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22:28 16 Oktober 2019
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    Experte: Boeing-Embraer-Deal schadet Brasilien, EU kann und darf einen Riegel vorschieben

    © Sputnik / Grigorij Sysoew
    Wirtschaft
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    Im vergangenen Jahr wurde unter dem damals amtierenden brasilianischen Präsidenten Michel Temer ein Deal zwischen Boeing und Embraer vereinbart. Demnach soll Boeing die Kontrolle über das Embraer-Geschäft im zivilen Flugzeugbau bekommen – der US-Konzern will 80 Prozent an diesem Geschäftssegment im Wert von 4,75 Mrd. Dollar übernehmen.

    Im kommenden Jahr soll der entsprechende Vertrag unterzeichnet werden. Der Deal zwischen Boeing und Embraer wird mit Argusaugen von der EU verfolgt. Brüssel befürchtet eine weitere Monopolisierung des Marktes.

    Der Deal könnte sich negativ auf den internationalen Wettbewerb auswirken, heißt es bei der EU. Zu den Ländern, deren Unternehmen davon betroffen sein können, gehören Russland, China und Japan.

    Am Freitag begann die EU-Kommission mit einer gründlichen Prüfung des geplanten Deals zwischen Boeing und Embraer. Sie sei darüber besorgt, dass Embraer dadurch vom Regionaljet-Markt verdrängt wird und kein einziger Mitwettbewerber diese Nische besetzen kann. Dies würde dem Wettbewerb schaden und die Kosten für die Käufer erhöhen.

    Experte Volney Gouveia von der Universidade Municipal de São Caetano do Sul stimmte im Sputnik-Interview den Argumenten der europäischen Wettbewerbshüter zu, dass der Deal den Markt weiter monopolisieren würde. Ihm zufolge sollte dieser Fall in der Welthandelsorganisation (WTO) behandelt werden.

    „Man kann die Handlungen der EU verstehen, weil Airbus vor gar nicht so langer Zeit einen Vertrag mit Bombardier abschloss, der sich deutlich vom Deal zwischen Boeing und Embraer unterscheidet“, so der Experte.

    Er erinnerte daran, dass Bombardier mehrere Forderungen an die Airbus stellte.

    Laut dem Experten handelt es sich bei dem Deal um eine „Übernahme von Embraer durch Boeing“.

    „Wir haben ein Unternehmen, das rund 100 Flugzeuge pro Jahr produziert, eines der größten konkurrenzfähigen Unternehmen in der Welt, das dem Land Reserven in internationaler Währung in Höhe von neun Mrd. Dollar pro Jahr einbringt. Wir verkaufen diese Palette kommerzieller Embraer-Flugzeuge an Boeing für 4,5 Mrd. Dollar. Wir verkaufen Embraer also für eine Summe in Höhe von sechs Monaten laufenden Verkäufen der Flugzeuge“, so der Experte.

    Laut dem Experten schade der Deal nicht nur Embraer, sondern auch Brasilien. Das Unternehmen werde de facto an die Amerikaner verramscht, weil die Brasilianer nicht in der Lage seien, strategisch zu denken und zu planen.

    „Meines Erachtens handelt es sich mehr um eine kurzfristige Jagd auf Vorteile für das Unternehmen, als um ein Projekt eines selbstständigen und technologisch unabhängigen Landes“, sagte der Experte.

    „Boeing kontrolliert schon jetzt de facto alle strategischen Projekte von Embraer -  mittel- und langfristig. Objektiv ist alles gerade so. In diesem Fall hört Brasilien auf, ein Subjekt zu sein“, so der Experte.

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    Tags:
    EU, Unternehmen, USA, Schaden, Deal, Boeing, Brasilien