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04:23 18 Oktober 2019
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    Rauch von der Explosion an der Ölanlage des saudischen Unternehmens Aramco nahe der Stadt Abqaiq

    Öl: Rasanter Preis-Anstieg nach Drohnen-Angriffen auf Raffinerien in Saudi-Arabien

    © REUTERS / HAMAD I MOHAMMED
    Wirtschaft
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    Nach den Anschlägen auf strategisch wichtige Erdöl-Raffinerien in Saudi-Arabien durch Drohnen der Huthi-Rebellen hat nun der internationale Öl-Preis heftig reagiert. Nach Medieninformationen stieg der Preis des „schwarzen Golds“ am Montagvormittag teilweise um fast 20 Prozent. Aktuell steht die Sorte „Brent“ bei fast 60 Euro je Barrel.

    Aus Sorge vor Lieferausfällen und Engpässen decken sich weltweit „Anleger massenhaft mit Rohöl ein“. Das meldete die „Tagesschau“ am Montagmorgen. Allein in Saudi-Arabien, das am vergangenen Wochenende heftige Drohnen-Angriffe auf seine Raffinerien hinnehmen musste, sei der Ölpreis so stark gestiegen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

    „Am Montagmorgen rauschten die Preise für Öl um bis zu 20 Prozent in die Höhe, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder verloren. Zuletzt verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte ‚Brent‘ um 5,99 Dollar oder knapp zehn Prozent auf 66,21 Dollar – und kletterte damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juli.“ Der Preis für das US-Leichtöl „WTI“ sei ebenfalls um etwa 16 Prozent auf 63,34 Dollar gestiegen. Einen solchen Anstieg gab es zuletzt 2001.

    Der Absturz beim Ölpreis war von Experten erwartet wurden, nachdem am Wochenende die größte Erdöl-Raffinerie Saudi-Arabiens durch Drohnen-Angriffe der Huthi-Rebellen schwer getroffen wurde. „Durch die Attacken am Samstag wurde eine Fördermenge von 5,7 Millionen Barrel pro Tag bis auf weiteres lahmgelegt. Das ist mehr als die Hälfte der täglichen Ölproduktion des Königreichs.“

    Offizielle Angaben aus Riad dazu oder zu einer möglichen Dauer der Lieferausfälle liegen bislang nicht vor.

    Öl-Preise an Terminmärkten „ziehen an“

    „Nachdem ein Teil der Ölproduktion Saudi-Arabiens nach einem Angriff auf die größte Ölraffinerie von ‚Saudi-Aramco‘ ausfällt, zogen die Kurse deutlich an“, berichtete am Montagvormittag das Wirtschaftsblatt „Manager Magazin“ in seiner Online-Ausgabe.

    „Die Ölpreise an den internationalen Warenterminmärkten starten heute Morgen mit massiven Aufschlägen, nachdem am Samstag ein Anschlag auf die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens verübt worden ist, der mindestens die Hälfte der dortigen Ölproduktion lahmgelegt hat. In Folge werden die Heizöl-Notierungen hierzulande heute ebenfalls mit kräftigen Aufschlägen in die neue Handelswoche starten.“ Das meldete am Montagvormittag das Energie-Fachmagazin „Fast Energy“.

    Trump twittert

    Laut dem Energie-Analytiker „Rapidan Energy“ ist die beschossene saudische Raffinerie die „wichtigste Öleinrichtung der Welt.“

    US-Präsident Donald Trump reagierte bereits. Er twitterte am Sonntagabend, die US-Ölwirtschaft könne – falls erforderlich – die Freigabe „nationaler US-Ölreserven“ genehmigen, um Engpässe auszugleichen. Die Menge habe er noch nicht festlegen können, aber sie werde ausreichend sein, „um die Märkte gut zu versorgen“.

    Die Energieagentur IEA in Paris sieht laut internationalen Medien zunächst „keine Versorgungsprobleme“. Vorerst seien die Märkte „reichlich gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt“.

    Folgen für deutsche Autofahrer

    Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer in Deutschland dürften sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Grenzen halten.

    „Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland. Zur Veranschaulichung: 2018 war es ein Prozent“, zitierte die „Tagesschau“ einen Sprecher des Verbandes. Eine Engpass-Gefahr beim Öl bestehe aktuell für Deutschlands Tankstellen nicht.

    Auch der Präsident des Wirtschaftsinstituts „ifo“, Ökonom Clemens Fuest, rechne damit, dass sich der Ölpreis nach dem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde.

    „Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird“, sagte er. Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs würden gut ein Drittel des weltweiten Öls produzieren. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: „Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt.“

    Der globale Ölpreis könnte sich zwar kurzfristig erhöhen. Ob sich das spürbar und dauerhaft auf deutsche Kunden an der Tankstelle auswirke, sei aber offen.

    ab/tm

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    Tags:
    Drohnenangriff, Anstieg, Preise, Öl, Saudi-Arabien