osteuropa, Russland und Kasachstan nach China ein wichtiges Glied in diesem Projekt zu sein scheint, gilt das Land immer noch nicht als dessen offizieller Partner. Die Bundesregierung hat gegenüber der Idee der Neuen Seidenstraße bisher eine ambivalente Haltung an den Tag gelegt. Allerdings gibt es Befürchtungen, China könne über diese neue Seidenstraße nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Einfluss nehmen.

    Zugleich freut sich Duisburg auf chinesische Investitionen und plant daneben die Ansiedlung von 300 chinesischen Unternehmen. Ebenso ist an neue Logistikzentren in Nürnberg, Hof, Bayreuth, Regensburg, Straubing, Dresden und Chemnitz gedacht. Auch der Vorstand der Marketing-Gesellschaft des Hamburger Hafens, Axel Mattern, will von der „Neuen Seidenstraße“ profitieren. Hamburg sei nicht nur für Deutschland der zentrale Knotenpunkt für den China-Verkehr, sondern ebenso für mehrere Länder Mittel- und Osteuropas, etwa Polen, Tschechien, Österreich und Ungarn, sagte Mattern am Dienstag gegenüber der DPA.

    Bisher ist Deutschland ein Gründungsmitglied und Kapitalgeber der 2015 gegründeten und von China dominierten Asian Infrastructure Investment Bank. Die Bank sieht die Finanzierung der Seidenstraßeprojekte als ihre Aufgabe. Man erwartet davon offenbar, dass deutsche Unternehmen auch ein Stück von dem gefeierten Kuchen abbekommen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Deutschland, Proteste, Projekt, Hongkong, Neue Seidenstraße, China