Widgets Magazine
16:38 20 September 2019
SNA Radio
    Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (Archiv)

    Gerhard Schröder: Ohne Russland können wir moderne Herausforderungen nicht bewältigen

    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    413054
    Abonnieren

    Der Altbundeskanzler Gerhard Schröder hat die Gründung einer Assoziation zwischen der Europäischen Union und Russland vorgeschlagen. Er sprach auf einer Konferenz über die Auswirkungen der geopolitischen Situation auf die Wirtschaft.

    Die von der WILO Group organisierte Future Connected-Konferenz versammelte Vertreter der europäischen und russischen Wirtschaft in Moskau. Russland sei sowohl für Deutschland als auch für die Europäische Union ein wichtiger Partner, stellte Schröder in seiner Rede auf der Konferenz fest.

    „Ohne Russland werden wir die modernen Herausforderungen nicht bewältigen können. Russland und Deutschland profitieren von der beiderseitigen Partnerschaft, und wir müssen sie beibehalten, um unsere Position auf dem Weltmarkt zu stärken. Europa wird ohne die Fähigkeiten Russlands sein wirtschaftliches Gewicht nicht behalten. Die Koordinaten der Weltpolitik verschieben sich nicht zugunsten Europas. Länder wie Brasilien, Indien und China werden wirtschaftlich und politisch immer mächtiger. Europa braucht Partner mit einem starken wirtschaftlichen und politischen Potenzial. Einer der wichtigsten Partner für Europa ist Russland“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Nord Stream AG.

    Damit sich Russland nicht endgültig dem asiatischen Horizont zuwende, sollte Europa Anstrengungen unternehmen, um engere wirtschaftliche Beziehungen zu Russland aufzubauen. Dabei seien die beiderseitigen Sanktionen keine richtige Entscheidung, so Schröder weiter.

    „Deshalb würde ich vorschlagen, Russland mit Europa auf europäischer Ebene enger zu verbinden und nicht die EU-Mitgliedschaft anzubieten, sondern den Status eines assoziierten Mitglieds, zu dem eine Freihandelszone, eine visumfreie Zone sowie ein politischer und wirtschaftlicher Dialog gehören. Dies würde unsere Beziehungen zu Russland stärken und wir könnten von riesigen russischen Ressourcen profitieren. Wir brauchen eine solche Assoziation zwischen Russland und der Europäischen Union, um Frieden, Stabilität und Wohlstand auf dem gesamten Kontinent zu gewährleisten."

    Schröder unterstützte voll und ganz die Aussage des französischen Präsidenten Macron, dass der europäische Kontinent niemals sicher sein werde, wenn Europa nicht seine Beziehungen zu Russland klären und festigen werde. „Ich hoffe, die Bundesregierung vertritt den gleichen Standpunkt“, fügte der Altbundeskanzler hinzu.

    Die geopolitische Situation habe einen großen positiven wie auch negativen Einfluss auf das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und Russland, unterstrich seinerseits Michael Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung des Ostausschusses – Europavereins der Deutschen Wirtschaft im Sputnik-Gespräch. 

    Mit dem Negativen ist seinen Worten zufolge der wachsende Protektionismus und Populismus in der Welt gemeint, was auch eine Belastung für die deutsch-russischen Beziehungen sei. Dazu gehöre auch das Sanktionsregime, „das immer noch zwischen uns steht und das wir hoffentlich bald überwinden können“. Positiv ist laut Harms, dass beide Regionen vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

    „Wir haben große Konkurrenten, die USA und China, die das Weltgeschehen bestimmen. Europa allein und Russland allein sind zu schwach, um dem zu widerstehen, und eine gemeinsame Kooperation wäre die richtige Antwort in der heutigen Zeit“, so der Ostsauschuss-Chef.

    In Bezug auf die Stimmung der deutschen Unternehmen auf dem russischen Markt sagte Harms: „Die deutschen Unternehmen sind im Wesentlichen sehr zufrieden. Die Investitionsbedingungen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Was wir uns wünschen würden, wäre mehr Wachstum in Russland selbst. Wenn wir hier eine bessere Konjunktur hätten, dann wäre es viel besser.“

    Den Vorschlag von Gerhard Schröder, eine Assoziation zwischen Russland und der Europäischen Union zu gründen, bezeichnete Harms als ein strategisches Ziel.

    „Das steht noch nicht morgen auf der politischen Agenda, aber es wäre natürlich strategisch ein Ziel. Russland versteht sich als ein europäisches Land, die Europäische Union steht für die Hälfte des gesamten russischen Außenhandels. Es wäre eine Superidee, aber wir müssen erst die gegenwertigen Schwierigkeiten überwinden.“

    Der Konzeption des geeinten Europas von Lissabon bis Wladiwostok ständen wiederum die politischen Probleme im Wege, sagte Harms. In erster Linie die Ukrainekrise und die Sanktionen. „Es gibt einen politischen Beschluss der Europäischen Union, deshalb auch keine offiziellen politischen Gespräche mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) zu beginnen. Wir halten das für einen Fehler, weil die EAWU mehr als Russland ist, auch Kasachstan, Weißrussland und andere Ländern gehören dazu, und wir brauchen diesen Dialog.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Investitionen, Europa, Beziehungen, Gerhard Schröder, Russland, Deutschland