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22:10 21 Oktober 2019
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    Gold-Betrug: Staatsanwaltschaft ermittelt – Experte: „Wundere mich über Naivität“

    © AFP 2019 / MUSTAFA OZER
    Wirtschaft
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    Unrealistische Gewinn-Versprechen haben Gold-Kunden in eine Falle gelockt und um viel Geld gebracht. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen Mesut P. vom Unternehmen „PIM“ wegen Anlage-Betrug. „Gold-Käufer können sich heutzutage über solche Firmen vorab informieren“, urteilt Gold-Experte Philip Klinkmüller im Sputnik-Interview.

    Die unseriöse und mutmaßlich kriminelle Firma „PIM Gold“ mit Sitz in Hessen hat wohl seit Jahren bundesweit tausende Kunden und Gold-Käufer mit falschen Versprechungen um viel Geld geprellt. Das berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vor wenigen Tagen. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Darmstadt ermittelt gegen Mesut P., dem Betreiber der Firma. Die Vorwürfe: Gewerbsmäßiger Betrug, Vortäuschen falscher Tatsachen, mehrfacher „Anlage-Betrug“ und Verdacht auf ein illegales Schneeballsystem.

    Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang September Geschäftsräume der Firma durchsucht und Firmen-Chef Mesut P. (48) verhaftet. Neben ihm führt die Staatsanwaltschaft derzeit vier weitere Beschuldigte. „Rund 3,38 Tonnen Gold mit einem aktuellen Marktwert von etwa 150 Millionen Euro haben Anleger in den vergangenen zehn Jahren über die Firma aus dem hessischen Heusenstamm erworben.“ Die Staatsanwaltschaft Darmstadt habe jedoch den Verdacht, dass ein großer Teil des angebotenen Goldes nie vorhanden gewesen sei.

    „PIM Gold“ hatte seinen „Kunden“ und Anlegern dabei eine Rendite von bis zu „drei Prozent Zinsen“ versprochen, wenn sie das erworbene Gold einlagern würden. „Die meisten Kunden ließen sich das Edelmetall daher nicht aushändigen. Die Verzinsung sollte über undurchsichtige Handelsgeschäfte erzielt werden.“ Am Ende gab es für die Geschädigten weder Gold – noch Gewinnausschüttungen.

    Wie ist so ein Betrug überhaupt möglich?

    Für Sputnik kommentierte Goldmarkt-Experte und Trading-Analytiker Philip Klinkmüller von „Hopf-Klinkmüller Capital Management" in Stuttgart den Fall.

    Markt-Kenner Klinkmüller schreibt seit September 2019 als Sputnik-Gastautor zu den Themen Goldmarkt, Trading und Börse regelmäßige Kolumnen. 

    „Ich bin immer wieder sehr überrascht, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, dass man Leute mit solchen Systemen tatsächlich noch über den Tisch ziehen kann“, so der Gold-Experte im Interview. „Ich bin der Meinung, dass man heute in Zeiten von Internet und freien Informationsmöglichkeiten eigentlich nicht mehr in der Lage sein sollte, Menschen durch solche Methoden zu betrügen.“

    „Gold-Hoch lockt unseriöse Anbieter an“ – Experte

    „Leider sind in diesem ganzen Sektor – und das haben wir seit Jahren angeprangert  – viele Geschäftsmodelle aus dem Boden geschossen, insbesondere nach diesen Allzeit-Hochs beim Gold und nach diesem Hype um das Edelmetall“, so der Stuttgarter Finanz-Fachmann weiter. Viele dieser Angebote seien „aber nicht nachhaltig. Oftmals steckt auch wie in diesem Fall wahrscheinlich eine betrügerische, kriminelle Absicht dahinter.“

    Es gehe bei dem Betrugsfall in Hessen „ja nicht nur darum, dass das versprochene Gold nicht da ist. Sondern dazu wurden noch zusätzliche Versprechungen der Verzinsung gemacht, wo bei jedem die Alarmglocken losgehen sollten. Der zweite Punkt ist, dass hier teilweise Preise (durch die geprellten Kunden, Anm. d. Red.) bezahlt worden sind, die 30 bis 35 Prozent über dem eigentlichen Marktpreis lagen.“ Sein Fazit: „Da sind auf breiter Front Anleger hart über den Tisch gezogen wurden. Aber wie gesagt: Das ist leider etwas, was wir immer wieder feststellen und kritisieren. Auch gerade im physischen Gold-Bereich – was Lagerungen und Größen der Beschaffung angeht. Da wird zu Entscheidungen geraten, wo ich als Fachmann einfach nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen kann und mich frage: Wer kann so etwas guten Gewissens überhaupt empfehlen?“

    Ermittlungen laufen

    Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Gold-Betrüger Mesut P. laufen. Ihm und seinen Mithelfern drohen vermutlich heftige Haft- oder Geldstrafen. Sein Anwalt wollte sich zu den Vorwürfen und zur Frage einer bevorstehenden Insolvenz nicht äußern. Denn die 2008 gegründete Firma „PIM Gold“ steht laut Medien nun offenbar unmittelbar vor der Pleite.

    Bekommen die Betroffenen ihr Geld zurück? Bisher ist laut Medien und Staatsanwaltschaft noch nicht klar, ob die betrogenen „Gold-Anleger“ ihr bereits investiertes Kapital zurückerhalten werden. Fraglich sei zudem, ob die geschädigten PIM-Gold-Kunden überhaupt rechtliche Eigentümer des vermeintlichen Goldes geworden sind. All diese Fragen wollen nun die Ermittler der Darmstädter Staatsanwaltschaft klären.

    Gold kaufen: Experte erklärt wie es richtig geht

    Mit unseriösen Geschäftsmodellen wie im vorliegenden Fall könne „niemand, der glaubt, sich in irgendeiner Form abzusichern, irgendetwas anfangen“, betonte Gold-Experte Klinkmüller abschließend. „Weil Sie es schlicht und ergreifend auf der physischen Seite nicht verkauft bekommen.“

    Zu guter Letzt hatte er für ernsthafte und seriöse Gold-Interessenten und Anleger folgende Experten-Tipps parat: „Unser Credo seit Jahren ist folgendes, wenn wir von der physischen Beschaffung von Gold ausgehen. Wir haben schon immer angeprangert, dass das Halten des physischen Metalls nicht dazu geeignet ist, langfristig einen Vermögensaufbau zu betreiben.“

    Der spekulative Aspekt beim Gold zur Gewinnsteigerung und das Edelmetall als längerfristige Reserve für Notzeiten seien zwei komplett verschiedene Ansätze.

    „Wenn ich (mit Gold, Anm. d. Red.) Geld verdienen möchte, muss ich die Kursschwankungen nutzen. In physisches Gold investieren bedeutet für mich, dass ich es kaufe und halte. Dann ist der Preis für mich eine zweitrangige Entwicklung. Sicherlich ist momentan im Euro-Raum natürlich nicht der beste Zeitpunkt, physische Edelmetalle zu kaufen. Das kann sich aber in den nächsten Monaten wieder deutlich entspannen, auch wenn sich die Euro-Dollar-Umrechnung entsprechend umkehrt.“ Und zwar so, dass Gold dann wieder für Käufer in Euro günstiger wird.

    Das Radio-Interview mit Gold-Experte Philip Klinkmüller zum Nachhören:

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    Tags:
    Versprechen, Ermittlung, Betrug, Gold, Deutschland