22:30 14 Dezember 2019
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    Droht Deutschland die Abschaffung des Bargelds?

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    Wirtschaft
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    Eine Welt ohne Cash ist das Ziel großer globaler Interessen. Im Visier dabei: Deutschland. Das erklärt der Journalist, Buchautor und Bargeld-Befürworter Norbert Häring im Sputnik-Interview. Der Autor des Buches „Schönes Neues Geld: Uns droht eine totalitäre Weltwährung“ nennt dabei die Verantwortlichen der Pläne zur Abschaffung des Bargelds.

    Nicht nur Schweden, auch Deutschland droht in naher Zukunft eine mögliche flächendeckende Abschaffung des Bargelds. Darauf machen seit Jahren Geld-Experten und Kritiker des bargeldlosen Bezahlens wie Norbert Häring aufmerksam. Der promovierte Volkswirt und Wirtschaftsjournalist beim „Handelsblatt“ warnt schon lange vor einer geplanten Bargeldabschaffung in Deutschland.

    „Bargeld an sich ist sehr sicher“, sagte der Bargeld-Befürworter im Sputnik-Interview. „Im Sinne, ob wir Bargeld noch lange nutzen dürfen, ist es ziemlich unsicher. Es ist erklärtes Programm der G-20, also der mächtigsten Regierungen der Welt, das Bargeld loszuwerden. Bei uns in den Industrieländern wird das heimlich gemacht. Das hat der Internationale Währungsfonds IWF auch offen so empfohlen: Es heimlich zu machen. Es nicht öffentlich zu erklären, weil es zu viel Widerstand gibt. Aber in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern – die dafür Geld und technische Hilfen erhalten – ist es erklärtes Regierungsprogramm, möglichst schnell das Bargeld ganz schnell abzuschaffen.“

    Dient bargeldlose Gesellschaft kollektiver Überwachung?

    Die Vorteile des Bargelds für „uns Menschen sind, dass es anonym ist und dass es uns ermächtigt, selber die Kontrolle zu haben und es niemand verhindern kann, dass wir etwas kaufen. Ein weiterer Vorteil für uns ist, dass es nichts kostet. Es hält keiner die Hand auf, wenn wir etwas bar bezahlen. Das wiederum sind Nachteile für andere Akteure.“

    Unter den Bargeld-Gegnern seien große Banken und Regierungen, die ihre Bürger „überwachen wollen“. An erster Stelle die US-Regierung. „Die wollen (personalisierte, Anm. d. Red.) Finanz-Daten haben. Da ist Bargeld natürlich lästig.“ Auch Kreditkartenunternehmen wie „American Express“, „Visa“ und „Master Card“ haben laut ihm ein Interesse an der Abschaffung von Münzen und Geldscheinen. Häring nannte auch die Initiative „Better Than Cash Alliance” (mit Sitz in New York, Anm. d. Red.), bei der die genannten Kreditkarten-Anbieter neben weiteren globalen Konzernen Mitglieder sind. Auch die Regierungen folgender Länder setzen sich in der Initiative offiziell für eine bargeldlose Gesellschaft ein: Afghanistan, Äthiopien, Bangladesch, Elfenbeinküste, Ghana, Indien, Indonesien, Jordanien, Kolumbien, Kenia, Mexiko, Uganda, Uruguay, Vietnam und viele andere. Die Bundesregierung unterstützte diese Initiative seit 2016 mit mindestens 500.000 Euro.

    Schöne neue Welt? – „Schönes Neues Geld“

    In seinem Buch „Schönes Neues Geld: PayPal, WeChat, Amazon Go – Uns droht eine totalitäre Weltwährung“ (2018 im Campus Verlag) schildert Häring diese Problemlage kenntnisreich in vielen Details und Aspekten.

    Das Buch beinhalte „meine Recherche-Ergebnisse“ zu der globalen Anti-Bargeld-Kampagne. Der Autor erkläre darin, wie „diese aussieht. Von wo aus sie gesteuert wird. Also vor allem von Washington aus. Ich zeige auf, wer die Antreiber sind und wie die US-Regierung die G-20 für dieses Ziel eingespannt hat.“ Oftmals würde auch unter dem Vorwand der vermeintlichen Geldwäschebekämpfung das Ziel der Bargeldabschaffung vorangetrieben. Auch die Europäische Union (EU) sei dabei ein zentraler Akteur.

    Das Ziel der Bargeld-Beseitigung laufe im Finanz-Sektor meist unbemerkt von der Öffentlichkeit ab und häufig auch ohne parlamentarische oder demokratische Kontrolle, so seine Kritik.

    Schweden als „Versuchsfeld“

    „Es wird so getan, als ob Bargeld die allergrößte Geldwäschegefahr überhaupt ist“, mahnte Häring.

    Doch: „Das Bargeld ist das einzig richtige Geld“, betonte er. „Das einzige gesetzliche Zahlungsmittel. So wie Gold währungspolitisch einst (unter anderem durch US-Präsident Richard Nixon 1971, Anm. d. Red.) abgeschafft wurde, soll jetzt Bargeld abgeschafft werden.“

    Mit Blick auf Schweden sprach der Finanz-Journalist von einer „mittelfristigen Gefahr“, dass dort die europaweit erste nationale Bargeldabschaffung durchgeführt werden könnte. Das skandinavische Land ist laut Häring eine Art „Versuchsfeld und Vorreiter“, in dem Maßnahmen ausprobiert würden, die später auch Länder wie Deutschland treffen könnten.

    Hierzulande deuten Diskussionen und Medienberichte über die mögliche Abschaffung beispielsweise der 100-Euro-Scheine die Tendenz zu einer bargeldlosen Gesellschaft an.

    So sähe eine bargeldlose Gesellschaft aus

    „Das wäre eine Gesellschaft, in der wirklich alles registriert wird“, beschrieb Häring das Szenario einer bargeldlosen deutschen Gesellschaft. Das ganze Leben und alle Aktivitäten des Alltags wären dann „am Bankkonto ablesbar.“

    Die Menschen „müssen sich halt klar werden: Sie würden dann in einer Gesellschaft leben, in der jeder gläsern wäre. Das ist eine Horror-Vision, in solch einer Gesellschaft zu leben. Da würde es nur noch um Machtinteressen gehen.“

    Andere Bargeld-Befürworter kritisieren die jüngste Personalentscheidung  um die französische Politikerin und Ex-IWF-Chefin Christine Lagarde. Diese wird ab November die EZB als neue Chefin führen. Dafür gab das EU-Parlament am Mittwoch grünes Licht. Zuvor brachte die Französin die Idee einer Gesellschaft ohne Cash ins Spiel.

    „Ich erwarte, dass Lagarde Ideen wie (…) Bargeldabschaffung eine glasklare Absage erteilt“, erklärte dazu der CSU-Europaabgeordnete in der EVP-Fraktion, Markus Ferber, laut Medien Anfang September. „Wer künftig eine der wichtigsten Zentralbanken der Welt führt, muss sich von solchen Ideen distanzieren. Der IWF hat unter Christine Lagardes Führung eine Reihe von zweifelhaften Gedankenspielen durchdekliniert, von denen sie sich als EZB-Chefin distanzieren muss.“

    Das Radio-Interview mit Dr. Norbert Häring zum Nachhören:

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